Ausgabe zehnjähriger Bundesanleihen:Staatsverschuldung macht auch Privatkredite teurer
von Frank Bethmann
Bundesanleihen brachten erstmals seit 2011 wieder über drei Prozent Rendite. Das heißt, das Schuldenmachen wird teurer. Für den Bund, aber auch für Unternehmen und Familien.
Die Deutsche Finanzagentur gibt heute Bundesanleihen heraus. Warum sie zurzeit eine relativ hohe Rendite haben und was das auch für Privatkredite bedeutet, erklärt Frank Bethmann.
08.04.2026 | 0:48 minDie Deutsche Finanzagentur gibt neue zehnjährige Bundesanleihen aus. Was auf den ersten Blick recht trocken klingt, hat weitreichende Auswirkungen. Kurz erklärt: Der Staat finanziert seine Ausgaben zu etwa zwei Dritteln über Bundesanleihen, Wertpapiere mit festem Zinssatz. Anleger bekommen Renditen, die sich am Markt orientieren.
Die Finanzagentur managt also die Schulden des Staates. Die neue zehnjährige Bundesanleihe kostet dieses Mal so viel wie seit 15 Jahren nicht mehr. Die Rendite notiert um die drei Prozent. Möglicherweise ein Alarmsignal, das auf steigende Finanzierungskosten hindeutet.
Die Zollpolitik von US-Präsident Trump führt zu globalem Chaos. Ein Jahr nach der Einführung zeigen sich negative Auswirkungen – auch auf die deutsche Wirtschaft.
02.04.2026 | 1:54 minRendite steigt wegen Iran-Krieg und Staatsschulden
Bundesanleihen galten jahrzehntelang als sicherer Hafen. In Krisenzeiten floss Kapital in deutsche Staatspapiere, weil Anleger Vertrauen hatten, dass ihr Geld dort gut aufgehoben ist. Kurse stiegen, Renditen fielen.
Dieses Muster hat sich aktuell umgekehrt. Wegen des Iran-Krieges, aber auch wegen der künftig deutlich steigenden Schulden Deutschlands, die aufgenommen werden sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln. "Wir gehen bereits seit einiger Zeit davon aus, dass die zehnjährige Bund-Rendite über der Marke von drei Prozent steigen wird", sagt Christoph Kutt, Abteilungsleiter für Rentenmärkte bei der DZ Bank.
Es "gibt natürlich die Effekte des Iran-Kriegs", so Ökonomin Dany‑Knedlik zur mehr als halbierten Wachstumsprognose. Aber es gebe "strukturelle Mängel" in der deutschen Wirtschaft.
02.04.2026 | 4:05 minRenditen haben Einfluss auf Zinsen
Ende März kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,11 Prozent - das höchste Niveau seit Mai 2011. Seitdem unterliegt sie leichten Schwankungen, pendelt aber immer um die drei Prozent.
Außerdem legte die Umlaufrendite seit Ausbruch des Iran-Krieges um fast 40 Basispunkte zu. Die Umlaufrendite bildet die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen Anleihen ab und gilt als Zinsbarometer für Kreditinstitute. In normalen Zeiten gelten Veränderungen von zehn Basispunkten bei der Umlaufrendite bereits als auffällig.
Für Kutt ist der Anstieg keine Überraschung:
Die Märkte reagieren sehr zügig auf eine Veränderung der Lage.
Christoph Kutt, Abteilungsleiter für Rentenmärkte bei der DZ Bank
In dem Fall schlug sich die geopolitische Lage durch den Iran-Krieg, die Sperrung der wichtigen Handelsstraße von Hormus und den daraus resultierenden hohen Energiepreisen auf die Inflations- und damit auch auf die Zinserwartungen nieder.
Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hängen stark davon ab, wie lange der Krieg andauert. ZDF-Wirtschaftskorrespondent Florian Neuhann mit einer Einordnung.
01.04.2026 | 1:25 minLockerung der Schuldenbremse sorgt für Rekord-Jahr
Für 2026 plant die Bundesrepublik Gesamtemissionen von Staatsanleihen von rund 512 Milliarden Euro - ein Rekord. Der Hintergrund ist die größte haushaltspolitische Wende der Nachkriegszeit: Im März 2025 beschloss der Bundestag die Lockerung der Schuldenbremse.
Hinzu kommt ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Im laufenden Haushaltsjahr 2026 summiert sich die Neuverschuldung des Bundes inklusive aller Sondervermögen auf rund 180 Milliarden Euro. "Es ist schon so, dass wir jetzt mit der Lockerung der Schuldenbremse die Spielregeln geändert haben", bestätigt Ulf Krauss, Analyst bei der Helaba, der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale. Und das, so Krauss weiter, "bleibt halt nicht ohne Folgen".
Dieser Teil des Geldes fließt in neu herausgegebene Staatsanleihen, um Ausgaben des Bundes zu finanzieren.
Dieser Teil wird nicht für neue Ausgaben genutzt, sondern dient der Refinanzierung. Das bedeutet, der Bund nimmt neues Geld auf, um Schulden zu bezahlen, deren Laufzeit im Jahr 2026 endet.
Was Rentenmarktstratege Krauss damit meint: Noch 2021 zahlte der Bund vier Milliarden Euro an Zinsen. Für 2026 sind es bereits rund 30 Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Bundesrechnungshofs könnten die Zinsausgaben bis 2029 auf 66 Milliarden Euro steigen. Das entspräche dann fast zwölf Prozent des Bundeshaushalts.
Die Folgen des Irankriegs bremsen das deutsche Wirtschaftswachstum deutlich. Führende Wirtschaftsinstitute korrigieren ihre Prognose von 1,3 auf 0,6 Prozent.
01.04.2026 | 1:38 minWarum steigende Bundesanleihen Kredite verteuern
Es ist ein Preis, den der Bund nicht alleine zahlt: Die zehnjährige Bundesanleihe dient als Referenz für viele Kredite in Deutschland. Steigen ihre Renditen, ziehen häufig auch die langfristigen Zinsen für Unternehmen, Banken und Kommunen an. Investitionen werden dadurch teurer, Projekte rechnen sich langsamer.
Nicht langsamer, sondern schneller sind zuletzt auch die Pfandbriefrenditen gestiegen, die sich ebenfalls an den zehnjährigen Bundesanleihen orientieren. An ihnen wiederum hängen die Bauzinsen. Für zehnjährige Zinsbindungen sind derzeit Konditionen zwischen 3,4 und 3,8 Prozent möglich. Sollten die Bundesrenditen weiter steigen, ziehen die Bauzinsen nach. Für Hausbauer bedeutet das: Auch der Traum vom Eigenheim wird abermals teurer.
Die steigenden Ölpreise belasten die Wirtschaft. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann analysiert die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise.
30.03.2026 | 1:06 minZehnjährige Bundesanleihen sind immer noch gefragt
Die aktuelle Auktion der Finanzagentur ist gleichwohl ein Routinevorgang. "Es ist nicht so, dass Deutschland jetzt am Kapitalmarkt gemieden wird", bestätigt Analyst Krauss. Bundesanleihen seien am Markt immer noch gefragt.
Deutschland hat immer noch ein gutes Standing, aber es ist auch klar, dass das nicht mehr so gut ist, wie noch vor ein paar Jahren.
Ulf Krauss, Senior Analyst Helaba
Die Spielräume werden in Zukunft also enger. Familien, Unternehmen und Kommunen zahlen aber heute schon den Preis für die wachsenden Schulden des Bundes.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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