Bundesländer warnen: Für Regionalzüge fehlen Milliarden

Schienennahverkehr fehlen 14 Milliarden:Regionalzüge: "In allen Bundesländern liegen Streichlisten"

von Klaus Ott

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Finanzminister Lars Klingbeil soll mehr Geld für die Schiene geben, damit kein Kahlschlag beim Nahverkehr droht. Doch selbst eine herzliche Bitte hilft einstweilen nicht weiter.

Eine S-Bahn fährt vor der Frankfurter Skyline.

Die Bundesländer fordern eine Aufstockung der Finanzmittel für den Nahverkehr der Bahn. Wie viel Geld fehlt, und was das für Pendler bedeuten könnte.

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Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) würde lieber heute als morgen nach Berlin fahren, um dort für alle Bundesländer mehr Geld für Regionalzüge und S-Bahnen zu besorgen. Vor wenigen Wochen, am 20. April, hatte Bernreiter Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) per Brief "herzlich" darum gebeten, an einem solchen Gespräch "persönlich teilzunehmen".

Länder warnen vor Streichungen bei Regionalzügen

Was der Bund bislang den Ländern für den Nahverkehr auf der Schiene gibt, reicht laut Bernreiter nicht aus, um den Status quo zu halten. Bis 2031 fehlten 14 Milliarden Euro, schrieb Bernreiter an Klingbeil. Ohne einen solchen Nachschlag müssten die Bundesländer Zugverbindungen "abbestellen". Sprich, Regionalzüge und S-Bahnen streichen.

Dieses Szenario, heißt es aus der Bahnbranche, drohe in der Tat. Es wäre ein Albtraum für Millionen Fahrgäste.

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Finanzministerium verweist aufs Verkehrsministerium

Doch Bernreiter, der beim Verkehr für alle 16 Bundesländer spricht, und seine Kollegen bekommen bisher keinen Termin mit Klingbeil. Dessen Finanzministerium verweist auf das Bundesverkehrsministerium, das zuständig sei.

Doch auch hier wird abgewiegelt. Laut ZDF-Informationen wurden "weitere Erläuterungen und Unterlagen angefordert". Es gehe darum, die Forderung der Länder zu "überprüfen, bevor ein Termin stattfindet".

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Derzeit gibt der Bund den Ländern rund zwölf Milliarden Euro im Jahr für den Nahverkehr auf der Schiene. Vielen Zugbetreibern geht aber angesichts deutlich gestiegener Kosten für Personal, Energie und anderem langsam das Geld aus. "Die finanzielle Lage ist brisant", sagt Matthias Stoffregen, Geschäftsführer des Verbandes Mofair. Dem Verband gehören viele Regionalbahnen an, von Rügen bis zu den Alpen.

In allen Bundesländern liegen Streichlisten für den Fall, dass das Geld nicht mehr reicht.

Matthias Stoffregen, Geschäftsführer des Verbandes Mofair

Um den Druck zu erhöhen, hat der Bahnverband Mofair die Bundesländer angeschrieben. Deren Regierungschefs und -chefinnen sollen bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Juni auf mehr Geld vom Bund drängen.

Einer Studie der Denkfabrik MCube zufolge sind viele Unternehmen auf den Nahverkehr angewiesen. Arbeitsmarkt, Handel und Tourismus profitierten vom Nahverkehr. "Jeder Euro, der in Bus, Bahn und Tram investiert wird, bringt der deutschen Volkswirtschaft das Dreifache zurück", besagt die im Auftrag der Deutschen Bahn erstellte Studie.


Bund sieht keinen Spielraum für zusätzliche Mittel

Doch der Bund hat hohe Schulden. Man habe die Länder "auf die angespannte Haushaltssituation des Bundes hingewiesen", teilt das Bundesverkehrsministerium mit.

Klingbeils Finanzministerium verweist darauf, dass der Bund bis 2029 ohnehin mehr als 100 Milliarden Euro für die Schiene ausgebe. Bei den Mitteln für den Nahverkehr komme der Bund "seiner Verpflichtung nach, indem er den gesetzlich festgelegten Betrag zur Verfügung" stelle. Zusätzliche Mittel stellt das Ministerium damit vorerst nicht in Aussicht.

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