Wettlauf um limitierte Produkte:Wenn der Bot im Online-Shop immer schneller ist
von Frederick Dustmann
Für Kunden wird es immer schwieriger, Tickets oder limitierte Sammlerobjekte direkt zu kaufen. Stattdessen landen sie zu hohen Preisen auf Online-Marktplätzen. Woran liegt das?
Scalper-Bots kaufen regulären Kunden begehrte Artikel vor der Nase weg und bieten sie zu höheren Preisen auf Online-Plattformen an. Mit KI könnte das Problem noch größer werden.
20.09.2026 | 1:25 minKonzertbesucher kennen das Problem: Man landet in digitalen Warteschlangen oder die Website ist kurz nach Verkaufsstart nicht mehr erreichbar. Das Ergebnis ist oft dasselbe: Wenige Minuten nach Verkaufsstart sind die Tickets schon vergriffen. Kurz darauf finden sich die ersten Angebote zu einem Vielfachen des Originalpreises auf den einschlägigen Verkaufs-Plattformen.
Laut dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft wird der weltweite Umsatz auf dem Wiederverkaufsmarkt für Tickets auf 13 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Im Schnitt sind die Preise dort 2,5-Mal so teuer wie im offiziellen Verkauf - in extremen Fällen sogar 16-fach.
Händler grasen den Markt ab, um teuer weiterzuverkaufen
Eine mögliche Ursache können Scalper sein. Das sind Händler, die begehrte Angebote wie Konzerttickets, Markenartikel, limitierte Sneakermodelle oder Sondereditionen von Sammlerobjekten aufkaufen, um sie zu höheren Preisen auf unabhängigen Plattformen wie Ebay anzubieten.
Google will den Einkauf im Internet umkrempeln. Künftig sollen sogenannte Shoppingagenten wie Google Gemini nach Eingabe von Budget oder Lieferzeit eigenständig Käufe tätigen können.
13.01.2026 | 0:52 minHäufig nutzen Scalper für die Aufkäufe Bots. Diese Softwareprogramme sind darauf konfiguriert, möglichst schnell ein Produkt zu kaufen, erklärt Swen Schneider von der Frankfurt University of Applied Sciences. Scalper sind in vielen Branchen aktiv, in denen limitierte und begehrte Produkte zu finden sind.
Scalper überlasten Online-Shop
Zuletzt hat es den Hörfigurenhersteller Tonies getroffen. Das Unternehmen bietet kleine Figuren an, die auf einen Lautsprecher, die Toniebox, gestellt werden und ein Hörspiel abspielen.
Kurz nach dem Verkaufsstart der weihnachtlichen Sonderedition am 9. September ging der Online-Shop trotz erhöhter Serverkapazitäten in die Knie. Danach waren die Weihnachts-Tonies erst einmal ausverkauft. Auf der Plattform Kleinanzeigen werden die Weihnachtsfiguren nun für bis zu 250 Euro angeboten - bei einem Original-Kaufpreis von 16,99 Euro pro Figur.
Immer wieder locken Online-Händler mit auffälligen Rabatten - doch nicht jedes Schnäppchen ist echt. Verbraucherschützer und Polizei erklären, woran man Fake-Shops erkennt, welche Warnsignale ernst zu nehmen sind und wie sicherer Online-Einkauf gelingt.
19.11.2025 | 2:33 minWas Händler gegen Scalping-Bots tun können
Der gewerbliche Weiterverkauf von Veranstaltungstickets an Verbraucher, wenn sie mit automatisierten Verfahren zur Umgehung von Kaufbeschränkungen erworben wurden, ist unzulässig. Abgesehen davon ist Scalping und der Wiederverkauf aber generell nicht verboten.
Neben gesetzlichen Regeln sind technische und vertragliche Schutzmaßnahmen der Händler wichtig. Beispielsweise sind viele Konzertkarten personalisiert und die Ticketanzahl pro Person beschränkt.
Auch Tonies hatte nach eigenen Angaben Maßnahmen eingerichtet, um Scalping zu verhindern: Kunden mussten schon eine registrierte Toniebox besitzen und konnten von jedem der vier Modelle nur je eine Figur kaufen. Zudem war nur ein grobes Zeitfenster des Verkaufsstarts bekannt. Mit einem "mehrstufigen technischen Bot-Prozess" wurde zusätzlich verhindert, dass die Scalping-Bots die Figuren kaufen konnten.
Für Waren außerhalb der EU fällt eine neue Zollgebühr von drei Euro pro Produkttyp an. Die EU reagiert auf täglich rund 16 Millionen Pakete von Billiganbietern wie Shein, Temu oder AliExpress.
01.07.2026 | 1:40 minKI könnte Scalping im Online-Handel beschleunigen
Laut Swen Schneider werden die Bots aktuell für einzelne Plattformen gebaut und sind nicht ohne weiteres übertragbar. Durch KI-Agenten könne sich das aber ändern.
Das Neue an den Bots ist, dass man sie über Plattformen hinweg kreisen lassen kann. Es ist grundsätzlich nicht neu, es geht nur schneller, automatisierter, autonomer.
Prof. Dr. Swen Schneider, Direktor Institut für Data Driven Business, Frankfurt University of Applied Sciences
In Zukunft könnte es für Verbraucher also noch schwieriger werden, im direkten Online-Handel begehrte Artikel zu ergattern. Für Tonies-Kunden gibt es demnächst eine erneute Chance: Die Weihnachts-Tonies sollen im Oktober wieder verfügbar sein.
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