Waffenruhe einseitig verlängert:Iran-Krieg: Ist Trump der Verlierer?
von Narîn Şevîn Doğan
Donald Trump hat die Waffenruhe im Iran-Krieg verlängert, doch ein Abkommen ist nicht in Sicht. Hat der US-Präsident noch die Kontrolle? Die Debatte im ZDF-Podcast.
US-Präsident Donald Trump scheint im Krieg mit dem Iran zunehmend planlos. Die Waffenruhe wurde verlängert. Ob es neue Verhandlungen gibt, ist völlig unklar.
24.04.2026 | 58:40 minMal erklärt US-Präsident Donald Trump den Krieg für so gut wie gewonnen, dann droht er mit der Auslöschung einer ganzen Zivilisation. Zuletzt verkündete er einseitig, dass die Waffenruhe mit Iran verlängert werde. Ein klares Ende hat er dabei nicht formuliert. Die US-Administration scheint sich verkalkuliert zu haben. Ihre Strategie erzielt nicht die gewünschte Wirkung. Hat Donald Trump die Kontrolle verloren?
Nahost-Experte Reinicke bei ZDFheute live zur Lage in Iran und dem erfolglosen Vorgehen Trumps. Die Iraner säßen jetzt in einer besseren Position als vor einem halben Jahr, so Reinicke.
23.04.2026 | 22:29 minViele Drohungen, aber nichts dahinter?
Immer wieder hatte Trump gedroht, dass der Waffenstillstand beendet oder nicht verlängert wird. Die Mullahs zeigen sich unbeeindruckt davon, analysiert Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel, in der aktuellen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump Effekt": "Das hat keine Wirkung mehr. Und es ist schon faszinierend für mich: Wir haben uns alle gefragt: 'Wer ist Donald Trump? Was ist seine Strategie? Wie liest man ihn richtig?' Und man muss jetzt wohl sagen, die Mullahs haben verstanden, ihn zu lesen. Sie haben ihn relativ schnell durchschaut."
Er hat jetzt wieder den Waffenstillstand verlängert, klammheimlich und nicht mehr groß angekündigt, obwohl er vorher wieder was anderes gesagt hat.
Ulf Röller, Leiter ZDF-Studio Brüssel
Die internationale Sonderkorrespondentin des ZDF, Katrin Eigendorf, sagt dazu im Podcast, dass es dramatisch sei, dass wir es mit einem Präsidenten in den USA zu tun haben, der Opfer seines eigenen Größenwahns zu werden scheint. "Aber auf der anderen Seite erlebt man ihn zusehends auch als ein Opfer der Tatsache, dass er keine kritischen Leute mehr um sich hat", so Eigendorf.
Dann hat man halt keinen Blick mehr für die Realität.
Katrin Eigendorf, Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF
US-Präsident Trump eskaliert auf allen Kanälen, mit Drohgebärden und Provokationen gegen Iran und den Papst. Zuhause sinkt die Zustimmung während die Preise an den Zapfsäulen steigen.
15.04.2026 | 8:29 minPokerspiel um die Oberhand
Zu Selenskyj sagte Trump einst, dass die Ukraine nicht die Karten in der Hand habe. Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington, sieht erneut ein Pokerspiel Trumps im Konflikt mit dem Iran. Im Podcast "Der Trump Effekt" erklärt Theveßen, dass der Iran durchaus ein paar Karten habe. Er habe "immer noch mit höchster Wahrscheinlichkeit das angereicherte Uran. Er hat offenbar immer noch Kapazitäten, Drohnen und Raketen zu verschießen." Das Regime sei wahrscheinlich mehr Hardliner als das vorherige, dadurch, dass die Revolutionsgarden mit ihren Generälen jetzt das Sagen haben.
Solange Donald Trump seine Drohung nicht wahrmacht, Energieinfrastruktur anzugreifen und zu zerstören, hat der Iran einen Atem, der möglicherweise für Donald Trump zu lang ist.
Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
Und während das Regime in Iran weitgehend von der Öffentlichkeit isoliert zu sein scheint, "verfügen diese Männer in Teheran über eine klarere Analyse der globalen Lage, als man das in Washington tut", sagt Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf.
US-Präsident Trump hat sich offen für eine Teilnahme des russischen Präsidenten Putin am G20-Gipfel im Dezember gezeigt. Den Ausschluss Russlands aus der G8 halte er für eine "unkluge Idee".
24.04.2026 | 0:22 minRolle der EU im Iran-Krieg
Die Europäer ringen indes um Haltung bei diesem Konflikt. Beim EU-Gipfel in Zypern diskutieren die EU-Staats- und Regierungschefs unter anderem über die Lage im Iran und die Auswirkungen der Sperrung der Straße von Hormus für Europa. Die Regierungschefs der EU seien Opfer und Zuschauer in der dramatisch schwierigen Lage, sagt Röller im Podcast "Der Trump Effekt":
Es ist in den ganzen Wochen dieses Konfliktes doch von vielen Regierungschefs hinter den Kulissen versucht worden, in irgendeiner Form auf Trump einzuwirken.
Ulf Röller, Leiter ZDF-Studio Brüssel
Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben sich auf Zypern mit Vertretern aus Nahost und der Golfregion beraten, wie weitere Friedensverhandlungen im Iran-Krieg aussehen könnten.
24.04.2026 | 1:44 minBundeskanzler Friedrich Merz macht in Zypern klar, dass er eine Übereinkunft zur Freigabe der wirtschaftlich wichtigen Transportroute erzielen will und signalisiert Zuspruch beim Thema Sanktionen. Sanktionen, die verhängt und verschärft wurden infolge von schweren Menschenrechtsverletzungen in Iran.
Wenn eine umfassende Verständigung gelingen soll, dann sind wir auch bereit, die Sanktionen schrittweise zu lockern.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Es ist "ein verzweifelter Versuch, irgendeine Form von Einfluss im Prozess zu bekommen, der extrem schädlich ist", meint Ulf Röller. Zum Gipfel wurden ganz bewusst auch Vertreter der Golfstaaten eingeladen. Europa müsse nun auch neue Partner suchen.
Narîn Şevîn Doğan ist Redakteurin und Reporterin der ZDF-Sendung auslandsjournal.
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