Nach Urteil gegen Doctolib:Doctolib und Co.: Warum Patientenportale kritisiert werden
von Sandra Lindenberger und Nicole Wehr
Das Portal Doctolib macht gesetzlich Versicherten die Terminsuche schwer, kritisiert die Verbraucherzentrale. Das Landgericht Berlin gibt ihr recht. Welche Alternativen gibt es?
Das Landgericht Berlin bewertet die Terminfilter von Doctolib als irreführend, da trotz der Einstellung, nur Termine für gesetzlich Versicherte anzuzeigen, auch Selbstzahlertermine aufgeführt werden.
22.01.2026 | 0:46 minOhne Termin kein Arztbesuch - doch den zu bekommen, gleicht manchmal einem Spießrutenlauf. Einer aktuellen GKV-Versichertenbefragung zufolge halten inzwischen 51 Prozent der Befragten die Terminvergabe über das Internet für "sehr wichtig" oder "wichtig".
Irreführende Terminanzeigen
Die Terminbuchung geschieht in vielen Fällen auf Patientenportalen wie Doctolib oder Jameda. Doch diese beiden meistgenutzten Plattformen weisen bei der Terminbuchung gravierende Mängel auf, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Mitunter werden Termine als verfügbar angezeigt, die im weiteren Verlauf mit dem persönlichen Anliegen doch nicht buchbar sind.
Lucas Auer, Referent Digitalisierung im Gesundheitswesen, vzbv
Oder es würden keine Neupatientinnen und Neupatienten mehr aufgenommen, erklärt Lucas Auer vom vzbv weiter.
Gesetzlich Krankenversicherte müssen offenbar immer länger auf einen Termin beim Facharzt warten. Laut einer Befragung von Versicherten betrug die Wartezeit 2024 im Schnitt 42 Tage.
04.02.2026 | 0:20 minTerminfilter in der Kritik
Bei Doctolib etwa tauchen trotz der Filtereinstellung "Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen" in den Suchergebissen auch Arzttermine für Selbstzahler auf - eine irreführende Praxis, urteilte nun auch das Landgericht Berlin und gab damit der vzbv-Klage gegen das Buchungsportal statt.
Erst nach Auswahl eines Termins werden Kassenpatienten in einem Pop-up-Fenster über die anfallenden Kosten informiert. Dieser Warnhinweis vor der Terminbuchung kommt nach Auffassung der Richter zu spät.
Das Urteil vom 18. November 2025 ist noch nicht rechtskräftig - Doctolib hat Berufung eingelegt. Zur Begründung hieß es seitens Doctolib: "Unsere Suchfunktion bildet das gesetzlich verankerte Wahlrecht der Patient:innen zutreffend ab und kann unserer Meinung nach nicht als irreführend eingestuft werden - dies alleine aufgrund der eindeutigen und mehrfach vorhandenen Hinweise. Auch gesetzlich Versicherte haben in Deutschland das Recht, sich auf Selbstzahlerbasis behandeln zu lassen."
Patientenbeauftragter Stefan Schwartze hat mehr Schutz für gesetzlich Versicherte bei ärztlichen Selbstzahler-Leistungen gefordert. Die IGeL-Leistungen seien medizinisch oft fragwürdig.
29.12.2025 | 0:30 minTerminbuchung mit Hindernissen
"Mehr als vier von zehn Nutzerinnen und Nutzer sind nach unserer repräsentativen Befragung bei der Terminbuchung auf Probleme gestoßen", erklärt Lucas Auer.
Jameda habe beispielsweise zum Zeitpunkt der Untersuchung mitunter mehr als 70 verschiedene Terminarten angeboten. Bei Doctolib sei es wegen unzulänglicher Filtereinstellungen wiederum nicht machbar gewesen, gezielt nach Terminarten in einer Facharztgruppe zu suchen, ergänzt Auer.
Zwar habe der vzbv gegen Jameda keine Klage angestrengt, doch grundsätzlich gelte: "Viele der Probleme, auf die wir im Zuge unserer Untersuchung aus dem April 2025 gestoßen sind, galten für beide Portale gleichermaßen", sagt Auer.
