Argentinien vor dem WM-Finale:Auf diese Ruhepole kann sich Lionel Messi verlassen
von Frank Hellmann, New York
Alles dreht sich vor dem WM-Finale mal wieder um Lionel Messi. Daher tun ein Ruhepol auf der Trainerbank und einer zwischen den Pfosten den Argentiniern gerade gut.
Pressekonferenz vor dem Finale: Argentiniens Nationaltrainer Lionel Scaloni, eingerahmt von Torhüter Emiliano Martinez (li.) und Lionel Messi.
Quelle: action pressIrgendwann hat Lionel Messi nur noch gelächelt und ins Publikum gewunken. Was sollte er auch machen bei einer ziemlich überdrehten Veranstaltung im "Javits", dem größten Kongresszentrum von New York, direkt an der 11th Avenue in Manhattan.
Dorthin schwebten die Protagonisten vor dem WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien (Sonntag, ab 19:30 Uhr live im ZDF) tatsächlich mit dem Hubschrauber ein. Das FIFA-Event "Fanatics Fest" schien vor allem für Edelfans gedacht, um exklusive Handyfilmchen vom argentinischen Megastar zu machen.
Der 39-Jährige saß entspannt auf einem Hocker, neben ihm stand Novak Djokovic, dann kamen Tom Brady und Kevin Durant als Überraschungsgäste hereinspaziert, die Messi fast übersah, weil er noch mit Nationaltrainer Lionel Scaloni plauderte. Selbst Superstars aus dem Tennissport, American Football und Basketball wirkten am Freitagabend wie Beiwerk für den größten Fußballer aller Zeiten.
Als zwischenzeitlich das Mikrofon versagte, stimmte das Publikum einfach "Messi, Messi"-Rufe an. Eine surreale Inszenierung vor dem Finale, die vor allem eines zeigte: Wie sehr der Weltmeister und die Weltmeisterschaft in der Wahrnehmung auf einen Spieler reduziert werden.
Das Duell zwischen England und Argentinien war schon vor Anpfiff emotional aufgeladen. Die Partie gipfelte in einer verrückten Schlussphase.
15.07.2026 | 9:57 minTorhüter Martinez spielt mit gebrochenem Finger
Später, bei der offiziellen Pressekonferenz der Argentinier im fünften Stock des imposanten Gebäudes am Hudson River, war der Kapitän nicht mehr dabei. Dafür aber Torwart Emiliano Martinez, der vielleicht im New York New Jersey Stadium ähnlich wichtig wie beim WM-Finale 2022 werden könnte und wie bei seiner Monsterparade gegen Randal Kolo Muani vor dem Elfmeterschießen ein Rückhalt sein möchte.
"Ich bin ganz ruhig. Ich fühle mich nicht allein als Torhüter", sagte der 33-Jährige. Die Klasse des Gegners sei unbestritten, aber: "Wir sind Argentinier, wir geben uns nie geschlagen."
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16.07.2026 | 13:19 minInteressant, dass er auf die oft ärmlichen Lebensumstände vieler Nationalspieler aus der Kindheit als Grund dafür verwies, warum dieser unbändige Ehrgeiz in ihnen zu bestaunen ist. Ihm sei es jedenfalls stets eine Freude, "für mein Land zu kämpfen."
Dazu passt, dass der beste Torwart der WM in Katar sich im Europa-League-Finale mit Aston Villa den Ringfinger brach. Jeder Spezialist habe ihm zu einer Operation geraten, aber das gehe nicht, wenn die Titelverteidigung anstehe. Und so schmerze die Hand halt "noch jeden Tag".
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Alle Highlights der WM-Spiele aus der Nacht, Updates zum DFB-Team und die wichtigsten Nachrichten zur Fußball-WM 2026 – kompakt und aktuell. Jetzt abonnieren!Lionel Scaloni verspricht große Show
Als zweiter Ruhepol der "Albiceleste" fungiert Lionel Scaloni, der auch auf dem Medientermin mal wieder grundsätzlich den Ball am Boden hielt. Ihn verbindet eine besondere Beziehung, ja Freundschaft mit dem Kollegen Luis de la Fuente, unter dem er einst seine Trainerausbildung beim spanischen Verband absolvierte. Es stimme, was der 65-jährige Nationalcoach Spaniens zuvor gesagt hatte: dass man "viele Werte" teile.
Ich weiß, wie sein Team spielt. Er weiß, wie mein Team spielt. Wir haben ähnliche Vorstellungen im Spiel mit dem Ball.
Argentiniens Nationalcoach Lionel Scaloni über Spaniens Nationaltrainer
Er konnte sich bisher immer darauf verlassen, dass sich sein Team gerade bei Rückständen mit Haut und Haaren gewehrt hat. Insgesamt gab sich Argentiniens Coach zuversichtlich, dass ungeachtet des gewaltigen Drucks eine "große Show" entstehe. Das wäre genau das, was FIFA-Impresario Gianni Infantino unentwegt für den Schlussakt ja wünscht.
Im Finale der WM 2026 trifft der amtierende Europa- auf den amtierenden Weltmeister. Eine Show dürfte die Halbzeitpause auf bis zu 25 Minuten verlängern, sagt ZDF-Reporterin Amelie Stiefvatter.
17.07.2026 | 3:17 minLobeshymnen für Lionel Messi
"Wir spielen für unser Land, für die Leute, für alle Familien, die unser Nationaltrikot tragen", beschrieb Scaloni pathetisch den himmelblauen Antrieb. Ansonsten kam er ohne Übertreibungen für die mehr als 500 Journalisten aus. Nur bei Messi wollte er noch einmal einen Superlativ bemühen:
Mit 39 Jahren noch ein Finale zu erreichen, ist unglaublich: Wir sollten es genießen und müssen diese Leistung anerkennen.
Lionel Scaloni
Sein Kapitän sei eine Legende - und "der beste Fußballer, den die Welt gesehen hat".
Ein zweiter WM-Titel im dritten Anlauf würde Messi unweigerlich in einen Mythos verwandeln. Lange galt Diego Armando Maradona als der größere Nationalheilige, dem allerdings die Titelverteidigung bekanntlich bei der WM 1990 in Rom gegen Deutschland verwehrt blieb.
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