Autobauer in der Krise:Minus 87 Prozent: Audi-Gewinn bricht drastisch ein
Audi fährt tiefer in die Krise: Der Gewinn bricht im dritten Quartal um 87 Prozent ein. Gleichzeitig berichten Insider über einen möglichen Zoll-Deal.
Blick auf das Werk des Autoherstellers Audi in Neckarsulm. (Archiv)
Quelle: dpa / Bernd WeißbrodDer Autobauer Audi ist im dritten Quartal nur knapp an roten Zahlen vorbeigeschrammt. Unter dem Strich und nach Steuern verdiente die Tochter des Autokonzerns VW nur noch 95 Millionen Euro, teilte Audi mit. Das ist ein Einbruch um 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damals machte Audi noch einen Gewinn von 718 Millionen Euro.
Für Audi sind es die nächsten schlechten Nachrichten innerhalb kurzer Zeit. Seit dem Wochenende steht der Autobauer massiv in der Kritik, weil sein Vorstandschef Gernot Döllner kurz vor den Midterms bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump aufgetreten war. Der Audi-Aufsichtsrat trifft sich heute noch zu einer außerplanmäßigen Sitzung.
"Höchst peinlich": Der Auftritt von Audi-Chef Döllner erzürnt Kritiker. Sie werfen ihm vor, sich für US-Präsident Trumps Wahlkampf kurz vor den Midterms einspannen zu lassen.
26.10.2026 | 1:13 minAudi rutscht noch tiefer in der Krise
Audi schlittert mit den schlechten Zahlen noch tiefer in die finanzielle Krise. So kappt das Unternehmen auch seine Prognose für das Gesamtjahr.
Nach neun Monaten hat der Konzern, zu dem auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, 1,22 Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Das ist fast die Hälfte weniger als im Vorjahreszeitraum (2,06 Milliarden). Der Umsatz sank um gut sechs Milliarden auf 42 Milliarden Euro. Beides sind starke Rückgänge. Zum Vergleich: Mercedes schaffte in den drei Quartalen 2026 einen Gewinn von 4,04 Milliarden Euro. BMW legt nächste Woche Zahlen vor.
Dem Audi-Management ist die Brisanz der Lage klar, wie Finanzchef Jürgen Rittersberger sagte. Das vierte Quartal soll zwar besser werden, aber:
Der Handlungsbedarf bei Audi ist groß und duldet keinen Aufschub.
Jürgen Rittersberger, Audi-Finanzchef
Die Krise bei Volkswagen verschärft sich: Der Konzern meldet für das dritte Quartal einen Verlust von mehr als 5,82 Milliarden Euro. ZDF-Wirtschaftsexpertin Sina Mainitz ordnet ein.
29.10.2026 | 1:48 minChina als Hauptgrund für schlechte Zahlen
Als Hauptgrund für die schlechte Lage nennt Audi das kriselnde Geschäft in China. Dort werden deutlich weniger Verbrennerautos von Audi verkauft. Der Wettbewerb werde außerdem immer härter und der Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt steige. Dieses Problem haben alle deutschen Autobauer. Audi trifft außerdem zusätzlich, dass der Autobauer kein eigenes Werk in den USA hat.
Was die schlechte finanzielle Lage konkret für deutsche Standorte wie das Werk in Neckarsulm bedeutet, dazu bleibt Audi vage. Dort steht sogar eine Werksschließung im Raum. Mit der im vergangenen Jahr geschlossenen Zukunftsvereinbarung habe man wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, heißt es. "Darauf aufbauend sollen weitere Maßnahmen entwickelt werden, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung nachhaltig zu sichern", so Rittersberger. Man wolle dazu mit dem Gesamtbetriebsrat sprechen. Die Zukunftsvereinbarung beinhaltete unter anderem den Abbau Tausender Jobs in Deutschland.
Nach dem gemeinsamen Auftritt mit US-Präsident Trump steht Audi-Chef Döllner massiv in der Kritik. „Der Auftritt war peinlich und unwürdig“, so IG-Metall-Chefin Christiane Benner.
27.10.2026 | 6:04 minZoll-Deal mit Trump?
Unmut innerhalb der Belegschaft gibt es bei Audi nicht nur wegen der geplanten Einsparungen. Auch das von Döllner bei Trumps Veranstaltung angekündigte Werk in Georgia steht in der Kritik. Zu den genauen Bedingungen für das geplante Werk hielt sich Rittersberger bedeckt.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters und das "Handelsblatt" jeweils mit Verweis auf Insider berichten, bieten die USA Audi als Gegenleistungen für das Werk in Georgia Zollerleichterungen an. Der Zollsatz für Einfuhren werde effektiv bei zehn Prozent erwartet, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit werden für Autos aus Europa 15 Prozent Zoll fällig. Audi wollte sich dazu nicht äußern.
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