Betrüger schalten zigtausende Anzeigen:Vorsicht! Abzocke mit Fake-Klimaanlagen
von Oliver Klein
Mit zigtausenden Werbeanzeigen werden billige Ventilatoren teuer als Klimaanlagen verkauft - für Betrüger ein Riesengeschäft. ZDFheute-Recherchen zeigen das Ausmaß der Abzocke.
So wirbt "Epicooler" für seine Fake-Klimaanlagen.
Quelle: Screenshot "epicooler.com" (04.07.2026)Die Werbeversprechen klingen verlockend: "Klimaanlage ohne Installation" - "Kühlt und heizt jeden Raum in Minutenschnelle" - "echte 12.000 BTU Kühlleistung" - so werden derzeit angebliche Mini-Klimaanlagen wie "Epicooler" oder "Breezamax" auf Internetseiten, Werbeanzeigen, Videos und Kampagnen in Sozialen Medien aggressiv beworben. Gerade während Hitzewellen werden die Geräte als einfache, sparsame und vor allem günstige Alternative zu herkömmlichen Klimaanlagen präsentiert. Knapp 140 Euro soll beispielsweise der "Epicooler" kosten.
Was ist dran an den vollmundigen Werbeversprechen? Der ZDFheute-Faktencheck zeigt das Ausmaß und die Methoden hinter der Abzocke - mit zigtausenden Werbeanzeigen in Sozialen Medien, gefälschten Markennamen, KI-Bildern, erfundenen Rezensionen.
Werbung für angebliche Klimaanlagen - KI-Bilder und Fake-Rezensionen inklusive.
Quelle: Screenshot "epicooler.com" (04.07.2026)Warum die Werbeversprechen gelogen sind
Viele der in der Werbung abgegebenen Versprechen können gar nicht funktionieren. Physik lässt sich nicht überlisten: Energie - in diesem Fall Wärme - lässt sich nicht vernichten, sie kann nur wegtransportiert oder umgewandelt werden. Um einen Raum tatsächlich effektiv zu kühlen, muss Wärme nach außen transportiert werden. So funktionieren Kühlschränke, portable Klimageräte mit einem Abluftschlauch und auch die klassischen, fest eingebauten Split-Klimaanlagen mit einer Außeneinheit.
Die beworbenen Fake-Klimaanlagen transportieren keine Wärme, sie kommen ohne Abluft aus. "12.000 BTU" - so nennt sich die Maßeinheit für Wärmeenergie - lassen sich mit einem solchen Gerät rein physikalisch nicht aus einem Raum abführen. Wie etwa der "Epicooler" funktionieren soll, bleibt mysteriös: "Die warme Luft im Raum wird angesaugt, durch eine speziell geformte Kühlkammer mit präzisen Geometrien geleitet, dort verlangsamt und abgekühlt", heißt es in einem Werbeartikel.
Ähnlich nebulös die Werbung für das Gerät "Breezamax": Es soll mit einem "patentierten, von der NASA inspirierten Luftstrom-Beschleunigungssystem" funktionieren, erklärt eine KI-Stimme in einem Werbevideo. Zu sehen sind Kupferrohre in dem Gerät, die plötzlich wie von Zauberhand vereisen. Ein Raum könne damit "in 90 Sekunden" um 17 Grad gekühlt werden, heißt es.
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05.02.2026 | 0:42 min"Mini-Klimaanlage" ist ein einfacher Ventilator
Doch in Wahrheit ist "Breezamax" nur ein Ventilator - unter dieser Bezeichnung wird das gleiche Gerät jedenfalls bei anderen Anbietern verkauft, mit identischen Produktfotos. Das bestätigt auch das Video eines Youtubers, der den "Breezamax" auseinandergebaut hat - "es ist buchstäblich einfach ein Ventilator", erklärt er.
Manche der beworbenen Geräte wie der "AiraBreeze" nutzen offenbar das Prinzip der Verdunstungskälte und blasen Luft durch einen befeuchteten Filter. Diese Methode kühlt die Luft unmittelbar vor dem Gerät minimal ab, die Raumtemperatur lässt sich damit kaum effektiv senken. Stattdessen wird es im Zimmer schnell schwül, weil die Luftfeuchtigkeit steigt.
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23.05.2025 | 3:26 minWerbung bereits von britischen Behörden verboten
Die absurden Werbeversprechen waren bereits ein Fall für die britische Werbeaufsicht ASA. Die Behörde urteilte im vergangenen Jahr, dass mehrere Werbeanzeigen für "Airabreeze", "NuraBreeze", "BrizaAC" und "HydroChill" irreführend seien.
So habe etwa "Airabreeze keine Belege dafür vorgelegt, dass das Produkt in der Lage ist, Räume 'in Sekunden' wirksam zu kühlen", heißt es in der Entscheidung. Die ASA untersagte dem Unternehmen "UAB Rara Digital", das unter anderem hinter "Epicooler" und "Airabreeze" steht, deshalb Werbung in dieser Form. In Deutschland warnt inzwischen die Verbraucherzentrale vor Abzocke mit Fake-Klimaanlagen.
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11.11.2025 | 2:26 minRiesige Gewinnspanne für die Abzocker
Eine Bilderrückwärtssuche von Produktfotos von "Epicooler" oder "Breezamax" beim chinesischen Online-Großhandelsmarktplatz Alibaba.com zeigt: Viele der angeblichen "Mini-Klimaanlagen" werden dort als Ventilatoren oder Heizlüfter zum Schleuderpreis angeboten. Darüber hatte zuerst "Heise" berichtet.
