Freibäder am Limit: Warum der Hitze-Boom kaum Gewinn bringt

Hoher Investionsbedarf bei Freibädern:Warum Freibäder trotz Überfüllung keinen Gewinn machen

von Klaus Weber

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Die Hitze sorgt deutschlandweit für volle Freibäder. Der große Andrang bringt dringend benötigte Mehreinnahmen. Doch genügt das, um weitere Schließungen zu verhindern?

Hitzewelle und ein Sommer, der bereits im Mai beginnt: Das könnte Freibädern Geld in die Kassen spülen. Doch funktioniert das wirklich?

Hitzewelle und ein Sommer, der bereits im Mai beginnt: Das könnte Freibädern Geld in die Kassen spülen. Doch funktioniert das wirklich?

11.07.2026 | 0:43 min

Besonders hart traf es die kleine Taunusgemeinde Glashütten. Das vor allem bei Familien beliebte Freibad musste in diesem Hitzesommer mehrere Tage geschlossen bleiben. Der Grund: Trinkwasserverknappung.

"Der außergewöhnlich hohe Wasserverbrauch war insbesondere auf die intensive Gartenbewässerung sowie das Befüllen und Nachfüllen privater Pools während der anhaltenden Hitzeperiode zurückzuführen", erklärt die Gemeinde gegenüber ZDFheute.

Der Brandschutz im Ort konnte nicht mehr gewährleistet werden. Die Gemeinde Glashütten zog die Notbremse. Sie schloss das Freibad für mehrere Tage, weil dort auch aufgrund von Filterspülungen viel Wasser verbraucht wird.

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Der vergangene Juni war in Westeuropa der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Laut EU-Klimadienst Copernicus lag die Durchschnittstemperatur bei 20,74 Grad.

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Hitze treibt Besucherzahlen der Freibäder in Rekordhöhen

Mehr als nur ärgerlich, denn das Schwimmbad in Glashütten hätte sicher auch gerne noch mehr vom aktuellen Ausnahmezustand rund um Deutschlands Badeanstalten profitiert. Die meldeten im Juni nämlich Rekordbesucherzahlen. So besuchten zum Beispiel 50.702 Gäste die Hanauer Schwimmbäder. Damit wurde die bisherige Bestmarke von 39.183 Gästen aus 2023 übertroffen.

Mehr Badegäste bringen mehr Einnahmen. "Aus finanzieller Sicht ist dieser Boom eine schöne Finanzspritze für die Betriebe, die ansonsten defizitär betrieben und bezuschusst werden", sagt Ann-Christin von Kieter Schmidt von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

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Mehr Badegäste bedeuten auch mehr Kosten

Fakt ist: Viele Freibäder arbeiten dieser Tage an der Kapazitätsgrenze. So viele Menschen wollen sich abkühlen, dass man den Einlass sogar begrenzen und Badegäste abweisen muss.

Die Anforderungen an Aufsicht, Sicherheit und Service steigen deutlich - gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.

Ann-Christin von Kieter Schmidt, Deutsche Gesellschaft für das Badewesen

Deshalb müsse man bei hohen Gästezahlen auch etwas höhere Kosten gegenrechnen, zum Beispiel für mehr Personal oder die Wasseraufbereitung, erläutert von Kieter Schmidt. Heißt: Allzu viel Reserve können sich die Bäder selbst in diesen Boom-Zeiten nicht aufbauen.

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Christian Raffer vom Deutschen Institut für Urbanistik bringt es auf den Punkt: "Es kommen auch wieder Regentage, an denen weniger Menschen ins Freibad gehen und Eintritt zahlen. Die Betriebskosten fallen aber auch bei schlechtem Wetter an."

Schwimmbäder kämpfen mit Sparzwängen

Kurzum: Zusätzliche Einnahmen sind zwar schön, aber lösen nicht die grundsätzlichen Probleme der kommunalen Freibäder. Für Raffer ist das vor allem "der zum Teil schlechte Zustand der Infrastruktur in Verbindung mit der aktuell desaströsen kommunalen Finanzsituation". Da der Sparzwang bei den Kommunen gerade riesig sei und "Freibäder eine freiwillige öffentliche Leistung darstellen, ist das Risiko hoch, dass hier der Rotstift angesetzt wird", so Raffer.

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Deshalb glaubt Ann-Christin von Kieter Schmidt, dass die aktuellen Mehreinnahmen nur ein Nebenaspekt sind. Viel wichtiger sei, dass Bäder beliebt sind und vor allem in Hitzeperioden dringend gebraucht würden.

Der Run auf die Freibäder zeigt die Wertschätzung der Bürgerinnen und Bürger gegenüber dieser freiwilligen kommunalen Infrastruktur und hilft bei etwaigen Schließungsdiskussionen enorm.

Ann-Christin von Kieter Schmidt, Deutsche Gesellschaft für das Badewesen

Investitionsbedarf in Schwimmbäder ist enorm

Die Wertschätzung der Bürger hilft den Bädern allerdings nur, wenn sie von der Politik bei ihren Entscheidungen auch mit einbezogen wird. Denn Orte, an denen man sich abkühlen kann, sind in den vergangenen Jahren rar geworden. Laut Bäderatlas gibt es in Deutschland noch gut 2.400 reine Freibäder. Laut einer Erhebung des Deutschen Instituts für Urbanistik droht jedem sechsten Bad in den nächsten Jahren die Schließung.

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Der Investitionsbedarf ist enorm. Der Bund hat deshalb im Rahmen des Sondervermögens ein Förderprogramm aufgelegt. Insgesamt will er 250 Millionen Euro an Investitionsförderung vergeben. Klingt viel, ist aber offenbar zu wenig. Denn es haben sich Kommunen mit einem Förderbedarf von 3,2 Milliarden Euro beworben. Das ist knapp 13 Mal mehr, als zur Verfügung steht.

Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Passanten erfrischen sich an Wasserfontänen, die von der Stadt Köln im Rahmen der Hitzeaktion "Cooling Cologne" auf dem Rudolfplatz ausgelegt wurden.
Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Füllt die Hitzewelle die Freibadkassen?" am 11.07.2026 um 16:55 Uhr.

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