Endgegner ÖPNV:Wenn Bus und Bahn zur Geduldsprobe werden
von Lothar Becker
Wer mit Bus oder Bahn pünktlich ankommen will, fährt lieber zwei Verbindungen früher. An Bahnsteigen und Haltestellen herrscht eine Mischung aus Hoffnung und Frust.
Trotz Preiserhöhung des Deutschlandtickets erzielen die Verkehrsunternehmen Verluste.
27.01.2026 | 1:47 minDie Ticket-Preise in Deutschland steigen derzeit: zwischen vier und sechs Prozent sind bei den meisten Verbünden normal. Das Deutschlandticket wird sogar acht Prozent teurer, von 58 Euro auf 63 Euro im Monat. Preiserhöhungen gehören zum Fahrgastalltag.
Pendler enttäuscht von Verspätungen und Ausfällen
"Es wird regelmäßig teurer", sagt Nanuk Schmitz in Wuppertal. Er pendelt zur Arbeit - sein Zug hat heute 15 Minuten Verspätung. Schmitz ist frustriert vom öffentlichen Nahverkehr:
Die Services werden sehr viel schlechter. Gerade im letzten Jahr habe ich jetzt erlebt, dass es so unpünktlich ist wie noch nie und ich pendle schon mein ganzes Leben.
Nanuk Schmitz, Pendler
Deutschlandticket: Kündigungen nach Preiserhöhung
Tatsächlich haben knapp sechs Prozent der Deutschlandticket-Abonnenten zum Jahreswechsel ihr Ticket gekündigt. Das sei keine Kündigungswelle, sondern "im normalem Rahmen", so der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, bei der heutigen Vorstellung der Jahreszahlen.
Mit neuer Chefin und abgeschwächten Pünktlichkeitszielen will Verkehrsminister Patrick Schnieder die Krise der Deutschen Bahn angehen. „Die Latte wir ausdrücklich niedriger gelegt, weil man an das Grundproblem nicht angeht“, so Tarek Al-Wazir (Grüne).
22.09.2025 | 4:20 minInsgesamt verzeichnet der VDV einen leichten Zuwachs bei den Fahrgastzahlen von 0,8 Prozent. Zum Jahresende nutzten demnach rund 14,6 Millionen Menschen das Deutschlandticket. Dessen Preis stieg zum 1. Januar auf 63 Euro pro Monat.
Mit dem Sanierungsstau der letzten Jahre, Verbindungsausfällen und regelmäßigen Verspätungen, geht die Schere zwischen Leistung und Preis beim ÖPNV weiter auseinander. Das dürfte nicht für mehr Zuspruch bei Pendlern sorgen.
Nach Millioneninvestitionen: Wuppertaler Schwebebahn fit für nächsten 100 Jahre
Auch Pendler Reinhold Nöthen kritisiert die Bahn, weil sie ständig zu spät komme oder ausfalle. In Wuppertal hingegen sagt er "geben sie sich wirklich viel Mühe, die Busse und Bahnen pünktlich zu halten".
Züge der Deutschen Bahn haben häufig Verspätung, werden umgeleitet oder entfallen. Im August kamen nur 59,6 Prozent der Fernzüge nach Plan an. Evelyn Palla soll den schwierigen Job der Bahnchefin übernehmen.
22.09.2025 | 3:31 minNöthen meint damit die Wuppertaler Stadtwerke. Ihnen ist es gelungen, rechtzeitig zum 125-jährigen Jubiläum des deutschlandweit einzigartigen ÖPNV, die gesamte Strecke zu modernisieren, zu reparieren und zu erneuern - oft im laufenden Betrieb.
Gleichzeitig soll die Taktung von knapp vier auf gut zwei Minuten gesenkt werden. Nach Millioneninvestitionen ist die Wuppertaler Schwebebahn größtenteils fit für die nächsten 100 Jahre.
NRW-Verkehrsminister kritisiert versäumte Mobilitätswende
Anderswo wurde zu lange von der Substanz gelebt, kritisiert NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) im ZDF-Interview.
Die Länder berieten im Oktober über die Zukunft der Mobilität in Deutschland. Im Zentrum der Gespräche stehen Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, den ÖPNV und das Deutschlandticket.
29.10.2025 | 2:49 minDaraus ergeben sich die heutigen Probleme mit Weichen und Oberleitungen, so Krischer. Aber auch nicht "ansehnliche" und barriere-lastige Bahnhöfe seien eine Schwierigkeit. Weiter bemängelt Krischer:
Wir haben teilweise Fahrzeuge im Betrieb, die auch nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen.
Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister (Grüne)
Doch diese Versäumnisse der Vergangenheit aufzuholen werde dauern, führt der Grünen-Politiker fort.
Sollte Fahren ohne Fahrschein weiterhin ein Straftatbestand sein? Alexander Möller, VDV-Geschäftsführer ÖPNV, sagt ja. Arne Semsrott vom Projekt Freiheitsfond positioniert sich dagegen.
27.11.2025 | 11:46 minS-Bahnstrecke Neuss - Kaarst: Neue Züge aber fehlende Oberleitungen
Auf der S-Bahnstrecke zwischen Neuss und Kaarst im Rheinland sind Oberleitungen zwar seit Jahren geplant, aber immer noch nicht errichtet worden.
Zwar wurden Züge schon angeschafft, doch fahren konnten sie bislang nie. Auch eine angekündigte und eine seit 2016 in Planung befindliche S-Bahn-Haltestelle in der Nähe eines Krankhauses wurde nie gebaut.
Heinrich Thiel, SPD Vorsitzender in Neuss, erklärte dem ZDF, dass die Stadt bereits 160.000 Euro für den Bau der Haltestelle bereitgestellt hatte - doch es gab ein Problem:
Leider konnte das Geld nicht abgerufen werden, da die Planungen verschoben werden mussten, weil die Elektrifizierung ja noch nicht erfolgt war.
Heinrich Thiel, SPD Vorsitzender in Neuss
SPD Vorsitzender Thiel: ÖPNV zu "komplex" organisert
Für Thiel liegt der Fehler im komplexen System des ÖPNV. Dieser müsse sich mit dem Verkehrsverbund, der Regiobahn, der Kommune und mit dem gesamten Rheinkreis Neuss organisieren. Entsprechend lange dauere so ein Prozess, wenn sich alle Gewerke miteinander abstimmen müssen.
Zwar laufen inzwischen die Bauarbeiten zur Elektrifizierung Strecke, doch nach über zehn Jahren warten die Neusser noch immer auf ihre versprochene S-Bahn Haltestelle.
Die Absicht, den ÖPNV auszubauen, ist Teil den letzten beiden Koalitionsverträge. Die Mittel sind da, dennoch scheinen es viele kommunale Verkehrsbetriebe nicht wirklich eilig zu haben einen attraktiven ÖPNV aufzugleisen.
Lothar Becker ist Korrespondent im ZDF-Studio in Düsseldorf.
Mehr zum öffentlichen Verkehr
Autonomes Fahren in Deutschland:Robotaxis: Was zur Revolution auf der Straße noch fehlt
von Christian Hausermit Video28:33Preis wird weiter steigen:Deutschlandticket: Bundesrat sichert Finanzierung bis 2030
mit Video2:49- Interview
Sondervermögen für die Bahn:"Wir vernachlässigen unsere gesamte Verkehrsinfrastruktur"
Palla plant Neuausrichtung der Bahn:Bahnchefin: "2026 wird das Jahr des großen Umbaus sein"
mit Video1:09