Arbeitsmarkt unter Druck:Drei Millionen ohne Job: Was dahinter steckt
Aktuell sind so viele Menschen ohne Job wie lange nicht mehr. Dafür sorgen Probleme in der Industrie und sinkender Konsum. Investitionen sind nun entscheidend.
Viele Unternehmen leiden unter der Konjunkturflaute und bauen Stellen ab. Besonders die Automobilindustrie steht unter Druck.
29.08.2025 | 1:22 minErstmals seit zehn Jahren sind in Deutschland wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Im August registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 3,025 Millionen Erwerbslose - 46.000 mehr als im Juli. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent.
Industrie unter Druck
Besonders betroffen sind Menschen, die in der Industrie beschäftigt sind. Laut Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gehen dort "im Moment pro Monat mehr als 10.000 Jobs" verloren. Allein in der Autobranche verschwanden innerhalb eines Jahres 51.500 Stellen. Ein Minus von sieben Prozent, wie die Beratungsgesellschaft EY ermittelte.
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Zwar spielt die Sommerpause traditionell eine Rolle, doch sie allein erklärt den Anstieg nicht. Denn auch im Vergleich zu August vor einem Jahr ist die Arbeitslosigkeit um 153.000 Menschen gestiegen.
"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt", erklärt BA-Chefin Andrea Nahles bei der Vorstellung der Statistik. Zu den Ursachen zählen neben hohen Energiepreisen auch zunehmende internationale Konkurrenz und Handelskonflikte, etwa mit den USA.
Momentan sind die Chancen, für Menschen, die arbeitslos sind, in Arbeit zu kommen, nicht gut.
Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit
Die Zahl der Arbeitslosen ist im August erstmals wieder über die Marke von drei Millionen gestiegen. Ist Besserung in Sicht? Dazu ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.
29.08.2025 | 1:03 minTransformation muss gelingen
Gleichzeitig entstehen Jobs in anderen Branchen, etwa in Pflege, Erziehung, Gesundheit, Verkehr, Rüstung und erneuerbaren Energien. "Arbeitskräfte sind noch immer knapp in Deutschland und dennoch steigt die Arbeitslosigkeit", analysiert Weber.
Um Arbeitslosigkeit zu senken, müsse man die richtigen Leute mit den richtigen technischen Kompetenzen in die aufstrebenden Bereiche der Transformation bringen. Weber betont zudem:
Das heißt, das Entscheidende ist eine Arbeitsmarktpolitik, die Menschen weiterentwickelt. Aus den Bereichen, die unter Druck geraten, in Bereiche, die aufstrebend sind in der Transformation.
Enzo Weber, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
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Angst vor Jobverlust bremst Konsum
Die Sorge vor Arbeitslosigkeit schlägt sich längst im Alltag nieder, insbesondere beim Einkaufen. "Eine zunehmende Angst vor Jobverlust sorgt dafür, dass viele Konsumenten gerade mit größeren Anschaffungen weiterhin vorsichtig bleiben", beobachtet Rolf Bürkl, Experte für Konsumklima beim Nürnberg Institut für Marktentscheidungen.
Tatsächlich hat sich die Stimmung im deutschen Einzelhandel im August bereits den dritten Monat in Folge eingetrübt. Viele Händler beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage zunehmend zurückhaltend, wie Bürkls jüngste Auswertung zeigt.
Der Einzelhandel leidet laut einer Umfrage unter Kaufzurückhaltung und Online-Shopping. Dass Einkaufsmeilen trotzdem funktionieren können, zeigt ein Beispiel aus Coburg.
07.07.2025 | 1:32 minAusblick: Wendepunkt oder weiterer Absturz?
BA-Chefin Nahles erwartet im September eine saisonbedingte Herbstbelebung. Doch die weitere Entwicklung sei davon abhängig, wie sich die Konjunktur in den nächsten Monaten entwickelt. "Wenn es keinen kräftigen Rückenwind von der Wirtschaft gibt, dann wird sich der Arbeitsmarkt auch nicht nachhaltig erholen", so Nahles.
Auch aus Sicht von Volkswirten ist Vorsicht geboten. ING-Chefökonom Carsten Brzeski betont: "Ankündigungen von Sparmaßnahmen in der Automobilindustrie und anderen Branchen sowie der stetige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen deuten darauf hin, dass sich die Lage zunächst verschlechtern dürfte, bevor eine Besserung eintritt."
Die Wirtschaft steckt in Schwierigkeiten, nun blicken alle auf das zweite Halbjahr. Welche Entwicklungen an den Märkten erwartet werden, berichtet ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann.
22.08.2025 | 1:03 minExperte Weber: "Konjunkturerwartungen steigen"
Etwas optimistischer zeigt sich Arbeitsmarktforscher Weber: "Wir haben jetzt drei Jahre Wirtschaftsabschwung hinter uns, aber die Konjunkturerwartungen steigen jetzt wieder." Die Politik plane große Investitionspakete. "Das Entscheidende ist jetzt aber, daraus auch wirklich eine durchgreifende wirtschaftliche Erneuerung zu machen", so Weber.
Viel hängt also davon ab, ob es gelingt, die wirtschaftliche Unsicherheit zu verringern, Investitionen zu fördern und Beschäftigte gezielt für Zukunftsbranchen zu qualifizieren. Das könnte wieder mehr Menschen in Arbeit bringen.
Anne Sophie Feil und Christian Hauser sind Redakteure im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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