Selbstbewusst nach Sieg gegen Frankreich:Warum Spanien jetzt niemanden fürchten muss
von Maik Rosner
Nach dem klaren Erfolg gegen Frankreich geht Spanien voller Selbstvertrauen als Favorit ins WM-Finale. Das liegt vor allem an dem ziemlich perfekt austarierten Spielstil.
Spanien - hier Aymeric Laporte - kann sich nach der beeindruckenden Leistung gegen Frankreich aufs WM-Finale freuen.
Quelle: dpaAls Frankreich im Halbfinale der WM 2026 geschlagen war, blickte Luis de la Fuente schon auf das Endspiel am Sonntag - mit reichlich Zuversicht. Obwohl die Einlassungen auch immer dem Zweck dienen, Gegner mit gezielten Botschaften zu beeindrucken - und es die Art des spanischen Nationaltrainers ist, Selbstgewissheit zu demonstrieren -, wirkten diese weder aufgesetzt noch überheblich, sondern schlicht angemessen.
"Wir wollen mehr, wir wollen den Titel", ließ er wissen, betonte aber: "Was kommt, wird umso schwieriger."
Im ersten WM-Halbfinale zeigt sich Spanien gegen Frankreich titelreif. Die Highlights vom 2:0-Sieg.
14.07.2026 | 9:10 minDe la Fuente und der richtige Moment
Zugleich lieferte er unter Verweis auf die kontinuierliche Steigerung seiner Mannschaft im Turnierverlauf weitere Gründe für seinen Optimismus. De la Fuente sagte: "Wir sind in einer großartigen Form", man erreiche im richtigen Moment den Peak.
Weil er zu diesem Zeitpunkt zwar die Glückwünsche von König Felipe schon in Empfang genommen hatte, aber noch nicht wusste, ob der Titelverteidiger Argentinien oder England der Endspiel-Gegner sein wird, gab er Gleichmut zu erkennen. Wer auch immer kommen möge, "wir empfangen sie mit offenen Armen", sagte de la Fuente.
Spanien besser als eine Rest-der-Welt-Auswahl
Mehr Selbstgewissheit geht kaum. Und wer wollte ihm widersprechen, dass seine Mannschaft wohl keinen Gegner fürchten muss?
Spätestens nach den Eindrücken vom Dienstag beim 2:0 gegen chancenlose Franzosen und erst einem Gegentor in sieben Turnierspielen wird es im Finale in New York (21:00 Uhr, ZDF) einen Favoriten geben. Dieser wäre wohl auch dann Spanien, wenn als Gegner ein Allstar-Team aus den besten Spielern aller anderen WM-Mannschaften zusammengestellt werden würde.
Spanien hat Top-Favorit Frankreich im WM-Halbfinale ausgeschaltet. In der Analyse zum Spiel lobt Christian Streich Luis de la Fuente.
14.07.2026 | 18:25 minDie Spanier wirken mit ihrem Ballbesitz- und -eroberungsstil gerade so fein austariert wie ein harmonisch funktionierender Organismus. Alle Offensivbemühungen der Franzosen endeten wie der Flug einer Fliege im Netz der spanischen Spinne. Deren auf defensive Stabilität bedachter Stil ist zwar nicht immer attraktiv, aber kaum zu knacken und sehr effizient.
De la Fuente erfreut sich an der Perfektion
"Diese Mannschaft interpretiert alle Bestandteile des Spiels in Perfektion", lobte de la Fuente. Zudem hob er "Disziplin, Organisation und Engagement" hervor. Auch menschlich sei das eine echte Einheit, es habe "kein einziges Problem" in den rund sieben Wochen des Beisammenseins gegeben. Und auch offensiv waren die Spanier wieder einmal gefährlicher.
All das garantiert selbstredend nicht Spaniens zweiten Gewinn des WM-Titels nach 2010. Zugleich aber spricht einiges dafür, dass der Europameister auch den Goldpokal für die weltbeste Nationalelf gewinnt.
Der eine geht, der andere kann den nächsten großen Triumph schaffen: Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps (links) und sein spanischer Kollege Luis de la Fuente.
Quelle: dpa"Es ist noch ein Schritt im Finale zu gehen, und wir wollen es gewinnen", sagte Angreifer Mikel Oyarzabal und verabschiedete sich mit einem vergnügten "New York, New York". Auch das klang nach Selbstvertrauen und Zuversicht.
Frankreichs hilflose Offensive
Frankreich indes mit dem achtmaligen Torschützen Kylian Mbappé, dem Weltfußballer Ousmane Dembélé und dem filigranen Gestalter Michael Olise musste sich zum dritten Mal hintereinander nach der EM 2024 und der Nations League 2025 in einem Halbfinale den Spaniern beugen.
Buchstäblich chancenlos verabschiedeten sich die zuvor überragenden Franzosen nach ihren zwei WM-Finalteilnahmen vor acht und vier Jahren diesmal ins Spiel um Platz drei. Es wird die letzte Partie von Didier Deschamps als Nationaltrainer nach 14 Jahren im Amt und dem WM-Titel von 2018 sein. Seine Ära endet. Die von de la Fuente steuert auf ihren Höhepunkt zu.
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