Leichtathletik - Diamond League:Krause vs. Meyer: Zürich wird zum nächsten Härtetest
von Johannes Fischer
Bei der EM sorgten Gesa Krause, Lea Meyer und Olivia Gürth für Furore - und für Gesprächsstoff. In Zürich treffen die drei deutschen Hindernisläuferinnen nun erneut aufeinander.
Lea Meyer (r.) liegt bei der EM in Birmingham bis zum letzten Wassergraben auf Medaillenkurs, doch Gesa Krause holt Gold - auch weil Meyer verhängnisvoll stürzt. Ein Rennen mit Folgen.
Quelle: Eibner-Pressefoto/Stefan MayerDie Leichtathletik-EM in Birmingham ist gerade erst vorbei, da wartet schon die nächste große Bühne: Beim traditionsreichen Diamond-League-Meeting in Zürich treffen am Donnerstag (ab 19:55 Uhr/ZDF-Livestream) Gesa Krause, Lea Meyer und Olivia Gürth erneut über 3.000 Meter Hindernis aufeinander. Drei Läuferinnen, die bei der EM für eines der spannendsten Rennen aus deutscher Sicht sorgten.
Krause gewann ihren dritten EM-Titel, Gürth holte Bronze. Lea Meyer war auf Medaillenkurs, stürzte jedoch am letzten Wassergraben und musste sich mit Platz vier begnügen. Bundestrainerin Isabelle Baumann sagt im Gespräch mit ZDFheute: "Der weitere Rennverlauf hat gezeigt, dass Meyer die Silbermedaille gewonnen hätte, wenn sie sauber über den Wassergraben gekommen wäre."
Lea Meyer hat durch einen Sturz eine mögliche EM-Medaille über 3.000 Meter Hindernis verloren. Im ZDF-Interview lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf und übt Kritik an Gesa Krause.
13.08.2026 | 1:23 minMeyer sorgt für Gesprächsstoff
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte Meyer, als sie sich im Anschluss über Krauses Renngestaltung beschwerte und sich selbst als schnellste Europäerin bezeichnete. Tags darauf bedauerte sie ihre Aussagen. Baumann will daraus kein großes Thema machen. "Für mich war es gleich erledigt", sagt sie. "Das sind zwei Frauen, das sind Profis, die können miteinander umgehen."
Lena Meyer bei Instagram
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Baumann sieht in der Konstellation vor allem einen Vorteil für das deutsche Team. "Es ist immer gut, wenn man Konkurrenz hat", sagt sie. Für die einzelne Athletin bedeute das zwar zusätzlichen Druck, "aber in der Summe bringt es meistens höhere Leistung."
Die Ergebnisse von Birmingham unterstrichen die Stärke der DLV-Hindernisläuferinnen, Baumann sieht darin allerdings nicht nur einen Beleg für die deutsche Qualität. "Wir haben eine hohe Dichte", sagt sie, schränkt aber ein: "Europa hat derzeit wenig gute Hindernisläuferinnen." Auf Weltniveau werde sichtbar, "dass da schon ein ganzes Stück fehlt".
Gesa Krause äußert sich diplomatisch zu Lea Meyer, die Krause kritisiert hatte. Meyer sei "emotionsgeladen" ins Interview gegangen, da durch den Sturz eine Welt für sie zusammengebrochen sei.
14.08.2026 | 3:47 minDie Weltspitze ist noch ein Stück entfernt
Dieses Weltniveau verkörpern in Zürich vor allem Peruth Chemutai (Saisonbestleistung 8:51,06 Minuten), Faith Cherotich (8:51,48 Minuten) und Doris Lemngole (8:57,89 Minuten), die als Favoritinnen ins Rennen gehen. Dass jemand aus dem DLV-Trio den drei Afrikanerinnen folgen kann, ist unwahrscheinlich.
Nachdem Krause kürzlich beim Diamond-League-Meeting in Lausanne aufgeben musste und Gürth und Meyer nur auf den Rängen neun und zehn ins Ziel kamen, ist die Frage, wie viel die drei noch im Tank haben. Baumann ist dennoch von einer guten Form des Trios überzeugt:
Ich glaube, dass die alle in einer sehr guten Verfassung sind, sonst wäre ihnen das EM-Finale so nicht gelungen.
Bundestrainerin Isabelle Baumann über das Hindernis-Trio
Für Meyer geht es dabei auch darum, sportlich auf die Enttäuschung von Birmingham zu antworten. Die Bundestrainerin traut ihr perspektivisch einen großen Schritt zu. "Ich bin mir sicher, dass Lea sich weiterentwickeln wird und dann hoffentlich ganz nahe an die neun Minuten heranlaufen kann", sagt Baumann.
Der Angriff auf die Neun-Minuten-Marke
Krause hat mit 9:03,30 Minuten ohnehin den deutschen Rekord inne. Baumann glaubt, dass auch ihre frühere Weltklassezeit noch nicht das Ende sein muss: "Das traue ich auch einer Gesa Krause zu." Der Kampf um die deutsche Nummer eins könnte damit langfristig noch einmal eine ganz neue Dimension bekommen.
So oder so verspricht das Wiedersehen der drei Deutschen Spannung. Krause kommt als Europameisterin, Meyer als unglückliche Vierte und Gürth als EM-Dritte nach Zürich. Der direkte Vergleich dürfte zeigen, wer die EM am besten verarbeitet hat - und vielleicht auch, ob die deutsche Hindernislauf-Konkurrenz tatsächlich schon auf dem Weg zu neuen Bestmarken ist.
Denn eines hat Birmingham gezeigt: In Deutschland gibt es derzeit drei Läuferinnen, die sich gegenseitig antreiben. Und wenn Baumann Recht behält, könnte der nächste Schritt nicht nur der Kampf um Medaillen sein, sondern der Angriff auf eine Zeit, die im Hindernislauf eine besondere Schallmauer darstellt.