Wintersport und Sicherheit:Lawinen-Wissen für Skifahrer: So verhalten Sie sich richtig
von Jenna Busanny
Immer öfter fahren Skifahrer abseits der Pisten - und unterschätzen die Lawinengefahr. Wie Lawinen entstehen, welche Bedeutung die Warnstufen haben und was im Ernstfall zu tun ist.
Abseits gesicherter Pisten lockt das Abenteuer - doch es steigt auch die Lawinengefahr. Wie man Risiken richtig einschätzt und sich und andere beim Skifahren schützt.
Quelle: dpaDas Skifahren abseits gesicherter Pisten ist kein neues Phänomen. "Das ist so alt wie das Skifahren selbst", sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV). Was sich jedoch verändert hat: Immer mehr Menschen zieht es ins freie Gelände - und nicht alle sind sich des Risikos bewusst, dass Lawinen dort zu den größten Gefahren gehören.
Warum rutschen immer wieder Schneemassen von den Bergen? Wie Lawinen entstehen und was Skifahrer beachten sollten.
18.01.2026 | 1:20 minWie Lawinen entstehen
Lawinen entstehen nicht zufällig. Entscheidend sind Schneedeckenaufbau, Wind, Temperatur, Exposition und Gelände. Frisch gefallener Pulverschnee bis 30 Zentimeter ohne Wind gilt als vergleichsweise sicher. Kritisch wird es, wenn Wind den Schnee verfrachtet. Dann entsteht sogenannter Triebschnee - eine feste und gebundene Schneeschicht, die oft schlecht mit der darunterliegenden Altschneedecke verbunden ist. Berg- und Skiführer Winter kennt die Gefahr dieser Struktur.
Man kann sich das wie eine Luftmatratze auf einem Hang aus Sand vorstellen.
Stefan Winter, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Deutscher Alpenverein
Wird das Ganze durch einen Skifahrer belastet, kann sich ein Schneebrett lösen. Ist außerdem der Hang steil genug, droht das Abrutschen.
Neben Triebschnee gibt es weitere typische Ursachen für Lawinen: Neuschneeprobleme bei großen Schneemengen, Altschneeprobleme mit tief liegenden Schwachschichten sowie Nassschneeprobleme im Frühjahr, wenn Schmelzwasser die Schneedecke destabilisiert.
Der Klimawandel hat Folgen für Permafrost und Gletscher. Fels und Gestein kommen in Bewegung, die Gefahr von Bergstürzen steigt.
23.05.2025 | 0:39 minLawinenlagebericht als wichtigste Grundlage
Die zentrale Informationsquelle für Wintersportler ist der Lawinenlagebericht. Er wird täglich von staatlichen Lawinenwarndiensten erstellt und basiert auf Messdaten, Wetteranalysen und Geländebeobachtungen. Der Bericht beantwortet drei Kernfragen:
- Wie groß ist die Gefahr?
- Wo ist es gefährlich?
- Welches Lawinenproblem liegt vor?
Europaweit gilt eine fünfstufige Skala von "gering" bis "sehr groß". Wichtig: Die Gefahr steigt nicht linear, sondern exponentiell. Besonders kritisch ist Stufe 3, "erheblich", weil sie noch in der Mitte liegt und oft unterschätzt wird. In der Lawinengefahrenstufe 3 passierten die meisten Unfälle, so Winter.
Die europäische Lawinengefahrenskala unterscheidet fünf Gefahrenstufen. Bei Stufe 3 ist das Risiko besonders hoch.
22.01.2026 | 0:40 minTritt der Notfall ein und eine Lawine wird ausgelöst, sind die Überlebenschancen meist gering. Stefan Winter vom DAV rät: Wenn möglich, seitlich aus der Lawine wegfahren. Wird man erfasst, sollte man versuchen, mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu bleiben. Kommt die Lawine zum Stillstand, ist es wichtig, mit den Armen eine Atemhöhle vor Mund und Nase zu schaffen. Schon nach etwa 15 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit.
Lawinenlagebericht verstehen: So bekommen Einsteiger Hilfe
Den Lawinenlagebericht mit seinen Fachausdrücken sofort zu verstehen, ist für Ungeübte und Laien schwierig. Hilfreich können digitale Angebote sein: Plattformen wie skitourenguru.com oder alpenvereinaktiv.com bereiten Informationen über Lawinenlage, Geländeform und Routen verständlich auf und unterstützen Skifahrende bei der Tourenplanung.
Auch bei niedriger Warnstufe besteht ein Lawinen-Risiko, erklärt Bergführer Stefan Winter bei ZDFheute live. Bergsteiger müssten deshalb ihre Umgebung beobachten, um Gefahren zu erkennen.
02.11.2025 | 8:39 minBerg- und Skiführer Winter nennt zusätzlich fünf Faustregeln:
- Amtliche Warnungen ernst nehmen
- Lokale Sperrungen beachten
- Spuren anderer im Gelände sind keine Sicherheitsgarantie.
- Lawinennotfallausrüstung einpacken und im Zweifel nur mit einem Guide ins Gelände gehen
- Ab Stufe 3 besonders die Hangsteilheit beachten, flach unterwegs sein
Bei einer Hangneigung von mehr als 30 Grad kann unter bestimmten Bedingungen eine Lawine abgehen. Woran sich solche steilen Hänge erkennen lassen, erklärt Bergführer Stefan Winter anschaulich: Kann man mit den Skiern nicht mehr gerade bergauf gehen, sondern muss auf Kehren oder Kurven ausweichen, bewegt man sich in der Regel bereits im kritischen Bereich.
Notwendige Ausrüstung und Training für Skifahren abseits der Pisten
Wer im freien Gelände unterwegs ist, sollte eine vollständige Lawinen-Notfallausrüstung dabeihaben: Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel. Durch das LVS-Gerät kann eine verschüttete Person geortet, mit der Sonde ihre genaue Position im Schnee festgestellt und mit der Schaufel anschließend freigelegt werden. Doch das Mitführen allein reiche nicht, betont Winter.
Idealerweise treffen gute Ausrüstung, Wissen und eine gesunde Portion Demut zusammen.
Stefan Winter, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer
Der Umgang mit der Notfallausrüstung müsse geübt werden, so Winter weiter. Dazu empfiehlt er Lawinenkurse. In vielen Skigebieten gebe es dafür eine große Auswahl - vom dreistündigen Einführungskurs bis zu ganzen Wochenenden. Trotz moderner Technik bleibt für Winter ein Punkt zentral: "Respekt vor dem Berg."
Hunde sind Meister im Schnüffeln. Sie können Dinge riechen, die wir Menschen nicht einmal ahnen. Mit dieser Superkraft finden sie verlorene Gegenstände oder sogar Menschen.
25.08.2024 | 1:52 minSie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
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