Arbeitsmarkt: Zahl der Arbeitslosen über drei Millionen

Erstmals seit Februar 2015:Zahl der Arbeitslosen über drei Millionen

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Die Zahl der Arbeitslosen ist im August über die Grenze von drei Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Vergleich zum Juli um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent.

Symbolbild: Wartende Menschen stehen vor einem Jobcenter

Im August 2025 lag die Zahl der Arbeitslosen bei mehr als drei Millionen Menschen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August erstmals seit Februar 2015 über die Marke von drei Millionen gestiegen. Sie kletterte um 46.000 auf 3,025 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkte auf 6,4 Prozent.

Im August ist das eingetreten, was wir auch erwartet haben: Aufgrund der Sommerpause ist die Arbeitslosigkeit auf über drei Millionen gestiegen.

Andrea Nahles, BA-Chefin

Der Arbeitsmarkt sei nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt. "Es gibt allerdings auch erste Anzeichen einer Stabilisierung", betonte Nahles.

So viele sind arbeitslos

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August-Zahlen zuletzt vor 15 Jahren so hoch

Im Juli hatte die Zahl mit 2,979 Millionen Arbeitslosen noch knapp unter der Drei-Millionen-Marke gelegen. Die Arbeitslosigkeit steigt üblicherweise über den Sommer, weil Unternehmen vor den Ferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. Die August-Zahlen waren aber zuletzt vor 15 Jahren so hoch.

Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, sagte, es brauche einen Herbst der Reformen.

Drei Millionen Arbeitslose sind ein Armutszeugnis für die Reformverweigerung der vergangenen Jahre.

Rainer Dulger, Arbeitgeberpräsident

Mann mit schwarzem Hoodie sitzt vor einem Gebäude mit "jobcenter"-Schriftzug

Jobcenter vermitteln kaum noch in Arbeit. Wer einmal Bürgergeld bezieht, kommt oft nicht wieder davon weg. Die Dokumentation zeigt die Schwachstellen im System und den Sozialstaat am Limit.

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Im bundesweiten Vergleich lag die Arbeitslosenquote in den Stadtstaaten Bremen (11,8 Prozent) und Berlin (10,5) weiterhin am höchsten, in den südlichen Bundesländern Bayern (4,2) und Baden-Württemberg (4,7) am niedrigsten. Die Bundesagentur griff für die Statistik auf Datenmaterial zurück, das bis zum 13. August vorlag.

Bas verweist auf Weltwirtschaft und Ukraine-Krieg

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas sieht die Misere auf dem Jobmarkt als Folge der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. "Der konjunkturelle Gegenwind hinterlässt weiter seine Spuren auf dem Arbeitsmarkt und erfordert Gegenmaßnahmen", sagte die SPD-Co-Chefin.

Es braucht Sicherheit und starke Impulse für Investitionen und Beschäftigung, um wieder Wirtschaftswachstum zu generieren und Schwung in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Bärbel Bas (SPD), Arbeitsministerin

Die Bundesregierung setze hier mit dem "Investitionsbooster" - das sind vor allem ausgeweitete Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen - Anreize. Zudem werde stark in die marode Infrastruktur investiert.

Bärbel Bas

"Wir können nur sparen, wenn wir viele Menschen in die Arbeit bekommen und daher investieren wir in Maßnahmen der Eingliederungshilfe", sagte Arbeitsministerin Bärbel Bas im Juli.

11.07.2025 | 5:39 min

Stabilisiert sich der Arbeitsmarkt?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht trotz des neuen Höchststands bei der Arbeitslosigkeit erste Lichtblicke. Für das Arbeitsmarktbarometer befragen die Fachleute monatlich alle Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen für die nächsten drei Monate.

Im August erwarteten sie erstmals seit drei Jahren, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit ein Ende hat. Auch die Beschäftigung könnte demnach wieder Fahrt aufnehmen.

Ifo-Institut: Konsumenten werden noch mehr sparen

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, erwartet allerdings negative Folgen für die Konjunktur. "Der private Konsum ist derzeit schon verhalten, obwohl die verfügbaren Einkommen schneller wachsen als die Konsumentenpreise", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Viele Haushalte sparten mehr, weil sie sich Sorgen um die Zukunft machten. "Das wird bei schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt wie der Überschreitung der Schwelle von drei Millionen Arbeitslosen zunehmen."

Rheinland-Pfalz, Dörth: Ein Auszubildender zum Mechatroniker arbeitet in einer Ausbildungswerkstatt an der Standbohrmaschine.

Nicht jeder angehende Azubi und nicht jeder Betrieb werden fündig. Wer, warum bei welchem Arbeitgeber eine Ausbildung beginnt, hat der DGB-Ausbildungsreport untersucht.

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Fuest führt die schlechte Lage am Arbeitsmarkt auf widrige Rahmenbedingungen in Deutschland zurück.

Viele Unternehmen bauen derzeit Arbeitskräfte ab - teils weil ihre Produkte sich nicht gut verkaufen, teils weil sie trotz wachsender Arbeitslosigkeit nicht die richtigen Fachkräfte finden oder weil sie entschieden haben, ihre Produktion ins Ausland zu verlegen.

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts

Im Vergleich zu vielen konkurrierenden Standorten habe Deutschland sehr hohe Bürokratie- und Regulierungslasten sowie hohe Steuern und Abgaben. Auch der wachsende Protektionismus im Welthandel belaste. Er führe dazu, dass es für viele Firmen attraktiver sei, in den Ländern zu produzieren, in die früher exportiert worden sei.

Quelle: Reuters, dpa

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