WISO - Wirtschaft erklärt:Wie sich VW und Co. gegen den China-Absturz stemmen
von Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann
Deutsche Autobauer verkaufen in China deutlich weniger Fahrzeuge. Der Wandel zur E-Mobilität setzt sie unter Druck. Können neue Partnerschaften und andere Absatzmärkte helfen?
Die deutsche Autoindustrie steckt in ihrer tiefsten Krise. Was ist schiefgelaufen? Und was könnte jetzt noch helfen? WISO - Wirtschaft erklärt mit Florian Neuhann.
07.11.2026 | 10:13 minDer Absturz ist dramatisch, und er lässt sich in zwei Zahlen belegen. 2019, im absoluten Hoch-Jahr, verkaufte der Volkswagen-Konzern in den ersten neun Monaten noch drei Millionen Autos in China. Sieben Jahre später, in den ersten drei Quartalen dieses Jahres, waren es nur noch knapp 1,4 Millionen Fahrzeuge: ein Rückgang um mehr als die Hälfte. Das China-Geschäft scheint weg - auf Dauer.
Warum deutsche Autobauer in China Absatz verlieren
Bei Mercedes-Benz bietet sich ein ähnliches Bild: Der Absatz in China brach im vergangenen Quartal um 31 Prozent ein. Und ein Ende der Talfahrt ist nicht absehbar. VW-Chinachef Ralf Brandstätter brachte es in einem Interview mit dem "Handelsblatt" auf den Punkt: "Der Gesamtmarkt in China ist im freien Fall."
Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal dieses Jahres 13,5 Prozent mehr Gewinn erzielt. Der Gewinn der Autosparte ist im zweiten Quartal allerdings um 26 Prozent eingebrochen.
28.07.2026 | 0:20 minUnd in Stuttgart heißt es von Mercedes-Vorstand Ola Källenius, die Marktbedingungen seien im Laufe des Jahres "noch herausfordernder geworden, insbesondere in China". Denn in China treffen schwache Nachfrage und scharfer Preiswettbewerb auf einen grundlegenden technologischen Wandel.
Lange hatten deutsche Konzerne auf ihren Vorsprung bei hochwertigen Verbrennern gebaut. Sie bescherten ihnen zweistellige Wachstumsraten - und in der Hochphase allein bei VW mehr als vier Milliarden Euro Gewinn pro Jahr aus dem chinesischen Markt. Doch die Gewinne wirkten wie ein Narkosemittel - sie betäubten Management und Politik, die die Probleme des Standorts Deutschland nicht mehr sahen. Und vor allem nicht mitbekamen, was derweil in China passierte: eine strategische Entscheidung hin zur Elektromobilität, die sich heute auszahlt.
Die Automobilzulieferer kommen in Baden-Württemberg zusammen. Im Mittelpunkt stehen globale Unabhängigkeit und technologischer Wandel. Wie kann sich die Autoindustrie darauf einstellen?
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Mittlerweile verfügt China über eine eng verzahnte industrielle Basis für die Elektromobilität. Von der Verarbeitung wichtiger Rohstoffe über Batteriezellen bis zum fertigen Fahrzeug liegen wesentliche Teile der Lieferkette im eigenen Land. "Vorsprung durch Technik", der berühmte Audi-Slogan: Er beschreibt inzwischen eher chinesische als deutsche Hersteller.
Eine Antwort aus Deutschland lautet deshalb: Lokalisierung. "In China für China", so nennt das etwa VW-Chef Oliver Blume: Statt Modelle in Wolfsburg oder Stuttgart für den Weltmarkt zu entwickeln, verlagern die Hersteller Entwicklungsarbeit direkt nach China und greifen auf die Technologie lokaler Partner zurück:
- Volkswagen nutzt zusammen mit dem Partner Xpeng eine gemeinsam entwickelte Elektronikarchitektur, um Entwicklungszeiten für lokale E-Modelle deutlich zu reduzieren.
- Audi hat gemeinsam mit dem staatlichen Partner SAIC die rein elektrische Submarke "AUDI" etabliert, die gezielt jüngere, digitalaffine chinesische Käufer ansprechen soll.
Die Partnerschaften zeigen, wie sich die Kräfteverhältnisse verändert haben: Wollten früher chinesische Hersteller über Joint Ventures von deutschen Konzernen lernen, sind heute deutsche Premiummarken auf chinesische Technologie angewiesen, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Die Sparpläne von Autokonzern VW stehen exemplarisch für die Krise der deutschen Autoindustrie. Vor allem auf dem chinesischen Markt gehen die Absatzzahlen zurück, wie Valerie Haller berichtet.
09.07.2026 | 1:09 minChinesische Autohersteller drängen nach Europa
Die deutschen Hersteller stecken in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite schmelzen die Erträge aus dem Verbrenner-Geschäft weg. Auf der anderen Seite müssen sie aber Milliarden in neue Technologien investieren, um mit der Konkurrenz aus China mitzuhalten.
Insgesamt schrumpft der Markt in China auch für die dortigen Hersteller: Der chinesische Autoverband rechnet für 2026 mit einem Absatzrückgang im Inland von 22 Prozent. Und so drängen die chinesischen Autokonzerne wie BYD, SAIC oder Geely mit konkurrenzfähigen Produkten und Kampfpreisen in den europäischen Markt.
Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump schlägt weiter hohe Wellen: Arbeitnehmervertreterinnen sowie und Politik üben scharfe Kritik.
27.10.2026 | 2:06 minDeutsche Autobauer setzen verstärkt auf die USA
Um das Loch zu stopfen, weichen auch deutsche Autobauer auf andere Märkte aus. Audi etwa versucht jetzt, das Geschäft in den USA zu stärken. Der Autobauer plant seine erste Fabrik im US-Bundesstaat Georgia. Vorteil des US-Marktes: Dort ist immer noch gefragt, was deutsche Autobauer gut können - große SUVs mit Verbrennungsmotor.
Doch ob das US-Geschäft die gewaltigen Verluste aus China auffangen kann? Das glaubt weder in Ingolstadt noch in Wolfsburg oder Stuttgart ernsthaft jemand.
Florian Neuhann ist Leiter des ZDF-Teams Wirtschaft und Finanzen.
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