Folgen des Iran-Kriegs:Inflation steigt im März deutlich
Mit dem Iran-Krieg und dem Ölpreisschock hat die Inflation in Deutschland deutlich angezogen. Im März lag die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt bei 2,7 Prozent.
Die Inflation ist wegen der hohen Ölpreise in diesem Monat mit 2,7 Prozent deutlich gestiegen. Besonders die Chemiebranche ist betroffen.
30.03.2026 | 1:35 minDie stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs schlagen auf die deutsche Inflation durch. Waren und Dienstleistungen kosteten im März durchschnittlich 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Teuerungsrate im Februar noch auf 1,9 Prozent gesunken war.
Das teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024.
ZDFheute Infografik
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Besonders stark verteuerte sich im März Energie: Hier zogen die Preise nach Angaben der Statistiker um 7,2 Prozent zum Vorjahresmonat an. Das ist der erste Anstieg bei Energie seit Dezember 2023.
Bei Dienstleistungen, zu denen etwa Restaurantbesuche und Reisen zählen, stiegen die Preise um 3,2 Prozent. Lebensmittel waren 0,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.
Der Iran-Krieg treibt die Preise weiter nach oben: Im März lag die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt bei 2,7 Prozent. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann ordnet ein.
30.03.2026 | 1:38 minHeinemann: "Anstieg der Inflationsrate ist erst der Anfang"
"Der Sprung bei den Energiepreisen wird sich in den kommenden Monaten in viele Kalkulationen hineinfressen und zu Preiserhöhungen führen", sagte Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut. "Dieser Anstieg der Inflationsrate ist erst der Anfang."
Bereits vor dem Iran-Krieg sei Deutschland mit einer hartnäckigen Inflation bei Dienstleistungen konfrontiert gewesen. "Die neue Inflation bei Sprit und Gas trifft nun auf die alte Inflation - vom Handwerk bis zur Unterhaltungsbranche." Diese Mischung werde die Inflation "nun rasch auf drei Prozent und darüber treiben".
ZDF-Experte: "Müssen mit deutlich höheren Inflationsraten rechnen"
ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann hält bei den neuen Inflationsraten die sogenannten "Zweitrundeneffekte" für gefährlich, also wenn sich die gestiegenen Energiekosten auf alle Produkte und Dienstleistungen auswirken würden, für deren Herstellung Energie benötigt wird.
Angesichts hoher Ölpreise wächst in der Wirtschaft die Sorge vor steigender Inflation. Die Bundesregierung diskutiert eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.
28.03.2026 | 1:42 min"Insofern ist die Meldung von heute wahrscheinlich leider nur ein Anfang - und wir müssen mit einer deutlich höheren Inflationsrate in den nächsten Monaten rechnen", so Neuhann weiter.
Iran-Krieg als möglicher Preistreiber
Der Krieg der USA und Israels gegen Iran hat die Öl- und Gaspreise stark nach oben getrieben. Denn Iran hat die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert wird, faktisch geschlossen.
Hoffnungen, dass der Krieg schnell vorbei sein könnte, haben sich zerschlagen, dafür wachsen die Sorgen um die deutsche Wirtschaft.
Die Folgen der Kämpfe im Nahen Osten treffen Autofahrer an den Tankstellen hierzulande. Auch Gas und Strom haben sich für Neukunden deutlich verteuert.
Wir haben es hier mit einem externen geopolitischen Schock zu tun. Da sind die Handlungsmöglichkeiten relativ begrenzt.
ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann über die gestiegenen Kosten durch den Iran-Krieg
"Natürlich kann die Politik versuchen, den Energiepreisschock etwas abzufedern. Jede Maßnahme aber muss gut überlegt sein, denn die Finanzen des Bundes sind ja bereits sehr angespannt." Die wichtigste Hoffnung liege darin, dass der Krieg - und damit die Blockade der Straße von Hormus - bald ende.
Angesichts hoher Ölpreise wächst in der Wirtschaft die Sorge vor steigender Inflation. Die Bundesregierung diskutiert eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.
28.03.2026 | 1:42 minIfo-Institut: Mehr Firmen wollen Preise erhöhen
Aus Sicht von Ökonomen besteht die Gefahr, dass sich der Energiepreisschock in der Breite der Wirtschaft niederschlägt. So könnten steigende Produktions- und Transportkosten die Preise für Lebensmittel, Restaurantbesuche und Dienstleistungen steigen lassen. Auch am Bau werden Kostensteigerungen erwartet und gestiegene Düngemittelpreise belasten Bauern.
Wegen des Iran-Kriegs wollen deutlich mehr Unternehmen in Deutschland ihre Preise erhöhen, zeigten bereits neue Ifo-Daten. Der Indikator des Münchner Instituts stieg um fünf Punkte auf den höchsten Wert seit März 2023. "Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.
Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter.
Klaus Wohlrabe, Ifo-Experte
Besonders stark steigen die Preiserwartungen laut Ifo in der Industrie sowie im Baugewerbe. Auch die konsumnahen Dienstleister, also zum Beispiel Gastronomie, Einzelhandel oder Gesundheit, erhöhten ihre Preiserwartungen kräftig.
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