Humanoide Roboter: Was Deutschland von China lernen kann

Nach Börsengang von Unitree:Humanoide Roboter: Was Deutschland von China lernen kann

von Klaus Weber

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Die Nachfrage nach Aktien des Roboter-Herstellers Unitree war schier grenzenlos. Hat China auch bei Humanoiden die Nase vorn? Wo deutsche Unternehmen in der Entwicklung stehen.

Humanoide Roboter in Peking.

Die Weltroboterkonferenz in Peking zeigt, welche Aufgaben humanoide Roboter künftig in der Altenpflege übernehmen könnten. Vor allem China treibt die Entwicklung voran.

22.08.2026 | 1:36 min

Tanzende Roboter oder ein humanoider Roboter, der gerade den 100-Meter-Weltrekord von Usain Bolt knackt: Das sind spektakuläre Bilder. Doch am Ende der Entwicklung sollen humanoide Roboter im Alltag ankommen. Heißt: am Fließband stehen, im Altenheim die Pflege übernehmen oder ganz banal zu Hause Wäsche waschen und bügeln.

So weit sind die Roboter allerdings noch nicht. Über 600 Prozent Kursgewinn bei der Aktie des Roboter-Herstellers Unitree aus China am ersten Handelstag und eine 8.000-fache Überzeichnung sind somit auch eine gewaltige Wette der Anleger auf die Zukunft. Viel Lärm um Nichts also? Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkunden von der Deutschen Bank, sieht es so:

Der Hype ist groß, der technologische Fortschritt aber real.

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkunden, Deutsche Bank

"Globale Auslieferungen von etwa 20.000 Stück in 2025 könnten sich auf über eine Million Ende des Jahrzehnts ausweiten und auf über zehn Millionen Mitte des nächsten Jahrzehnts", führt Stephan aus.

Schaltgespräch zwischen dem Moderator Heinz Wolf und dem Wirtschaftsexperten Florian Neuhann

Von beeindruckenden Fähigkeiten der Roboter Made in China berichtet ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann - und dem Masterplan von Chinas Regierung. In Deutschland müsse mehr passieren.

19.08.2026 | 1:31 min

BMW ein Vorreiter für humanoide Roboter in Deutschland

In Deutschland gilt BMW als Vorreiter beim Einsatz von humanoiden Robotern. Im Werk Leipzig befindet man sich beispielsweise in einer späten Testphase, in der Roboter den Transport von schweren Batteriemodulen übernehmen.

In vielen Unternehmen steht man aber erst am Anfang. Dennoch wird der industrielle Einsatz sehnlichst erwartet. Laut einer Erhebung des Branchenverbands Bitkom nutzen derzeit sechs Prozent der Industriebetriebe humanoide Roboter, weitere zehn Prozent planen ihren Einsatz.

Eine Frau in einer Werkhalle oder einem Labor beugt sich über einen Tisch und arbeitet konzentriert an einem weißen Robotarm mit Greifwerkzeug. Sie trägt eine auffällige gelbe Schutzjacke und blickt auf ein Bauteil, das der Roboter hält. Neben ihr steht ein Laptop, im Hintergrund sind technische Geräte zu sehen. Das Bild zeigt die Entwicklung und Anwendung moderner Robotik.

In der Robotik steht Deutschland recht gut da. Sowohl als Entwickler als auch als Abnehmer. Immerhin Platz 5 in der Welt, Nr. 1 in Europa. Allerdings dominiert Asien, vor allem China, den Markt.

20.04.2026 | 3:04 min

Roboter als Ersatz für Fachkräfte?

"58 Prozent der Industrieunternehmen sehen in ihnen eine Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, 68 Prozent erwarten weniger Arbeitsunfälle", sagte Marlene Kionka, Referentin Manufacturing beim Bitkom. Hinzu komme die Aussicht auf Produktivitätsgewinne.

64 Prozent erwarten, dass humanoide Roboter die Industrie produktiver machen können.

Marlene Kionka, Referentin Manufacturing, Bitkom e.V.

