Iran-Krieg und hohe Energiepreise: IfW-Chef "sehr besorgt"

Interview

Ökonom warnt vor übereifrigem Handeln:Energiekrise: IfW-Präsident Schularick "sehr besorgt"

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Die Energiepreise bleiben weiter auf hohem Niveau. Welche Maßnahme jetzt sinnvoll wäre, erklärt IfW-Präsident Moritz Schularick. Er warnt allerdings auch vor übereifrigem Handeln.

Schaltgespräch zwischen der Moderatorin Marietta Slomka und dem Wirtschaftsforscher Moritz Schularick

Je länger das Öl- und Gasangebot reduziert sei, desto weiter würden die Preise steigen, sagt der Wirtschaftsforscher Moritz Schularick zu den Folgen des Kriegs im Nahen Osten.

29.03.2026 | 5:21 min

Die Weltwirtschaft in Aufruhr, die Spritpreise noch immer auf hohem Niveau - der Iran-Krieg und seine wirtschaftlichen Folgen machen auch Deutschland weiter schwer zu schaffen. Im ZDF heute journal blickte Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), auf die Folgen der komplizierten Lage in Nahost und mögliche Auswege aus der Krise.

Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Das sagte Schularick ...

... über die Aussichten für die deutsche Wirtschaft

Er sei mit Blick auf die Lage der Weltwirtschaft "sehr besorgt". Im Nahen Osten sei keine "kurze und schnelle Lösung für die Probleme" in Sicht, so der Ökonom. Durch die Blockade der Straße von Hormus sei das weltweite Ölangebot um rund zehn Prozent reduziert - ähnlich sehe es beim Gasangebot aus. Je länger diese Blockade andauere, desto eher würden die Preise für Öl und Gas noch weiter steigen.

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Zwar meinte Schularick auch: "Wenn das jetzt schnell in den nächsten ein, zwei Wochen vorüber ist und die Straße von Hormus wieder passierbar ist, dann werden wir da auch aus deutsch-europäischer Sicht wahrscheinlich mit einem blauen Auge davonkommen." Für die globale Wirtschaft, so Schularick, wäre es eigentlich am besten, "Trump würde jetzt den Sieg verkünden und dann nach Hause fahren". Das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein. "Wir sehen ja in der Tat jetzt auch zusätzliche Truppenverlegungen in den Golf."

Das wirkliche Negativ-Szenario ist jetzt eine lange und dauerhafte Schließung dieser so wichtigen Seestraße - vielleicht auch eine Bodenoffensive.

Moritz Schularick, IfW Kiel

... über staatliche Gegenmaßnahmen

Schon seit Kriegsbeginn spüren auch die Menschen in Deutschland die Auswirkungen des Iran-Kriegs im Geldbeutel - insbesondere bei den hohen Spritpreisen. Die Politik diskutiert über mögliche Gegenmaßnahmen. Dabei werden etwa eine Übergewinnsteuer oder auch eine Pendlerpauschale genannt. Der Ökonom rät zur Vorsicht: "Wir wissen erst mal noch nicht, wie das jetzt wirklich weitergeht", sagte Schularick.

Wir sollten ein gewisses Pulver auch trockenhalten, im wahrsten Sinne des Wortes, falls es jetzt noch schlimmer kommt.

Moritz Schularick, IfW Kiel

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Man sei, "wenn man Benzin und Öl aus dem Golf in Autos packt", nun einmal ein Stück weit abhängig von instabilen Weltregionen. "Und wenn sich diese Risiken, wenn sich das realisiert, dann sollten [...] wir nicht als erstes nach dem Staat rufen, um zu sagen, das muss jetzt irgendwie abgefedert werden."

Das ist halt manchmal so teuer, weil das geopolitisch sehr instabile Lieferanten sind. Und das gehört dazu, wenn man so tankt.

Moritz Schularick, IfW Kiel

Womöglich wäre die Pendlerpauschale ein konkretes Instrument, mit dem man gegen diese Marktentwicklung ankämpfen könnte. Schularick warnte allerdings, dass sie nicht besonders zielgenau sei. "Wir wissen, dass die Pendler, insbesondere die jetzt davon am stärksten profitieren würden, nicht unbedingt zu den Einkommensschwachen gehören." Das Abmildern der wirtschaftlichen Härte käme in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung also "gar nicht so direkt" an.

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... über steuerpolitische Pläne aus der SPD

Einen weiteren Weg der Entlastung hatte SPD-Chef Lars Klingbeil jüngst angeregt. Untere und mittlere Einkommen sollen steuerlich entlastet werden. "Ich finde, das ist grundsätzlich eine gute Idee, dass wir versuchen, über eine Einkommenssteuersenkung Arbeit und Investitionen in Deutschland attraktiver zu machen", meinte Schularick. Gegenfinanziert werden könne das, ohne den Staatshaushalt zusätzlich zu belasten:

Wenn man das aufkommensneutral macht, also wenn am Ende nicht mehr in den Haushalt reinkommt [...] und das über eine Mehrwertsteuererhöhung gegenfinanziert wird, dann ist das eine Entwicklung absolut in die richtige Richtung.

Moritz Schularick, IfW Kiel

Der Experte mahnte aber auch: Der Staat habe kein Einnahmenproblem. "Wir haben ein Ausgabenproblem und wir müssen diese Ausgaben in den Griff bekommen - die laufen uns jetzt seit einigen Jahrzehnten schon davon, vor allem bei dem Rentenzuschuss, aber auch in anderen Bereichen."

Das Interview im heute journal führte Marietta Slomka, zusammengefasst hat es Torben Heine.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 29.03.2026 ab 21:45 Uhr und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 30.03.2026 ab 05:30 Uhr.
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