In dem Marktcheck zur Nutzerfreundlichkeit von Online-Arztterminportalen wurden aus der Sicht von gesetzlich versicherten Neupatienten und -patientinnen in drei Szenarien Facharzttermine in Berlin und Hamburg gesucht und der Buchungsprozess systematisch dokumentiert.
Darüber hinaus wurden in einer repräsentativen Befragung 1.000 Internetnutzer befragt, 382 davon hatten in den vergangenen zwölf Monaten einen Arzttermin über ein Patientenportal gebucht.
Die Gesundheitsversorgung soll in Zukunft von Hausärzten koordiniert werden. Medizinjournalist Dr. Christoph Specht klärt über das Primärarztsystem auf.
09.04.2025 | 4:59 minKonto-Zwang versus Datenschutz
Dass Patientinnen und Patienten für die Nutzung eines Portals in der Regel ein Konto anlegen müssen und nicht als Gast einen Termin buchen können, findet Verbraucherschützer Lucas Auer außerdem bedenklich:
Der Besuchsgrund und die besuchte Einrichtung können unter Umständen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand zulassen.
Lucas Auer, Verbraucherzentrale Bundesverband
Das seien Daten, die nicht in falsche Hände geraten dürften, ergänzt Auer. Manche Menschen möchten dem Experten zufolge wegen dieses Risikos kein Profil anlegen. Viele Patientenportale seien in der Vergangenheit bereits mit Datenschutzverstößen auffällig geworden.
Auch die GKV-Befragung zeigt: Viele Versicherte haben Sorge, dass ihre persönlichen Daten zweckentfremdet verwendet werden könnten - und dass vor allem kommerzielle Anbieter Privatversicherte bei der Terminvergabe bevorzugen. Daher würden 57 Prozent der Befragten eine Online-Terminvermittlung durch nicht-kommerzielle Anbieter bevorzugen.
Um die Krankenkassen zu entlasten, fordert Kassenärzte-Chef Gassen eine „Kontaktgebühr“ beim Arztbesuch. So könnten bei jedem Arztbesuch drei oder vier Euro als Gebühr vom Patienten erhoben werden.
29.12.2025 | 2:42 minUm Services und Produkte wie den KI-Telefonassistenten weiterzuentwickeln und deren Leistungsfähigkeit zu steigern, trainiert Doctolib seit Anfang 2025 die künstliche Intelligenz mit anonymisierten Daten seiner Nutzer.
Hierbei geht es sowohl um Daten (einschließlich Gesundheitsdaten), die Patienten selbst eingeben, als auch solche, die von Arztpraxen eingespeist werden. Dieser Datennutzung müssen Patientinnen und Patienten mit einem Doctolib-Konto explizit zustimmen, sie werden nicht ohne Einwilligung verwendet.
Die Genehmigung kann im Bereich "Meine Präferenzen" unter "Serviceverbesserungen" widerrufen werden.
Wie digital sollte die Terminvergabe sein?
Ein weiteres Problem sieht der vzbv in der abnehmenden Bereitstellung alternativer Möglichkeiten zur Buchung von Arztterminen und kritisiert Praxen, die die Terminvergabe ausschließlich online anbieten. Der vzbv fordert daher unter anderem den Ausbau der Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen.
Eine Strukturreform soll die Wartezeit bei der Terminvergabe bei Fachärzten verkürzen, hofft Gesundheitsministerin Warken. Künftig sollen Kassenpatienten in vielen Fällen zuerst zum Hausarzt.
27.01.2026 | 0:35 minWas tun bei dringlichen Anliegen?
Bei akuten Gesundheitsproblemen ist der Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung unter der bundesweiten Rufnummer 116117 rund um die Uhr erreichbar.
Wer dringend einen Termin beim Facharzt benötigt, kann auch seinen Hausarzt um Hilfe bitten – mitunter kann dieser schneller einen Termin organisieren.
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Dieser Artikel wurde erstmals am 16. Juni 2025 veröffentlicht und am 10. Februar 2026 aktualisiert.
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