Keine Pressekonferenz:DFB-Kommunikation nach WM-Aus "ein Armutszeugnis"
Anders als die Jahre zuvor hält der DFB keine Pressekonferenz nach dem WM-Aus ab. Was das über die Kommunikation sagt und wie es weitergehen soll. Eine Analyse.
Gescheitert im Elfmeterschießen gegen Paraguay. Schon wieder heißt es früh bei einer WM: Deutschland ist raus und kann die Heimreise antreten. ZDFheute live analysiert.
30.06.2026 | 39:53 minEs passt wohl ins Bild des deutschen Desasters bei der WM 2026. Nach dem blamablen Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay verzichtete der DFB auf eine letzte Pressekonferenz aus dem Quartier in Winston-Salem - anders als bei den ebenfalls peinlichen Turnieren 2018 und 2022.
"Es ist auf jeden Fall schon einmal ungewöhnlich, weil bei alten Turnieren war es immer so, dass am Tag danach Joachim Löw oder auch Hansi Flick (...) aufs Podium gestiegen sind (...) Das findet hier nicht statt, das ist sehr ungewöhnlich", erklärte ZDF-Fußballreporter Boris Büchler, der die Nationalmannschaft schon lange Jahre begleitet, bei "ZDFheute live".
Auf eine abschließende Pressekonferenz mit Bundestrainer Nagelsmann warten die Fans bislang vergebens. ZDF-Reporter Florian Zschiedrich ist vor Ort.
30.06.2026 | 1:07 minBeim DFB braucht man Zeit
Beim DFB brauche man wohl einfach Zeit, um dieses Ergebnis zu verarbeiten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so weitergehen kann, wie es bisher war. In der Konstellation zumindest. Da müssen meines Erachtens auch personelle Konsequenzen gezogen werden. Und weil soviel auf den DFB jetzt zukommt, müssen sie sich erstmal sammeln", so Büchler weiter.
Was für ein Drama zum Auftakt der K.o.-Runde: Die deutsche Elf tut sich gegen den krassen Außenseiter Paraguay unglaublich schwer. Nach 120 Minuten muss die Entscheidung vom Elfmeterpunkt fallen.
30.06.2026 | 15:40 minDennoch wird die Entscheidung, nicht noch ein letztes Mal vor die Presse zu treten, klar kritisiert. Zumal Bundestrainer Julian Nagelsmann am Abend im ZDF-Interview nach dem Spiel noch hatte verlautbaren lassen, dass er keiner sei, der wegläuft.
"Wir können zunächst einmal festhalten, dass er durchaus ein wenig wegläuft, indem er sich um eine richtige Analyse herumdrückt", so Philipp Köster, Chefredakteur der Fußball-Fachzeitschrift "11 Freunde".
Büchler: "Ein Armutszeugnis"
Büchler geht sogar noch einen Schritt weiter: "Meines Erachtens ist es ein Zeichen der Hilflosigkeit (...) Man kann sich immer aufs Podium setzen und sagen: 'Das war schlecht gestern, wir müssen uns erstmal sammeln'. Das ist ein Armutszeugnis, finde ich."
Nach dem WM-Aus schimpft Bundestrainer Nagelsmann über den Schiedsrichter. Einen Rücktritt schließt er aus - er sei "keiner, der wegläuft". Die ZDF-Experten bewerten seinen Auftritt im Interview.
30.06.2026 | 5:45 minÜberhaupt ist die Kommunikation des DFB schon in den Wochen vor Turnierstart ein Thema gewesen. Hat man vor der Heim-EM 2024 noch vieles richtig gemacht, und mit der innovativen Idee, den Kader durch das ganze Land hinweg zu verkünden, Euphorie geschaffen, lief dieses Mal einiges falsch - Stichwort Torhüter-Debatte oder Deniz Undav.
Außendarstellung eines Bundestrainers "stelle ich mir anders vor"
"Man darf nicht vergessen, dass Nagelsmann in einer ganz schwierigen Phase übernommen und nach einigen holprigen Spielen zu Beginn eine gute Linie gefahren hat", gibt Büchler zunächst zu Bedenken. "Aber er hat irgendwann seinen eigenen Weg verloren. Auch die Aussagen bei Lili Engels gestern im ZDF sind nicht geprägt vor Demut und Respekt vor dem Amt."
Ich habe nicht den Eindruck, dass hier ein Bundestrainer agiert, der selbstkritisch ist, sondern in Interviews und auf Pressekonferenzen ein wenig patzig. Die Außendarstellung als Bundestrainer stelle ich mir ein wenig anders vor.
Boris Büchler, ZDF-Fußballreporter
Doch es ist natürlich zu kurz gegriffen, sich ausschließlich an Trainer und mittelmäßiger Kommunikation abzuarbeiten. Am Ende bringen die Spieler die Leistung auf dem Rasen. Auch das kommt in der "ZDFheute live"-Sendung zum WM-Aus hervor.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler über die Zukunft von Bundestrainer Nagelsmann und die Leistung der Mannschaft beim erneut frühen WM-Aus.
30.06.2026 | 5:09 minAuch Nationalspieler in Verantwortung nach WM-Aus
"Die Spieler (...) müssen sich alle an die eigene Nase packen (...), keiner der Leistungsträger ist zur Normalform gekommen", sagt Büchler. Zwar seien Akteure wie Musiala, Wirtz oder Havertz aufgrund von Vorleistungen und Verletzungen nicht vollkommen unbelastet zur WM gefahren, aber:
Wenn ich bei einem Weltturnier auftrete, auf dieser Bühne und bringe diese Leistungen. Das ist fast beschämend, weil zumindest mal die Einstellung stimmen muss, und die hat in vielen Phasen nicht gestimmt und das ist traurig.
Boris Büchler, ZDF-Fußballreporter
Das Aus hat also viele Facetten. Und so fordert "kicker"-Chefreporter Oliver Hartmann einen kompletten Neuanfang: "Beim DFB muss man viele Dinge hinterfragen. Es reicht nicht, jetzt nur den Bundestrainer auszutauschen."
Julian Nagelsmann fährt mit seinem DFB-Team im WM-Sechzehntelfinale gegen die Wand. Ein Rückblick auf den bisherigen Weg des Bundestrainers seit seiner Amtsübernahme.
30.06.2026 | 4:30 minNeben der Tatsache, dass man sich bei mehreren Turnieren blamiert habe, müsse man auch anerkennen, dass man aufgrund fehlender Talente mit Teams wie Spanien oder Frankreich nicht mehr mithalten könne. Es müsse also auch die Nachwuchsausbildung beim DFB analysiert werden.
"kicker"-Chefreporter fordert radikale Verjüngung
In dem Zuge fordert Hartmann: "Ich glaube, dass es jetzt an der Zeit ist, in der Nationalmannschaft eine radikale Verjüngung vorzunehmen mit Blick auf die Europameisterschaft in zwei Jahren."
ZDF-Reporter Florian Zschiedrich glaubt nach dem blamablen WM-Aus des DFB-Teams nicht, dass Julian Nagelsmann Bundestrainer bleiben wird.
30.06.2026 | 3:38 minEs bleibt abzuwarten, welche Wege der DFB nach dem erneuten WM-Desaster geht. Präsident Bernd Neuendorf hat sich inzwischen in einem Statement geäußert, indem er erklärt, dass man sich in den kommenden Tagen zusammensetzen werde, um zu erörtern, wieso man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden sei. Man könne und wolle nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, heißt es weiter.
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