Schienennetz in der Krise: Wann wird die Bahn pünktlicher?

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Schienennetz in der Krise:Deutsche Bahn-Netz bleibt marode: Wann kommt die Wende?

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Trotz Milliardeninvestitionen bleibt das Schienennetz in kritischem Zustand. Warum die Deutsche Bahn weiter mit Verspätungen kämpft - und wann es besser werden könnte.

Ein ICE der Deutschen Bahn fährt an einem vollen Bahnsteig im Hauptbahnhof Leipzig ein. (Archiv)

Langsamfahrstellen, Stellwerksstörungen und Baustellen bremsen den Zugverkehr aus. Die Bahn hofft erst in den kommenden Jahren auf Fortschritte.

Quelle: dpa

Für Bahnreisende gibt es zumindest eine kleine Entlastung: Trotz gestiegener Energiekosten will die Deutsche Bahn die Preise für Fernverkehrstickets in den kommenden zwölf Monaten nicht erhöhen. Das kündigte Konzernchefin Evelyn Palla Ende April an.

An den alltäglichen Problemen im Zugverkehr dürfte sich allerdings vorerst wenig ändern. Verspätungen, Störungen und Baustellen prägen weiterhin den Bahnverkehr in Deutschland. Kaum ist eine defekte Weiche repariert, sorgt an anderer Stelle eine Oberleitungsstörung oder eine Langsamfahrstelle für neue Probleme.

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, spricht am Podium bei einem Pressetermin am Berliner Hauptbahnhof am 20.02.2026-..

Trotz steigender Energiekosten soll es bei der Deutschen Bahn in den nächsten zwölf Monaten keine Preiserhöhungen für Tickets im Fernverkehr geben. Das sagte Konzern-Chefin Palla.

26.04.2026 | 0:22 min

Der Grund liegt vor allem im Zustand der Infrastruktur: Denn 26.000 Baustellen für rund 19,9 Milliarden Euro haben vergangenes Jahr gerade mal dafür gereicht, dass das marode Netz nicht noch weiter verfällt.

Im neuen Netzzustandsbericht erhielt das rund 33.000 Kilometer lange Bahnnetz wie bereits im Vorjahr die Schulnote 3,0. "Die Trendwende haben wir noch nicht geschafft", sagte Bahnchefin Evelyn Palla.

Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG

Die Folgen bekommen Reisende täglich zu spüren.

Welche Bereiche gelten als besonders problematisch?

Die Bahn unterscheidet in ihrem Bericht zwischen dem rund 9.000 Kilometer langen Hochleistungsnetz und dem etwa 24.000 Kilometer umfassenden Flächennetz. Das Hochleistungsnetz erhielt die Note 3,04, das Flächennetz 2,96.

"Wenn man gut fahren will, muss man auf dem Hochleistungsnetz Richtung 2,5 oder 2,6 kommen", sagte Philipp Nagl, Chef der Infrastruktur-Tochter DB InfraGo. Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten als erneuerungsbedürftig.

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Besonders kritisch bleibt der Zustand der Stellwerke. Sie erhielten im Gesamtnetz die Note 4,02 - zwar leicht besser als im Vorjahr, aber weiterhin alarmierend schlecht. Nach Angaben der Bahn ist jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke sanierungsbedürftig.

Wie will die Bahn den Zustand des Netzes verbessern?

Bauen, bauen, bauen ist das Motto. Mit 28.000 Baustellen und einer Investitionssumme von rund 23 Milliarden im laufenden Jahr hoffen die Bahn-Manager auf messbare Verbesserungen beim Netzzustand.

"Um verlässlich fahren zu können, müssen wir das Schienennetz mit Kraft weiter modernisieren und sanieren", sagt Bahnchefin Palla - und richtet auch eine klare Botschaft an die Politik:

Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Investitionen in das Netz dieses Jahr kein Ausschlag nach oben bleiben, sondern wenn das der neue Standard ist.

Evelyn Palla, Bahnchefin

Den gesamten Sanierungsstau beziffert der bundeseigene Konzern derzeit auf 130 Milliarden Euro.

Wo liegt der Schwerpunkt der Bauarbeiten?

Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Generalsanierungen besonders wichtiger Strecken. Dabei werden Bahnabschnitte meist über mehrere Monate vollständig gesperrt, um sie umfassend zu modernisieren.

Die erste Generalsanierung fand 2024 auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim statt. Nach der fünfmonatigen Sperrung verbesserte sich die Zustandsnote der Strecke von 3,7 auf 2,19.

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Derzeit laufen weitere Großsanierungen auf den Strecken Hamburg-Berlin, Köln-Hagen-Wuppertal sowie Nürnberg-Regensburg. Ihre Ergebnisse werden erst in den kommenden Netzzustandsbericht einfließen. Insgesamt plant die Bahn bis 2036 rund 40 solcher Generalsanierungen.

In der Branche gelten diese Maßnahmen weitgehend als alternativlos. Kritik gibt es dennoch - etwa wegen langer Umleitungen im Güterverkehr oder weil bei den ersten Projekten nicht alle technischen Modernisierungen umgesetzt wurden.

Wann können Fahrgäste mit besserer Pünktlichkeit rechnen?

Das hängt vor allem davon ab, ob in den kommenden Jahren ausreichend Geld für die Sanierungen bereitsteht. Klar ist aber auch: Verbesserungen werden Zeit brauchen.

Bei ihren Pünktlichkeitszielen ist die Bahn inzwischen vorsichtiger geworden. Im Herbst senkten Bahnchefin Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) das Ziel für 2029 auf 70 Prozent. Der frühere Bahnvorstand hatte für 2027 noch eine Quote von 75 bis 80 Prozent angestrebt.

Bahn ICE

Die Bahn hat ihren aktuellen Bilanzbericht vorgelegt: Dieser zeigt Milliardenverluste im vergangenen Jahr, mehr als zuvor. Konzernchefin Palla sieht eine Trendwende, bat aber um Geduld.

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Im April 2026 erreichten im Fernverkehr lediglich 64,4 Prozent der Züge ihre Halte pünktlich - also mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Absehbar dürfte es für die Bahn dieses Jahr bereits eine Herausforderung sein, eine Pünktlichkeitsquote von mehr als 60 Prozent im gesamten Jahr zu erreichen.

Wurde auch der Zustand der Bahnhöfe betrachtet?

Ja - allerdings ohne große Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr. Die Zustandsnote der Bahnhöfe liegt 2025 bei 2,96 und damit nur minimal besser als 2024.

Ein ICE (Intercity-Express) der Deutschen Bahn (DB) ist am 27. März 2026 im Berliner Hauptbahnhof abgebildet.

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Besonders problematisch bleiben die Empfangsgebäude, die im Bericht auf die Note 3,55 kommen. Ähnlich schlecht schneiden Aufzüge ab. Auch viele Rolltreppen gelten als sanierungsbedürftig: Von 1.025 bewerteten Anlagen erhielten 489 die Note 4, weitere 112 sogar die schlechteste Bewertung 5.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete die ZDFheute Xpress-Sendung am 26.04.2026 um 11:50 Uhr.

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