Hitzewelle: Drei Bereiche, die die Wirtschaft Milliarden kosten

Wirtschaftliche Folgen der Hitzewelle:Drei Gründe, warum mehr Hitzetage mehr Kosten verursachen

von Miriam Hantzsche

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Der Juni 2026 brachte Deutschland eine außergewöhnliche Hitzewelle. Die Anzahl der Hitzetage pro Jahr steigt seit Jahren kontinuierlich - eine Herausforderung für die Wirtschaft.

Hitze: Arbeiten unter extremen Bedingungen

Während die einen sich auf Sonne, Eis und Pool freuen, müssen andere schwerste körperliche Arbeit leisten. Vor allem auf der Baustelle werden die Temperaturen zunehmend zur Belastungsprobe.

24.06.2026 | 1:54 min

Häufigere und längere Hitzeperioden durch den Klimawandel können für Unternehmen sehr teuer werden. Drei Felder sind dabei entscheidend.

1. Sinkende Produktivität bei Hitzewellen

Gerade auf Baustellen, in der Logistik oder in Produktionsbetrieben kann bei Hitze die Leistungsfähigkeit sinken, Arbeitsabläufe können sich verlangsamen.

Laut einer Analyse von Allianz Trade sinkt die durchschnittliche Arbeitsproduktivität der Gesamtwirtschaft bei Hitzewellen ab 30 Grad Celsius schätzungsweise mit jedem weiteren Grad um etwa drei Prozent. Dadurch könnte die deutsche Wirtschaft in den kommenden fünf Jahren insgesamt einen volkswirtschaftlichen Schaden von über 110 Milliarden Euro erleiden.

Die wirtschaftlichen Kosten von Hitze sind keine ferne Zukunftsprognose, sondern orientieren sich an bereits beobachteten Entwicklungen.

Hazem Krichene, Senior-Klimaökonom bei Allianz Trade

Laut einer Modellrechnung des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos entfallen 97 Prozent der Kosten, die bei Unternehmen durch Hitzewellen entstehen, auf Produktivitätsverluste.

Die Studie schätzt zudem rund 76.500 zusätzliche Fehltage je Hitzetag durch hitzebedingte Erkrankungen und Arbeitsunfälle. Auch Unfall- und Krankenkassen berichten, dass an Hitzetagen sowohl die Zahl der Arbeitsunfälle als auch der hitzebedingten Krankmeldungen ansteigen.

Quelle: Prognos "Arbeitsschutz im Klimawandel", 2026


Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Ragnitz bewertet die Modellrechnungen allerdings deutlich zurückhaltender. Die Summe der theoretischen Verluste höre sich auf den ersten Blick groß an, sei relativ zum Bruttoinlandsprodukt jedoch eher gering.

Wertschöpfungsverluste könnten zudem durch Mehrarbeit an kühleren Tagen teilweise ausgeglichen werden.

Prof. Dr. Joachim Ragnitz, Wirtschaftswissenschaftler am ifo Institut

Außerdem seien die Verluste je nach Branche sehr unterschiedlich zu bewerten. Bei Tätigkeiten im Freien, zum Beispiel im Straßenbau, seien höhere Wertschöpfungsverluste zu erwarten als zum Beispiel bei Bürotätigkeiten, so Ragnitz.

Eine fest installierte Klimaanlage in einer Wohnung wird getestet, indem eine Hand in den Luftstrom gehalten wird.

Wegen der Hitze steigt die Nachfrage nach Klimaanlagen stark. Mobile Geräte sind oft ausverkauft. Beim Einbau fester Anlagen sind bauliche und rechtliche Fragen zu klären.

12.07.2026 | 1:29 min

2. Steigende Energiekosten durch Hitze

In Büros und anderen Arbeitsräumen, aber besonders in Bereichen mit hohen Anforderungen an Temperaturkontrolle, etwa der Lebensmittelproduktion, im Handel oder in Rechenzentren, könnten häufigere Hitzewellen den Bedarf an Kühlung erhöhen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nennt technische Maßnahmen wie Lüftung und gezielte Kühlung als mögliche Anpassungen, wenn hohe Temperaturen die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten beeinträchtigen.

Erhöht sich der Kühlbedarf in Unternehmen, hat das auch Auswirkungen auf die Energiekosten. Allianz Trade berechnet, dass diese pro zusätzlichem Grad über 30 Grad Celsius um etwa 1,2 Prozent steigen können.

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Ein Problem sieht Krichene auch darin, dass die Energiekosten gerade dann steigen, wenn die Beschäftigten am wenigsten produktiv arbeiten können. Dies könne zu weniger Investitionen führen, weil Unternehmen gleichzeitig höhere Betriebskosten und geringere Produktivität tragen müssen.

Hitze wirkt deshalb nicht wie ein einmaliger Schock, sondern wie eine dauerhafte Belastung für das Wirtschaftswachstum.

Hazem Krichene, Senior-Klimaökonom bei Allianz Trade

3. Infrastruktur gerät unter Hitzedruck

Während der jüngsten Hitzewelle im Juni kam es deutschlandweit zu erheblichen Problemen im regionalen Bahnverkehr, nachdem hitzebedingte Schäden an technischen Komponenten auftraten. In den Städten Leipzig und Nürnberg beispielsweise musste der Straßenbahnverkehr zeitweise vollständig eingestellt werden, weil sich Fugenmaterial an den Gleisen verformte. Auch an Autobahnen gab es bundesweit Schäden durch aufgeplatzten Asphalt oder aufgewölbte Betonplatten.

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01.07.2026 | 0:24 min

Allein die Nürnberger Verkehrsbetriebe beziffern ihren Schaden im Moment auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Demnach lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen, wie hoch der finanzielle Schaden bundesweit sein mag.

Das Umweltbundesamt (UBA) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) weisen darauf hin, dass künftig bei vermehrten Hitzewellen häufiger Reparaturen notwendig werden und Verkehrswege zeitweise nur eingeschränkt genutzt werden können. Für Unternehmen kann das Lieferverzögerungen und zusätzliche Kosten verursachen.

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Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Schienen oder Investitionen in hitzeresistentere Materialien könnten größere Schäden vermeiden, erklärt Klimaökonom Krichene.

Gegen diese Risiken kann man etwas tun. Entscheidend ist jedoch, dass Anpassungsmaßnahmen rechtzeitig geplant werden und nicht erst dann erfolgen, wenn die Schäden bereits eingetreten sind.

Hazem Krichene, Senior-Klimaökonom bei Allianz Trade

Entscheidend sei, dass Unternehmen und öffentliche Hand frühzeitig investieren, so Krichene. Je später Infrastruktur und Gebäude an häufigere Hitze angepasst werden, desto höher dürften künftig die wirtschaftlichen Schäden ausfallen.

Miriam Hantzsche ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete "hallo deutschland" am 24.06.2026 ab 17:10 Uhr.

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