Fazit der Hockey-WM :Kein Erfolg ohne Krise
von Meili Scheidemann
Ein Turnier mit zwei verschiedenen Ausgängen: Die deutschen Männer krönten ihre WM mit dem erneuten Weltmeistertitel, für die Frauen endete sie mit einer Trainerinnenentlassung.
Bei der Hockey-WM in Belgien hat Deutschland seinen Titel verteidigt und ist zum insgesamt vierten Mal Weltmeister. Im Finale schlug die DHB-Auswahl Spanien dank eines Treffers von Struthoff mit 1:0.
31.08.2026 | 1:34 minMit letzter Kraft stemmt Michel Struthoff den WM-Pokal in den Himmel. "Viel zu schwer für mich mit meinen Ärmchen und dem, was noch in meinem Körper drin ist", sagt er danach. Doch der Stolz überwiegt die Kraftlosigkeit. "Wir haben immer gesagt, dass wir eine Familie sind und dass wir es nur gemeinsam schaffen können."
Ohne Druck auch kein Erfolg
Es ist schon erstaunlich, was dieses Team gemeinsam geschafft hat. Verhalten waren die Prognosen vor dem Turnier - mit Mats Grambusch war nach der EM 2025 der Kapitän von Bord gegangen. Sein Bruder Tom übernahm. Es folgte eine durchwachsene WM-Vorbereitung in der Pro League mit nur Platz sechs. Doch - und das wurde bei diesem Turnier nochmal klar - Deutschland ist eine Turniermannschaft. Sie braucht den Druck.
"Übers Jahr gesehen haben nicht so viele von uns daran geglaubt", sagt Weltmeister Christopher Rühr. "Als es ins Turnier ging, haben wir eine Welle geritten und das hat uns zuversichtlich gemacht."
31.08.2026 | 2:53 minIn der Gruppenphase baute Gegner Belgien davon am meisten auf. Immer wieder rannten die Gastgeber die deutsche Defensive an. Doch die blieb stabil, trieb sich selbst zur Höchstleistung. Trainer André Henning attestierte dem 22-jährigen Jakob Brilla, das "Spiel seines Lebens" gemacht zu haben. Nur um dann wenige Tage später - nach dem Spiel gegen Spanien - seine Mannschaft als "uncoachable" zu betiteln. Nicht trainierbar, nicht ansprechbar. Der Grund? "Zu wenig Druck", wie Torhüter Jean Danneberg später anmerkte.
Mentale Meisterleistung im Halbfinale
Ein Sieg hätte die Tür zum Halbfinale weit geöffnet, eine Niederlage bedeutete aber nicht automatisch das Turnieraus. Deutschland verlor mit 1:2. Es war der Dämpfer, der dem Team den nötigen Druck für die kommenden Spiele aufzwang. "Ich glaube, ich habe noch nie etwas gewonnen, ohne zwischendurch einen Rückschlag oder eine Krise erlitten zu haben", sagte André Henning.
Hockey-Bundestrainer André Henning spricht nach dem erneuten Gewinn der Weltmeisterschaft im ZDF-Interview bei Reporterin Meili Scheidemann.
30.08.2026 | 4:01 minEr war zuversichtlich, dass sich die Dinge zum Guten wenden würden - und das taten sie. Es folgte ein 4:2-Sieg gegen Australien. "Das war das größte Druckspiel, was wir kriegen konnten. Und was passiert: Die Mannschaft zeigt das beste Spiel seit zwei Jahren", staunte der Bundestrainer nach Abpfiff, der auch im Halbfinale nur Lob für sein Team übrig hatte. "Eine mentale Meisterleistung" sei der 2:1-Sieg gegen Argentinien gewesen.
Wichtiger Revanche-Sieg im Finale
André Henning legt viel Wert auf die Selbstwirksamkeit seiner Spieler. Er will sie vorbereiten, so gut es geht, den Schläger in die Hand nehmen tun aber nur sie. Und so war es am Ende Michel Struthoff, der im Finale "mit zittriger Hand" den Ball über die Linie beförderte. Deutschland schlug das Team, gegen das es zuvor verloren hatte. Besser hätte man mit dieser Bürde nicht umgehen können.
Das, was die HONAMAS zu Höchstleistungen getrieben hat, war ausgerechnet das, was dem deutschen Frauenteam den Traum vom Halbfinale genommen hat: Der Druck.
Argentinien hat die Hockey-WM der Frauen gewonnen. Im Finale in Amstelveen setzten sich Südamerikanerinnen gegen Gastgeber Niederlande durch.
29.08.2026 | 1:55 minAngetreten sind die DANAS mit 13 WM-Debütantinnen. Ebenso waren aber auch schon 13 Spielerinnen im vergangenen Jahr dabei, als die Deutschen sich in Mönchengladbach zu Vize-Europameisterinnen küren konnten. Schon dort stand Janneke Schopman an der Seitenlinie. Die Niederländerin setzt auf junge Spielerinnen, wie Johanna Hachenberg oder Yani Zhong. Beide zahlten im WM-Eröffnungsspiel das Vertrauen mit Toren zurück.
DHB-Frauen: "In uns steckt soviel mehr"
Einem soliden Auftakt folgte aber eine bittere 2:3-Niederlage gegen die späteren Weltmeisterinnen aus Argentinien. Dabei konnten die Deutschen zwischenzeitlich einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen, das Aufbäumen war zu spüren. Nur kam am Ende nichts Zählbares dabei heraus. Diese Niederlage trugen die Deutschen wie eine Hypothek durchs Turnier. Endgültig endete der Traum vom Halbfinale mit einer 1:3 Niederlage gegen nicht elf, sondern 10.000 Belgier.
Mit solch einer Kulisse habe man sich schwergetan, so die Co-Kapitänin Linnea Weidemann. Zu groß der Druck für dieses junge Team, das über enorm viel Potential verfügt, es in den entscheidenden Momenten aber nicht abrufen konnte - und so auf Platz 6 landete. "In uns steckt so viel mehr", zeigte sich Linnea Weidemann trotzdem kämpferisch.
Trainerin entlassen, Spielerinnen geschockt
Direkt nach dem letzten Spiel trennte sich der DHB von Schopmann. Schon seit März hätte es Gespräche gegeben, man sei nicht zufrieden gewesen mit der Entwicklung, mit ihrem Führungsstil, so DHB-Sportdirektor Martin Schultze. Der DHB sehe die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Gefahr, man hätte schnell handeln müssen. Ein Zeitpunkt, der beim Team für Verwunderung sorgte, die Spielerinnen seien "geschockt gewesen".
Kurz nachdem die deutschen Hockey-Damen WM-Sechste wurden, entließ der DHB Bundestrainerin Janneke Schopmann. Im ZDF-Interview erklärt Sportdirektor Martin Schultze, warum.
30.08.2026 | 2:07 minEs liegt also einiges im Argen bei den DANAS, der DHB muss nun eine Nachfolge präsentieren und beweisen, dass die Entlassung Schopmans gerechtfertigt war. Dem deutschen Frauenteam wäre zu wünschen, dass es auf die Krise mit Erfolg antworten kann.
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