Tag der Zivilcourage:Wie Sie im Notfall helfen, ohne sich selbst zu gefährden
von Sophie Burkhart
Helfen statt wegzuschauen - darum geht es bei Zivilcourage. Wie Sie anderen helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten. Und warum Zivilcourage auch den Helfenden zugutekommt.
Übergriffiges Verhalten in der Straßenbahn ist keine Seltenheit. Doch wie verhält man sich als außenstehende Person? Im Zivilcourage-Kurs werden solche Szenarien nachgestellt und geprobt.
18.09.2026 | 4:06 minZivilcourage ist ein wichtiger Bestandteil für Freiheit und Demokratie in unserer Gesellschaft. Sozialpsychologe Dieter Frey von der Ludwig-Maximilians-Universität München sagt: Wer Zivilcourage zeige, mache die Welt etwas gerechter und leiste einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie.
Unter Zivilcourage versteht er den sogenannten Bürgermut: "Also den Mut einzuschreiten, wenn Menschenwürde im weitesten Sinne verletzt wird." Das Gute: Zivilcourage lasse sich lernen, sagt Frey.
Nach dem Angriff auf einen Zugbegleiter: Wann ist Zivilcourage gefragt - und wo sind ihre Grenzen? Helfen heißt nicht, den Helden zu spielen, sondern Verantwortung mit Augenmaß zu übernehmen.
09.02.2026 | 3:10 minZivilcourage lernen und im Notfall sicher helfen
In München leitet Martin Marino spezielle Kurse, in denen couragierter Umgang in Bus und Bahn geübt wird. Auch, um Fälle mit tödlichem Ausgang wie den von Dominik Brunner zu verhindern. 2009 wurde der 50-Jährige in München bei einer Schlägerei schwer verletzt. Er wollte Jugendliche beschützen, die von anderen Jugendlichen bedroht wurden und bezahlte mit seinem Leben.
Marino will verhindern, dass Leute wegschauen, aus Angst, ihnen könnte Ähnliches zustoßen. In seinem Kurs lernen die Teilnehmenden, wie sie Zivilcourage zeigen können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter hat die Bahn neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Alle Beschäftigen mit Kundenkontakt sollen Zugang zu Bodycams erhalten.
14.02.2026 | 1:53 minTipps für Hilfe im Notfall
In praktischen Rollenspielen vermittelt Polizist Jens Habben Strategien. Er beobachtet, dass nur die wenigsten im Notfall helfen. Um einen solchen zu registrieren, empfiehlt er, auch mal das Handy wegzulegen und sich mit der Umgebung zu beschäftigen.
Habbens wichtigster Tipp: Hilfe gezielt bei anderen suchen.
Wenn ich sage: 'Du da vorne, im blauen Hemd, bitte hilf mir', dann weiß er, er ist angesprochen.
Jens Habben, Polizist
Habben rät außerdem, sich in heiklen Situationen nicht in Gefahr zu bringen, sondern wegzugehen und die kostenfreien Notrufnummern 110 oder 112 zu wählen.
Schüler Konstantin findet die 54-Jährige schwer verletzt im Wald. Sie hat sich beim Spazierengehen beide Beine gebrochen. Der 10-Jährige hilft der Frau bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.
29.01.2026 | 1:59 minWer im Bus oder in der Bahn angepöbelt werde, solle eher den Sitzplatz aufgeben und weggehen, so Habben. Das sei meist einfacher und sicherer, als die Konfrontation zu suchen.
Viele gingen eher auf die Täter los, dabei sollte man sich besser um das Opfer kümmern. Wichtig sei auch, sich Tätermerkmale einzuprägen: Wie sah der Täter aus? Welche Kleidung trug er? Wohin ist er gegangen? So könnten Täter eher zur Verantwortung gezogen werden.
Notruf und Notfallsäulen richtig nutzen
Das Gefühl von Unsicherheit im ÖPNV kennen viele. Es entstehe auch, weil viele Menschen aufeinandertreffen und ihr Verhalten nicht immer gut einzuschätzen ist, sagt Rainer Cohrs von der Münchner Verkehrsgesellschaft. Und nicht jeder wisse, wie er reagieren soll, wenn es brenzlig wird.
In München beispielsweise gibt es an jedem Bahnsteig in der U-Bahn Notfallsäulen mit Notruf, Nothalt und meist auch einem Defibrillator. Die Hilfeleistungen sind allerdings bundesweit nicht einheitlich geregelt, sondern Sache der Verkehrsunternehmen.
Wie ein externer Defibrillator (AED) funktioniert und wie man ihn bedient.
28.04.2023 | 2:22 minViele trauten sich auch nicht, die Säulen zu benutzen, wenn es drängt, sagt Cohrs. "Da ist eine Hemmschwelle, die ist einfach da." Dabei werde bei einem Notruf erst einmal nur eine Sprechverbindung aufgebaut, damit sich jemand in der Leitstelle ein Bild machen kann, was passiert ist. "Es ist eigentlich eine Hilfe für einen selber", sagt Cohrs. Und es gilt: "Lieber einmal mehr helfen als einmal zu wenig."
Warum Zivilcourage auch gut für Helfende ist
Zivilcourage zu zeigen, sei nicht immer einfach, weiß Sozialpsychologe Dieter Frey. Wer eingreift, gehe unter Umständen ein Risiko ein, wenn die Situation gefährlich werde. Hinzu komme die Sorge, bei anderen auf Ablehnung zu stoßen oder als jemand wahrgenommen zu werden, der sich ungefragt einmischt.
Es lohne sich trotzdem, denn Zivilcourage habe neben der Hilfe für die Betroffenen auch einen positiven Effekt auf den Helfenden selbst. Es werden körpereigene Endorphine produziert und man erlebt sich als selbstwirksam. "Auch wenn nicht alles sofort positiv laufe, sind die Leute befriedigt, dass sie überhaupt reagiert haben", sagt Frey. Beim nächsten Mal laufe es dann noch besser.
Sophie Burkhart ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Bayern.
Auszeichnung für Zivilcourage: Ein Unbekannter attackierte eine Frau brutal und versuchte sie zu vergewaltigen. Drei Freunde gingen dazwischen, nun werden sie mit dem XY-Preis geehrt.
17.11.2025 | 3:01 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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