Feueralarm, Magenprobleme und Premiere:Turbulenter WM-Auftakt für den Deutschlandachter
von Felix Tusche
Der Deutschlandachter ist bei der Ruder-WM ins Halbfinale eingezogen. Der Weg dorthin war ungewöhnlich: Erstmals wurden die WM-Vorläufe im Zeitfahrmodus ausgetragen.
Der Doppelvierer der Herren gewinnt bei der Ruder-WM Silber. Der Achter hingegen hat durch einen Feueralarm, zwei Ausfälle und einer Premiere gleich mehrere Herausforderungen.
29.08.2026 | 1:02 minEs ist ein Bild, das es so bei einer Ruder-Weltmeisterschaft noch nie gegeben hat: Der Deutschlandachter gleitet am Samstagnachmittag alleine über die Ziellinie. Nicht, weil die Konkurrenz weit voraus oder abgeschlagen ist. Sondern, weil die Vorläufe erstmals in der WM-Geschichte im Zeitfahrmodus ausgetragen werden.
Der Grund ist das Wetter. Kräftige Winde sorgen dafür, dass auf den einzelnen Bahnen der Bosbaan im Süden Amsterdams unterschiedliche Bedingungen herrschen. Um möglichst faire Voraussetzungen für alle Boote zu schaffen, entscheiden sich die Veranstalter kurzfristig für das ungewöhnliche Format. Die Boote gehen nacheinander auf die 2.000 Meter lange Strecke. Am Ende zählt die Zeit - das langsamste Boot scheidet aus.
Wir konnten uns gar nicht mit irgendjemandem anderen messen, mal einen Spurt setzen und einen Platz rausholen. Wir mussten einfach nur unser Ding machen.
Frederik Breuer, Schlagmann des Deutschlandachters
Feueralarm und Magenprobleme
Doch der ungewohnte Rennmodus ist nicht die einzige Herausforderung, mit der das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes am vorletzten WM-Tag konfrontiert wird. Für die Achter-Besatzung, die in Amsterdam um eine Medaille kämpfen will, beginnt der Tag unfreiwillig früh. Kurz nach sieben Uhr ertönt im Hotel der Feueralarm: "Dadurch wurde der Wecker überflüssig. Das haben wir aber gut verkraftet", sagt Breuer.
Kathrin Marchand und Valentin Luz sprechen nach ihrem WM-Titel im Para-Rudern im ZDF-Interview bei Reporter Felix Tusche.
28.08.2026 | 1:39 minWenig später folgt die nächste unerwartete Wendung: Zwei Ruderer des Deutschlandachters fallen wegen eines akuten Infekts aus. Mit Max John und Tobias Strangemann müssen kurzfristig gleich zwei Ersatzmänner ins deutsche Flaggschiff rücken.
WM-Medaille im Fokus
Doch auch das bringt die Mannschaft vom Stützpunkt in Dortmund nicht aus dem Rhythmus. Mit einer Zeit von 5:31,70 Minuten übersteht sie den Zeitfahr-Vorlauf und zieht ins Halbfinale ein.
Wir hatten wirklich guten Ersatz. Die Jungs haben das super gemacht. Morgen können wir dann hoffentlich wieder in Originalbesetzung starten.
Sönke Kruse, Deutschlandachter
Am finalen WM-Tag wartet zunächst das Halbfinale um 10:05 Uhr. Im Finale um 13:38 Uhr könnte es für den Deutschlandachter schließlich um das erste WM-Edelmetall seit 2019 gehen. Nach Feueralarm, ungewohntem Rennmodus und kurzfristigem Besetzungswechsel wäre das der krönende Abschluss eines skurrilen WM-Auftaktes.