So läuft der "Epicooler" als elektrischer Heizlüfter mit Ventilator mit einer Leistung von 1.800 Watt. Stückpreis: Ab 3,91 Euro. Zur Erinnerung: Auf den Webseiten der Händler kostet der "Epicooler" 139,99 Euro. Auch den "Breezamax" gibt es bei Alibaba, dort heißt er schlicht "Turm Ventilator", kostet ab 15,99 Euro. Der "Originalpreis" beim "Breezamax"-Händler: 187 Euro.
Ab 3,91 Euro gibt es die angeblichen Klimaanlagen im Großhandel, hier bei alibaba.com.
Quelle: Screenshot "alibaba.com" (04.07.2026)ZDFheute entlarvt Ausmaß der Abzocke
Die Anbieter fluten das Internet mit Werbevideos, Anzeigen, angeblichen Produkttests und vermeintlichen Presseberichten. Ein Blick in die Werbebibliothek von Meta zeigt: Alleine bei Facebook wurden seit Anfang Juni nur für "Epicooler" bereits rund 20.000 Werbeanzeigen geschaltet.
Millionen Nutzer bekamen die Einblendungen zu sehen, darunter auch Anzeigen mit gefälschten Kaufland- oder Mediamarkt-Logos. Aktuell werden 62 verschiedene Anzeigen ausgespielt (Stand 4. Juli 2026). Auch für andere Geräte wurden tausende Anzeigen geschaltet.
Betrüger erfinden Nachrichten um Fake-Klimageräte
Parallel dazu versuchen die Anbieter, Kunden auch mit Fake-Nachrichten zu ködern: Auf einer Webseite, die aussieht wie ein Verbraucherportal, wird beispielsweise behauptet, ein gewisser "Markus Becker, gelernter Kälteanlagen-Bauer", habe das Gerät erfunden und in Eigenregie "in seiner Garage in Köln-Ehrenfeld" zusammengebastelt. Ein Bild zeigt einen Mann in einem blauen Hemd in seiner Werkstatt.
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09.06.2026 | 7:06 minUnd eine Verschwörungserzählung wird gleich mitgeliefert: Hersteller von Klimaanlagen würden die neue, viel günstigere Technik bewusst nicht einsetzen, weil sie an ihren herkömmlichen, teuren Geräten verdienen wollten.
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Werbung für "Epicooler"
Gleiche Fake-Story auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch
Doch den präsentierten Kälteanlagen-Bauer Markus Becker gibt es nicht, sein Bild ist mithilfe von KI erstellt. Stattdessen gibt es aber etliche weitere Seiten mit den gleichen Inhalten in anderen Sprachen, etwa auf englisch, spanisch oder französisch. Der Garagenbastler "Markus Becker" heißt in der englischen Version mit dem gleichen Bild "Mark Bennet", auf Spanisch "Javier Romero". Auf der französischen Webseite heißt der Erfinder "Daniel R.".
Ein gewisser Markus Becker soll die revolutionäre Klimaanlage erfunden haben
Dieses KI-generierte Bild soll den Klimaanlagen-Entwickler namens "Markus Becker" zeigen.
Quelle: Screenshot "producttrendreport.com" (04.07.2026)Werbe-Bilder sind KI-generiert
"Das haben echte Benutzer erlebt", steht auf der Werbeseite über wohlwollenden Kundenrezensionen. Eine "Emma" vergibt fünf Sterne, in ihrem Text heißt es: "Epicooler ist bisher genial! Er kühlt das Wohnzimmer in wenigen Minuten und ich kann ihn nachts ins Schlafzimmer rollen." Doch auch das Bild von Emma wurde mit Google-KI generiert. Eine Untersuchung mit dem sogenannten "SynthID Detector" von Google zeigt, dass es ein entsprechendes digitales Wasserzeichen enthält.
Auch weitere Werbebilder für das Gerät enthalten solche Wasserzeichen, sind also KI-generiert, wie eine Analyse von ZDFheute zeigt. Beispiele:
- Ein Bild, das den angeblichen Erfinder und Kälteanlagen-Bauer "Markus Becker" in seiner Werkstatt zeigt, wurde mithilfe von Google-KI erstellt;
- mehrere Kundenbilder enthalten das Wasserzeichen der Google-KI;
- Das Testimonial-Bild eines angeblichen Haustechnik-Beraters mit dem Namen "Thomas Becker" wurde mithilfe von ChatGPT erstellt; der angebliche Experte und "HLK-Techniker" James Turner ist ein KI-Bild von Google.
Screenshot des SynthID Detectors von Google: Den angeblichen Erfinder "Markus Becker" gibt es nicht, das Bild ist mit Google-KI generiert.
Quelle: Screenshot SynthID Detector von Google (aufgenommen am 03.07.2026)Dass die Bilder und Texte nicht authentisch sind, verraten manche Webseiten auch selbst. Scrollt man ganz nach unten, heißt es in minikleiner Schrift: "Bei dieser Website handelt es sich um eine Werbung und nicht um eine Nachrichtenpublikation. Alle auf dieser Website verwendeten Fotos von Personen sind Modelle."
ZDFheute bat die Firma hinter "Epicooler" um eine Stellungnahme. Das Unternehmen hat bisher nicht reagiert.
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