WM 2026: Das war die Erfolgsformel der Top-Teams

Analyse

Taktiktrends des Turniers:Das war die Erfolgsformel der Topteams bei der WM

von Ullrich Kroemer

|

Nicht immer attraktiv, aber erfolgreich: Taktikexperte Professor Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule Köln analysiert die fußballerischen Entwicklungen dieser WM.

Spaniens Mittelfeldspieler Rodri spielt einen Pass

Spaniens Taktik führte schlussendlich zum WM-Titel.

Quelle: dpa | Martin Rickett

Das XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko ist Geschichte. Spanien ist der verdiente Weltmeister. Professor Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) hat sich den fußballerischen Entwicklungen bezüglich Taktik und Personal gewidmet. Ein Überblick über seine Beobachtungen.

Kein klarer Zusammenhang zwischen Liga-Zugehörigkeit und Turniererfolg

Bei der Analyse von Spielerpersonal und Einsatzzeiten zeigt sich laut Professor Memmert eine deutliche Dominanz der Premier-League-Spieler. Von den insgesamt 833 WM-Akteuren spielt die größte Gruppe in der Premier League (142), vor LaLiga (76), Ligue 1 (71), Bundesliga (68), Serie A (59), Championship (21) und Eredivisie (20).

Erling Haaland

Vom dramatischen US-Spiel über Football in Boston bis zur Ruder-Session in Miami: Wir zeigen die spannendsten Geschichten und Momente der WM in Nordamerika.

16.07.2026 | 13:19 min

Doch rechne man den Anteil der Stammspieler aus den sieben europäischen Topligen gegen die erreichte Turnierrunde, ergebe sich nur ein schwacher statistischer Zusammenhang.

Natürlich erreichen die vier Halbfinalisten überdurchschnittlich hohe Topliga-Quoten, England und Spanien haben mit 17 von 17 beziehungsweise 16 von 16 Stammspielern sogar ein lückenloses Aufgebot, Frankreich kommt auf 13 und 92,9 Prozent, Argentinien auf 75 Prozent aus den Topligen.

Variable Offensiv-Muster

Gegen tiefstehende Gegner reicht Ballbesitz allein nicht mehr aus. Neben flexiblen Tiefenläufen, Seitenwechseln, dem Bespielen von Halbräumen sowie dem Überladen von Räumen, variablen Bewegungen der Außenverteidiger - wie etwa bei Spaniens Marc Cucurella - in zentrale Räume und Standards als Lösungen gegen kompakte Blöcke seien laut dem Experten insbesondere gezielte Halbraumangriffe erfolgreich.

Gut orchestriertes Gegenpressing sei als Vorbereitung des neuen Angriffs eine immer wichtigere Waffe. "Maßgeblich ist hierfür eine gute Struktur, also ein dichtes Netz in der Besetzung der Räume hinter dem Ball, und eine gut organisierte Restverteidigung, in der die gegnerische Mannschaft vorgedeckt werden kann", analysiert der Studiengangsleiter des Masters Spielanalyse an der DSHS.

Spanien - Belgien: Tor
18.07.2026 | 0:31 min

Erfolgreich sei dabei "nicht wildes Hinterherlaufen, sondern kurze kollektive Wege nach Ballverlust. Wichtig ist die Absicherung hinter dem Pressing, um aggressiv nach vorn verteidigen zu können, ohne sofort offen zu sein, wenn das Pressing überspielt wird."

Erfolgsformel: Schnelles Umschalten nach Ballgewinn

Die Weisheit "Defensive gewinnt Turniere" ist keineswegs neu, wohl aber die offensiven Anschlusshandlungen und Optionen. Neben dem "Parken des Busses" (Low-Block) wie bei Paraguay, Japan und Australien könne auch ein kompakter Mid-Block (Marokko) höchst wirksam sein, so der Forscher.

Norwegen - Brasilien: Tor
09.06.2026 | 1:21 min

Systematisches hohes Pressing habe man dagegen seltener gesehen. "Erfolgreich sind Teams, die wie Weltmeister Spanien nicht riskant hoch anlaufen, sondern eher situativ pressen und gegenpressen sowie die Räume eng halten und dann gezielt attackieren", ergab Memmerts Scouting.

Aus organisiertem defensiven Block Bälle gewinnen, erster Pass vorwärts, Tempo in freie Räume.

Prof. Memmert über ein bevorzugtes Schema vieler Teams

Norwegen mit Erling Haaland, Frankreich mit Kylian Mbappé, Brasilien mit Vinícius Junior seien typische Beispiele. Das sei zwar aus Sicht vieler Fußballästhetiker nicht schön anzusehen, aber meist sehr effektiv. Das Umschalten nach Ballgewinn - der exakte Angriff aus Pressing oder Gegenpressing - sei entscheidend für den Ausgang vieler Spiele, nach Datenlage ca. 40 Prozent. Etwa 22 Prozent der Tore wurden nach Standardsituationen erzielt.

Kombination aus Physis und Psyche

Memmert beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Kombination von konditionellen und kognitiven Fähigkeiten in Trainingsprozess und Spiel. "Besonders jene Spieler haben im Verlauf der WM den Unterschied gemacht, die beide Faktoren kombinieren können", betont er.

Jude Bellingham, Haaland und Neil El Aynaoui seien dafür gute Beispiele. Kognitives Athletiktraining könne - auch hierzulande - ein Schlüssel für künftige, nationale Ausbildungsprogramme werden.

Mexiko - England: Tor
18.07.2026 | 1:05 min

Über die Fußball-WM berichtet das ZDF seit dem 01.06.2026 täglich in verschiedenen Sendungen.

Alle Spiele, alle Tore der Fußball-WM 2026

sportstudio Fußball-Dokus

Mehr zur WM

  1. Emiliano Martinez

    Argentiniens Keeper Martinez::Argentiniens Keeper Martinez: "Mit Freude spielen"

    Video0:45

  2. ZDFsportstudio live: FIFA Fußball-WM 2026

    Die Partien auf einen Blick:Spielplan, Ergebnisse und Tabellen


  3. Das BC Place Stadium in Toronto.

    Von Atlanta bis Vancouver:Die Stadien


  4. ZDFsportstudio live: FIFA Fußball-WM 2026