Viele Unternehmen erwarten allerdings laut der Bitkom-Umfrage auch, dass die Technologie frühestens in zehn Jahren in der Breite ankommt. Über 50 Prozent erwarten dies sogar erst in elf bis 20 Jahren.

Auch Chefanlagestratege Stephan sieht humanoide Roboter "zunächst eher als Ergänzung und nicht als Ersatz für Fachkräfte". Dabei glaubt er am ehesten an den Einsatz in den Bereichen Logistik, Automobil und Fertigung.

Ein humanoider Roboter läuft schneller als der schnellste Mensch der Welt.

Mit 9,39 Sekunden läuft ein humanoider Roboter erstmals schneller als der schnellste Mensch. Damit bricht der Roboter den Weltrekord aus dem Jahr 2009 und überholt Usain Bolt.

23.08.2026 | 0:18 min

Roboter in der Pflege oder als Haushaltshilfe

Und wann werden humanoide Roboter etwa die Wohnung putzen oder mithelfen, das Pflegedilemma zu bekämpfen? "Dieser Wunsch wird so schnell nicht in Erfüllung gehen", dämpft Wirtschaftsingenieur Simon Schmidt vom Fraunhofer-Institut IPA die Erwartungen.

Das habe zwei Gründe: Zum einen seien wir technologisch, beispielsweise hinsichtlich Roboterhänden oder Autonomie, noch nicht so weit. "Zum anderen ist die physische Sicherheit, die gerade im Umfeld von Menschen besonders relevant ist, noch eine ungelöste Aufgabe", erklärt Schmidt.

Humanoide Roboter sollen im Haushalt unterstützen.

Bei Pekings Welt-Roboter-Spielen messen sich erstmalig menschenähnliche Roboter in Aufgaben im Haushalt. Bis 2035 sollen in allen Lebensbereichen in China intelligente Systemen eingesetzt werden.

22.08.2026 | 1:12 min

China treibt Entwicklung voran - staatlich gefördert

Gerade im häuslichen Einsatzbereich wird vor allem China, das bereits jetzt führend bei humanoiden Robotern ist, die Entwicklung vorantreiben. Im Land leben 320 Millionen Menschen im Seniorenalter. Tendenz steigend. Auch deshalb kommen die größten Anbieter unter anderem aus der Volksrepublik und liefern über 90 Prozent der humanoiden Roboter weltweit. Der Trend ist staatlich verordnet und wird gefördert.

Könnte Deutschland wieder einmal bei einer Zukunftstechnologie abgehängt werden? Der Börsengang von Unitree und die vielen Videos erweckten zwar den Eindruck, China sei Europa und Deutschland weit voraus, meint Simon Schmidt.

Jedoch haben auch wir interessante und vielversprechende Player im Bereich humanoide Robotik.

Simon Schmidt, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Stuttgart

Vor allem dort, wo Fachwissen einer bestimmten Branche mit den technischen Fähigkeiten von Robotern verbunden werde, sei Deutschland gut aufgestellt.

Eine Frau programmiert einen Roboter

Wie können KI und Roboter unseren Arbeitsalltag wirklich besser machen? Und wie erfinden wir Arbeit so neu, dass Maschinen zu Helfern werden, statt unsere Jobs zu übernehmen?

07.05.2026 | 43:30 min

Deutschland muss Chancen nutzen

Neben BMW testet Siemens in Erlangen derzeit Humanoide für innerbetriebliche logistische Abläufe. Auch der Zulieferer Schaeffler will entsprechende Roboter in seinem weltweiten Produktionsnetz einsetzen. Gleichzeitig entwickelt Schaeffler Komponenten für solche Industrieroboter.

Allerdings muss Deutschland die sich daraus ergebenden Chancen auch nutzen. Denn China habe unter anderem den Vorteil "großer Pilotmärkte, staatlicher Förderung und schneller Kostensenkungen", meint Ulrich Stephan. Heißt: Deutschland darf keine Zeit verlieren.

Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, unter anderem in der heute-Sendung am 22.08.2026 ab 19 Uhr sowie im heute journal am 19.08.2026 ab 21:45 Uhr.

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