Suche nach Wegen aus der Krise:Autozulieferer im Umbruch: "Abwarten ist keine Option"
von Laura Ozdoba und Jasmin Astaki-Bardeh
Die Autokrise trifft mittelständische Zulieferer besonders. Die Beschäftigung sinkt, während Insolvenzen zunehmen. Bei einem Branchentreff suchen die Unternehmen neue Strategien.
Die schlechte Lage der deutschen Autobranche trifft sowohl Autohersteller als auch Autozulieferer. In Baden-Württemberg treffen sich Zulieferer, um über die Probleme zu sprechen.
21.10.2026 | 1:34 minMit Mut, Tempo und Innovationen wollen sie die Zukunft ihrer Branche sichern: Im baden-württenbergischen Esslingen kamen am Mittwoch zahlreiche Autozulieferer zu einem jährlichen Treffen zusammen. Gemeinsam suchten sie nach Wegen aus der anhaltenden Krise.
Sie wollen nicht abwarten, "bis die Automobilindustrie wieder zu alter Stärke zurückkehrt", erklärt Mario Metzger von der Firma Arnold Umformtechnik gegenüber ZDFheute. Stattdessen müsse man den Wandel aktiv gestalten.
Transformation ist das Wort der Stunde
Vielen Zulieferern fehle dabei es allerdings an Geschwindigkeit, meint Wolfgang Haggenmüller von Felss Systems: "Wir müssen viel mehr reinstecken an Arbeit, an Denkleistung, um diese Transformation wirklich mitzugestalten."
Die Transformation ist gleichzeitig unser größter Feind, aber auch unsere größte Chance.
Wolfgang Haggenmüller, Felss Systems GmbH
In Baden-Württemberg hat im Wahlkampf vor allem ein Thema dominiert: die Wirtschaft. Denn in dem traditionell innovations- und industriestarken Bundesland ist der Druck groß.
10.03.2026 | 9:44 minEs komme darauf an, in den Unternehmen eine "positive Stimmung" zu vermitteln. Auch Artur Maurer vom Fahrzeugentwickler Gotech zeigt sich grundsätzlich zuversichtlich: "Es liegen noch harte Zeiten vor uns, aber wir gehen mit einem gewissen Optimismus an die Sache ran."
Beschäftigung seit Jahren rückläufig
Über 1.000 Zulieferer gibt es allein in Baden-Württemberg. Die Industrie sei heterogen, mittelständisch geprägt und erheblich abhängig von den großen Automobilherstellern, sagt Wirtschaftsexpertin Samina Sultan. Die Unternehmen stünden vor "großen Herausforderungen", etwa sei die Beschäftigung seit Jahren rückläufig.
Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: In der gesamten Automobilindustrie gibt es aktuell so wenig Beschäftigte wie noch nie seit 2005, 42.300 weniger als noch ein Jahr zuvor.
Anfang Oktober begannen die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. 3,7 Millionen Beschäftigte aus unterschiedlichen Branchen sind betroffen.
07.10.2026 | 2:08 minZu der negativen Entwicklung der Beschäftigung kommen weitere Belastungen:
Geopolitisch macht uns insbesondere die Konkurrenz aus China große Sorgen, aber auch zum Beispiel die Zollpolitik Donald Trumps.
Dr. Samina Sultan, Institut der deutschen Wirtschaft
Gleichzeitig müssten die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle umstellen, "zu einer Zeit, wo das traditionelle Geschäft nicht mehr so läuft".
hofer powerTec: Umbau im laufenden Betrieb
So eine Umstellung hat der Nürtinger Zuliefer hofer powerTec soeben hinter sich gebracht. Für das Unternehmen ging es dabei ums wirtschaftliche Überleben. Nach einer Insolvenz retteten sie den Standort mit einem massiven Umbau. Statt auf Hydraulik und Getriebetechnik setzen sie jetzt alles auf die Batterie. Über diese Transformation sagt Geschäftsführer Lars Illgen:
Als mittelständisches Unternehmen ist das eine sehr hohe Anstrengung.
Lars Illgen, Geschäftsführer hofer powerTec
Es gehe zum einen darum, die laufenden Projekte zu bearbeiten, in neue Technologien Zeit reinzustecken und parallel dazu auch wirtschaftlich stabil zu sein, so Illgen.
Viele Unternehmen in Deutschland sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit bedroht, vor allem wegen zu hoher Preise und zu viel Bürokratie. Um das zu ändern, stecken sie viel Energie und Ressourcen in KI.
19.10.2026 | 1:56 minAuf Wissen, Innovation und Fachkräfte kommt es an
So ein Wandel - er kostet vor allem Zeit und Geld. Und er braucht die passende Strategie. Für Franz Loogen, der Zulieferer im Wandel begleitet und berät, kommt es dabei vor allem auf eines an: Diversifikation.
Diversifikation ist das Schlagwort des Tages. Der Zulieferer muss einerseits neue Absatzmärkte finden und anderseits seine Technologien diversifizieren.
Franz Loogen, Geschäftsführer von e-mobil BW
Solche neuen Märkte suchen sie bei hofer powerTec etwa im Bereich Raumfahrt oder Rüstung. Um die Produkte weiterzuentwickeln, brauchte es zunächst aber vor allem eines: qualifiziertes Personal. Daher hat das Unternehmen seine Mitarbeitenden im letzten Jahr in großem Stil umgeschult.
Zehntausende Beschäftigte haben laut den Gewerkschaften gegen die Sparpläne des Autokonzerns Mercedes-Benz protestiert. Die IG Metall fordert eine aktive Industriepolitik.
03.07.2026 | 1:27 minTransformation bleibt kontinuierlicher Prozess
Patrick Pasicnjek, Projektleiter im Bereich Zelltesting, ist den Wechsel motiviert angegangen. Zuvor war er im Hydraulikbereich tätig. "Alle wollten da mitmachen, das war ein großer Aufschwung", erinnert er sich.
Man hat das Gefühl gehabt, man muss da jetzt mit aufspringen, ansonsten wird man abgehängt oder weiß auch gar nicht, ob man noch genug Arbeit hat im alten Bereich.
Patrick Pasicnjek, Mitarbeiter hofer powerTec
Unternehmer Illgen blickt mit Stolz auf die Entwicklung seines Unternehmens. Auch wenn er weiß, dass diese Transformation nie wirklich abgeschlossen ist. Weiter am Markt zu bestehen, sei eine "tägliche Herausforderung".
Laura Ozdoba und Jasmin Astaki-Bardeh berichten aus dem ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
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