World Robot Games:Humanoide kämpfen gegen Wäscheberge und häusliche Unordnung
von Elisabeth Schmidt, Peking
Weniger Show, mehr alltagstaugliche Funktionen: Die Welt-Roboter-Spiele in Peking verlagern ihren Fokus von reiner Unterhaltung auf die kommerzielle Bewährungsprobe.
Bei Pekings Welt-Roboter-Spielen messen sich erstmalig menschenähnliche Roboter in Aufgaben im Haushalt. Bis 2035 sollen in allen Lebensbereichen in China intelligente Systemen eingesetzt werden.
22.08.2026 | 1:12 minFür die meisten Menschen wäre einen Marathon zu laufen wohl herausfordernder, als einen Apfel in eine Obstschale zu legen. Doch bei menschenähnlichen Robotern ist das offenbar andersherum. In der Vergangenheit knackten Humanoide in Peking bereits menschliche Sprint-Rekorde, brillierten im Hip Hop-Tanzen oder Kung Fu. Doch ausgerechnet der Haushalt scheint eine große Herausforderung, ja, eine "Königsdisziplin" zu sein für die menschenähnlichen Maschinen.
Laut Veranstalter treten bei den diesjährigen zweiten Welt-Roboter-Spielen in Peking mehr als 2.000 Humanoide aus 16 verschiedenen Ländern gegeneinander an - viermal so viele Roboter wie im vergangenen Jahr. Das Event vom 22. bis 26. August wird von der Regierung ausgerichtet und fällt in dieselbe Woche, in der Chinas großer Hoffnungsträger Unitree an die Börse ging. Unitree mit Sitz in Hangzhou ist einer der weltweit größten Hersteller von humanoiden Robotern, gemessen an Verkaufszahlen.
Erstmals Alltagsszenarien als Disziplinen
Die Roboter-Spiele in Peking wurden in diesem Jahr regelrecht aufgepumpt, von 26 Disziplinen im vergangenen Jahr zu 51 in diesem. 21 Wettbewerbe widmen sich erstmals Alltagsszenarien wie Gastgewerbe, Gartenarbeit, Haushaltsdienstleistungen, Brandbekämpfung und Notfallrettung. Das ZDF durfte exklusiv als ausländisches Medium bei der Disziplin "Haushalt" drehen - sonst sind die Alltagsszenarien fast alle auf chinesische Medien beschränkt. Wir verstehen schnell, warum.
Von beeindruckenden Fähigkeiten der Roboter Made in China berichtet ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann - und dem Masterplan von Chinas Regierung. In Deutschland müsse mehr passieren.
19.08.2026 | 1:31 minDer Wettbewerbsort ist ein Showroom einer Smart-Home-Firma, mit drei Zimmern und echten Möbeln, Küchenzeile und Waschmaschine. Die Humanoiden sollen das Wohnzimmer aufräumen, Kleidung zusammenfalten und in den Schlafzimmer-Schrank legen, Schmutz-Wäsche aus einem Korb in die Waschmaschine einräumen, frisch gewaschene Wäsche auf einen Bügel zum Trocknen hängen und ein Paket an der Haustür entgegennehmen. 30 Minuten haben die Humanoiden dafür Zeit. In den fünf Stunden, in denen wir den mehrere Tage dauernden Wettbewerb drehten, schaffte keiner der Roboter diese Aufgabe.
Das Schwierigste für den Roboter ist, die Aufgaben autonom zu bewältigen.
Ju Xiaozhu, Teilnehmer der Welt-Roboter-Spiele
Ju Xiaozhu tritt mit dem Pekinger Humanoiden "Tiangong" an und erklärt das komplizierte Zusammenspiel von Sensoren, Kameras und künstlicher Intelligenz: "Wenn der Humanoide einen Gegenstand greifen soll, muss er zunächst das Navigationsmodul aufrufen. Sobald er an einer bestimmten Position angekommen ist, ruft der Roboter das Modul zur Identifizierung von Gegenständen auf. Danach ruft er den Greifbefehl auf." Sein "Tiangong" startet gut, bewegt sich allerdings nach den ersten aufgeräumten Gegenständen nicht mehr. Netzwerkprobleme - er scheidet aus.
In Bremen wird der KI-Unterwasserroboter Cuttlefish entwickelt. Er soll künftig Altmunition im Meer aufspüren, Drohnen unter Wasser erkennen und kritische Infrastruktur schützen.
18.08.2026 | 2:30 minChinas Staatsführung erhöht Druck
Bei den Welt-Roboter-Spielen ist dennoch beeindruckend, mit welcher Konsequenz Chinas Forschungsinstitute und Unternehmen die Weisung der Staatsführung umsetzen. Diese hat das Ziel ausgegeben, bis 2030 die umfassende globale Führerschaft in der KI-Entwicklung zu erreichen. Bis 2035 sollen alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche vollständig und allgegenwärtig mit intelligenten Systemen, also auch KI-Robotern, durchdrungen sein.
Im Jahr 2025 produzierte China 12.800 Humanoide, was etwa 90 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion entsprach; diese wurden hauptsächlich in Ausbildungszentren, Forschungslaboren, in der Logistik und in der Fertigung eingesetzt. Dies war ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024, wurde jedoch von der jährlichen Produktion von Industrierobotern (556.000 Einheiten) in den Schatten gestellt.
Quelle: "The Robot Report 2026"
In Pekings - wörtlich - "weltweit erster Roboter-Station für die Altenpflege" werden Humanoide bislang nur zu Tanz- oder Kung-Fu-Darbietungen eingesetzt.
Sie können zurzeit noch nicht komplett den Menschen ersetzen. Das hat Sicherheits- und rechtliche Gründe.
Han Xin, Betriebsleiterin "Intelligente Roboterstation für die Altenpflege" Peking
Sie sollen Pfannkuchen backen und massieren: Pekings neue, menschenähnliche Roboter unterstützen bereits in Pflegeheimen - Anspruch und Wirklichkeit klaffen aber noch weit auseinander.
12.08.2026 | 6:17 minRoboter wegen Demographie-Problem
Menschenähnliche Roboterarme massieren in der Altentagespflege-Station allerdings bereits Besucher oder spielen Schach gegen sie. "China hat bereits knapp 320 Millionen alte Menschen. Wir stecken tief in einer Überalterung. Technologiegestützte Altenpflege ist ein Zukunftstrend in unserem Land," erklärt Einrichtungsleiterin Han Xin.
Noch klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei den humanoiden Alltagshelfern weit auseinander. Doch auf Chinas jetzigen Welt-Roboter-Spielen wird sehr deutlich, dass sich der Fokus verlagert: weniger Show, mehr alltagstaugliche Funktionen. Roboter sollen kommerzialisierbar gemacht werden. Bei diesen Humanoiden-Spielen erhöht Peking sichtbar den Druck.
Elisabeth Schmidt ist Ostasienkorrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking.
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