Studie zu Mobilität in Deutschland:Unzufriedenheit über Bahn und Co. wächst
von Manuela Christ und Christian Hauser
Bahnfahren verliert für viele Menschen an Verlässlichkeit, so die Mobilitätsstudie der HUK. Aber auch auf der Straße wächst der Frust. Ein Bundesland ist besonders unzufrieden.
Die HUK-Mobilitätsstudie zeigt sinkendes Vertrauen in Bahn und ÖPNV. Viele vermeiden Fahrten wegen Verspätungen oder Ausfällen, während das Auto gewinnt.
23.04.2026 | 0:40 minPünktlichkeitsprobleme bei der Bahn sind seit Jahren bekannt, doch sie haben offenbar spürbare Folgen für das Mobilitätsverhalten der Deutschen. Laut der diesjährigen HUK-Mobilitätsstudie versuchen inzwischen 35 Prozent der Befragten, Bahnfahrten "wenn möglich zu vermeiden".
Die Deutsche Bahn hat 2025 unter dem Strich wieder Milliarden verloren. Das operative Ergebnis lag zwar im positiven Bereich, nach Steuern blieb aber ein Minus von 2,3 Milliarden.
27.03.2026 | 2:31 minDie Studie untersucht das Mobilitätsverhalten der Deutschen. Mehr als ein Viertel nimmt demzufolge wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn wahr oder plant Reisen nur noch mit deutlich größeren Zeitpuffern.
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Mehrheit empfindet Bahn als unzuverlässig
Aus wirtschaftlicher Sicht ist das mehr als ein Imageproblem. Mobilität ist ein zentraler Standortfaktor: Wenn Beschäftigte und Unternehmen ihre Wege nicht mehr verlässlich kalkulieren können, steigen Zeit- und Planungskosten.
Entsprechend negativ fällt die Bewertung aus: Nur neun Prozent der Befragten finden, dass sich Bahnfahrten heute verlässlicher planen lassen als noch vor fünf Jahren. Fast jeder Zweite sieht eine deutliche Verschlechterung.
Die HUK-Mobilitätsstudie 2026 basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung des Meinungsforschungsunternehmens YouGov. Befragt wurden 4.114 Personen ab 16 Jahren im Zeitraum vom 21. Januar bis 18. Februar 2026. Die Studie wird jährlich durchgeführt und erschien erstmals 2021.
Die HUK-Coburg ist ein großer deutscher Versicherer, der unter anderem Versicherungen für Autos, Haftpflicht und Hausrat anbietet.
Junge zweifeln an der Zukunft der Schiene
Auffällig ist zudem der Blick nach vorn. Gerade junge Menschen bewerten die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft deutlich zurückhaltender als andere Altersgruppen.
Parallel dazu gewinnt das Auto wieder an Bedeutung - quer durch alle Altersgruppen. Auch wenn Mehrfachnennungen möglich waren, gilt das Auto für 76 Prozent als bevorzugtes Verkehrsmittel der Zukunft.
Die neue E-Auto-Prämie kommt und kann ab Mai beantragt werden. Der Bundestag hat beschlossen, dass die Förderung rückwirkend für Zulassungen ab Jahresanfang gilt.
17.04.2026 | 0:36 minStrukturelle Probleme statt Einzelfehler
Andreas Knie, Mobilitätsforscher vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, warnt jedoch davor, die Ergebnisse ausschließlich als Abstrafung des Bahnfahrens zu lesen. Entscheidend sei der strukturelle Rahmen, erklärt Knie. "Das Problem ist weniger die einzelne Verspätung, sondern die Wirkung auf Erreichbarkeit und Planungssicherheit: Wenn Wege komplizierter werden, verliert die Bahn an Attraktivität - selbst dann, wenn sie im Einzelfall funktioniert", sagt er.
Bahnchefin Evelyn Palla wirbt bei den Fahrgästen um Geduld bei der Sanierung des maroden Gleisnetzes. Für die Modernisierung werde man "zehn Jahre brauchen".
02.03.2026 | 1:30 minEin zentraler Faktor sei die aktuelle Sanierungspolitik der Bahn, erläutert Knie. Langfristige Sperrungen wichtiger Strecken zwängen viele Nutzer zum Umstieg.
Wenn über Monate zentrale Verbindungen entfallen, suchen sich Menschen Alternativen - und das ist meist das Auto.
Prof. Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Besonders problematisch: Verkehrsentscheidungen seien stark routiniert, ein erzwungener Umstieg werde schnell zur neuen Normalität.
Zugverspätungen und Ausfälle sind häufig Folge maroder Stellwerke und fehlenden Personals. Die Bahn hat rund 2.000 Fahrdienstleiter neu eingestellt. Bringt das künftig weniger Ausfälle?
14.04.2026 | 1:49 minFrust über Mobilität insgesamt wächst
Dass sich der Unmut nicht nur auf die Bahn oder den ÖPNV beschränkt, sondern auch auf den Straßenverkehr ausweitet, zeigt die regionale Auswertung der Studie. In Nordrhein-Westfalen sagen 57 Prozent der Befragten, die Verlässlichkeit der Zeitplanung für Fahrten insgesamt habe sich in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert - der höchste Wert im Bundesvergleich.
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Für ein wirtschaftsstarkes, pendlerintensives Bundesland ist das ein deutliches Signal: Mobilitätsprobleme werden als generelle Einschränkung von Alltag und Arbeitswelt wahrgenommen.
Nach wie vor ist unklar, wann das Bahn-Großprojekt Stuttgart 21 fertig wird. Zu Ostern konnten sich Besucher ein Bild von der aktuellen Lage auf der Baustelle machen.
04.04.2026 | 1:47 minAuto als Ausweichlösung
Dass das Auto davon profitiert, bedeutet aus Sicht von Knie jedoch keine Rückkehr zur automobilen Zufriedenheit.
Die Hinwendung zum Auto ist keine Freude, sondern eine Zwangsfolge fehlender Alternativen.
Prof. Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Auch das Autofahren leide unter maroder Infrastruktur und steigenden Kosten, sagt Knie. Der Frust betreffe inzwischen alle Verkehrsträger.
In vielen ländlichen Regionen fehlt es an gutem Nahverkehr. Thüringen zeigt eine Alternative: ein flexibel buchbarer Bus auf Abruf mit individuellen Ausstiegen.
03.03.2026 | 1:51 minMobilität sollte insgesamt verlässlicher werden
Trotz der wachsenden Enttäuschung zeigt die Studie auch, dass viele Menschen offen für Veränderungen bleiben. HUK-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer sieht darin einen wichtigen Ansatzpunkt: "Die Deutschen sehen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge."
Für die Zukunft gehe es deshalb weniger um den Wettbewerb einzelner Verkehrsträger als um die Frage, ob Mobilität insgesamt wieder verlässlich, planbar und alltagstauglich wird - auf der Schiene ebenso wie auf der Straße und im übrigen Verkehrssystem.
Manuela Christ und Christian Hauser sind Redakteure im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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