Auftakt auf neuer Olympia-Bahn: Mit 140 die Baustelle runter

Weltcup-Auftakt auf neuer Olympia-Bahn:Cortina: Mit 140 die Baustelle runter

von Lars Becker

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Die olympische Eisbahn von Cortina wird in Rekordzeit erbaut. Jetzt steht als Generalprobe der Weltcup im Bob und Skeleton an. Das sind die Reaktionen von der Baustelle.

Skeletonfahrerin Hannah Neise

Skeleton-Olympiasiegerin Hannah Neise startet auf der Baustelle im italienischen Cortina in die Olympia-Saison. Die neue Bahn hat ihre Herausforderungen.

21.11.2025 | 1:59 min

Es sind verrückte Szenen auf der neuen olympischen Eisbahn von Cortina. Mit rasantem Autobahnspeed - die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 140 km/h angegeben - rasen in diesen Tagen Bobfahrer und Skeletonis den Eiskanal herunter. Vielleicht fünf Meter daneben stehen Bauarbeiter in Gummistiefeln und betonieren fleißig.

Bauarbeiten in Cortina schreiten gut voran

Auch im Start- und Zielbereich wird an einigen Stellen, die mit dem sportlichen Ablauf nichts direkt zu tun haben, noch gewerkelt. Das Umfeld im Eugenio Monti Sliding Center gleicht sowieso einer riesigen Baustelle mit jeder Menge Baggern und Radladern. In diesem Ambiente findet von Freitag bis Sonntag die Olympia-Generalprobe im Bob und Skeleton statt. Zuschauer sind beim Weltcup-Auftakt aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen - es gäbe ohnehin noch keine fertige Tribüne für die Fans.

Berge und Olympische Ringe

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Immerhin können die Sportler über eine Gerüsttreppe jetzt die Umkleidekabinen erreichen. Das war bei den ersten Testfahrten der weltbesten Rodler noch nicht so - sie mussten sich mangels Treppe noch in einem Zelt umziehen. Wer glaubt, dass sich die Sportler über die aktuelle Situation beschweren, ist auf dem Holzweg.

An der Bahn hätte ich es mir etwas chaotischer vorgestellt nach den Erzählungen der Rodler bezüglich der Baustelle. Aber die Italiener sind echt flink.

Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer

Konkurrenz für die Bahn am Königssee

Allein in den zwei Trainingswochen wäre unglaublich viel vorangegangen, heißt es aus dem deutschen Team. Kein Wunder: Schließlich arbeiten die Bautrupps 24/7 am wohl größten Prestigeobjekt der kommenden Olympischen Winterspiele.

Thomas Schwab findet das schlichtweg beeindruckend, vor allem mit Blick auf die Situation an der durch ein Hochwasser 2021 zerstörten Eisbahn am Königssee. "Dort gehen wir jetzt in den fünften Winter ohne Eis. Und 300 Kilometer entfernt von Königssee bauen sie eine Bobbahn in neun Monaten", sagt der Chef des Bob- und Schlittenverbandes (BSD) für Deutschland frustriert.

In Königssee soll nach einer weiteren Verzögerung im kommenden Winter wieder gefahren werden, in Cortina gibt es an diesem Wochenende schon das erste Highlight. Und die Sportler stimmen trotz der tristen Baustellen-Atmosphäre wahre Lobeshymnen auf die Location an - und das nicht nur wegen der allseits gelobten überragenden italienischen Kulinarik. "Die Landschaft in Cortina ist schon der Hammer. Sonst war immer Königssee das Highlight im Kalender, da muss sich Cortina auf jeden Fall nicht verstecken", sagt Grotheer.

Cortinas Bahn "cooler" als die Olympiabahn in Peking

Auch die Bahn selbst wird fast durchweg als "sehr cool" beschrieben. "Es gibt nur eine 'Sturzpassage' in den Kurven 9, 10 und 11 - der Rest ist machbar. Mal schauen, ob sie in der einen Passage noch am Eisausbau arbeiten, aber ansonsten passt die Bahn gut", sagt Bob-Dominator Francesco Friedrich. Die Aussage des viermaligen Olympiasiegers will etwas heißen: Bei Olympia 2022 haben die deutschen Bobfahrer, Skeletonis und Rodler schließlich insgesamt neun Goldmedaillen gewonnen.

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Als Schlüsselteil für einen neuerlichen olympischen Goldregen im kommenden Februar haben die deutschen Bobfahrer und Skeletonis den nach einem relativ steilen Start eher flachen oberen Bahnbereich in Cortina identifiziert. "Der Scharfrichter ist oben die Kurve 1 bis 4, danach gilt es, den Bob einfach laufen zu lassen", sagt Bobpilot Johannes Lochner und zieht einen Vergleich zu Olympia 2022: "Die Bahn in Cortina gefällt mir tatsächlich besser als die in Peking. In Cortina ist es etwas witziger vom Rhythmus, es macht wirklich Spaß zum Bobfahren. Und die Bahn ist nicht in China, sondern in den Alpen - das ist auch schon mal ein Riesenvorteil." Selbst wenn man auf einer Baustelle und ohne Zuschauer die Eisrinne herunterrast.

Skeleton: Jacqueline Pfeifer (RSG Hochsauerland), Susanne Kreher (BSC Sachsen Oberbärenburg), Hannah Neise (BSC Winterberg), Corinna Leipold (WSV Königssee), Christopher Grotheer (BRC Thüringen), Axel Jungk (BSC Sachsen Oberbärenburg), Felix Keisinger (WSV Königssee), Lukas Nydegger (RC Berchtesgaden / Eintracht Frankfurt)

Monobob: Laura Nolte (BSC Winterberg), Lisa Buckwitz (BRC Thüringen), Kim Kalicki (TuS Eintracht Wiesbaden)

Zweierbob: Laura Nolte (BSC Winterberg) und Deborah Levi (SC Potsdam), Lisa Buckwitz (BRC Thüringen) und Neele Schuten (TV Gladbeck), Kim Kalicki (TuS Eintracht Wiesbaden) und Leonie Fiebig (BSC Winterberg), Johannes Lochner (BC Stuttgart Solitude) und Georg Fleischhauer (SC Potsdam), Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg) und Alexander Schüller (SV Halle), Adam Ammour (BRC Thüringen) und Alexander Schaller (BC Bad Feilnbach)

Viererbob Johannes Lochner (BC Stuttgart Solitude), Thorsten Margis (SV Halle), Jörn Wenzel (BSC Sachsen Oberbärenburg) und Georg Fleischhauer (SC Potsdam) Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg), Matthias Sommer (BSC Winterberg), Alexander Schüller (SV Halle) und Felix Straub (BSC Sachsen Oberbärenburg) Adam Ammour (BRC Thüringen), Joshua Tasche (Eintracht Frankfurt), Benedikt Hertel (BRC Thüringen) und Costa Laurenz (TuS Eintracht Wiesbaden)


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