Gemeinsame Verteidigungspolitik:Befeuert Trump die deutsch-französische Freundschaft?
von Susanne Freitag-Carteron
Trump brüskiert Nato-Verbündete, verunsichert Europa. Forderungen, dass sich Europa von den USA emanzipieren muss, werden lauter. Schweißt das Berlin und Paris zusammen?
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutieren Staatschefs über Ungleichheit, globale Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen. Auch Donald Trump nimmt mit großer US-Delegation teil.
21.01.2026 | 2:47 min200 Prozent Strafzölle auf Champagner und Wein - die Drohung Trumps beherrschte erst einmal die französischen Schlagzeilen. "Inakzeptabel" sei das, reagierte Macron beim Weltwirtschaftsforum. Praktischerweise sind Staatsspitzen und Weltmedien gerade alle in Davos versammelt - es gibt stündlich neue Schlagzeilen.
Mitten im Davos-Trubel liegt der 22. Januar, Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags. Welche Bedeutung hat das deutsch-französische Tandem heute noch? Ist es in der Lage, Europa gegenüber den USA zu emanzipieren?
Trump erhöht Druck auf Europa - Bedeutung des Elysée-Vertrags wächst
Schaut man kurz weg von Davos - in den deutsch-französischen Mikrokosmen beider Länder wird die Freundschaft begeistert gefeiert. Hunderte Veranstaltungen, Debatten, Lesenächte, Partys.
In Saarbrücken zum Beispiel diskutiert der Staatsminister für Europa, Gunther Krichbaum (CDU) mit Diplomaten über Sicherheitspolitik. Die aktuelle Brisanz des Themas war bei der langfristigen Planung kaum absehbar. Krichbaum spricht von einem Tabubruch in der Grönland-Frage, betont aber auch die Spannungen im deutsch-französischen Verhältnis.
US-Präsident Trump hat Zölle gegen EU-Staaten angekündigt. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann spricht in Davos mit Bundesbankpräsident Joachim Nagel über mögliche Reaktionen auf diese Drohung.
21.01.2026 | 4:01 minGemeinsame Sicherheitspolitik - Anspruch und Realität
Beim jüngsten deutsch-französischen Ministerrat 2025 in Toulon wurde ein gemeinsamer Sicherheits- und Verteidigungsrat beschlossen, doch der sei derzeit eher theoretisch, so Krichbaum.
Die Interessen beider Staaten kollidieren insbesondere bei der Rüstung, einer boomenden, hart umkämpften Branche. Das zeigt sich beispielsweise bei der Entwicklung des gemeinsamen Luftwaffen-Projekts FCAS (Future Combat Air System) einem geplanten Verbund aus neuen Kampfjets und Drohnen.
Der französische Konzern Dassault beansprucht die Führungsrolle beim Bau. Airbus, als deutsch-französisches Unternehmen, fordert Gleichberechtigung. FCAS droht zu scheitern. "Wir brauchen hier einen Kompromiss", so Krichbaum:
Durch den Alleingang von Dassault ist dieses wichtige Projekt ins Wanken geraten.
Gunther Krichbaum (CDU), Staatsminister für Europa
Trump habe bei einer Pressekonferenz "etwas Zuversicht verbreitet, als er meinte, er werde schon mit den Europäern eine Lösung finden“, so ZDF-Korrespondentin Heike Slansky aus Washington.
21.01.2026 | 3:18 minEuropäische Verteidigung: Unterschiedliche Kulturen
Die deutsch-französische Politikwissenschaftlerin Claire Demesmay erklärt es so: "Deutschland und Frankreich ticken im Bereich der Sicherheitspolitik anders", sagt sie, "sie haben unterschiedliche strategische Kulturen. Frankreich will eine europäische Verteidigung, die von den USA und den transatlantischen Beziehungen unabhängiger ist."
In Deutschland will man immer den Schutz durch die Nato. Auch die USA spielen in der deutschen Vorstellung eine viel größere Rolle.
Claire Demesmay, Politikwissenschaftlerin
Uneinigkeit auch bei Mercosur
Doch nicht nur in der Verteidigungspolitik, auch beim Handelsabkommen Mercosur gehen die Positionen auseinander. Macron verweigerte als einer der wenigen EU-Staatschefs die Zustimmung. Einerseits wegen seiner innenpolitisch schwierigen Lage, aber nicht nur.
Frankreich verfolge traditionell ein "Schutzeuropa" und fürchte Risiken für die eigene Wirtschaft, erklärt Demesmay, Deutschland dagegen profitiere stärker vom Export und stehe Freihandel offener gegenüber.
Im Grönland-Konflikt "wird es eine Eskalation geben müssen“, Europa müsse nun gemeinsam reagieren, sagt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
21.01.2026 | 6:18 minAm "Feiertag" der bilateralen Beziehungen steht das deutsch-französische Tandem im Spannungsfeld der Davos-Debatten. Immerhin: Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron haben einen guten Draht zueinander. Sie sprechen eine gemeinsame Sprache.
Demesmay: Paris und Berlin müssen Kompromisse finden
"Das ändert aber nichts daran, dass die Kulturen in diesen wichtigen Fragen trotzdem unterschiedlich sind", sagt Demesmay. "Es braucht Kompromisse. Das ist der Klassiker der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Von Unterschieden zu einer gemeinsamen Position. Das kostet Zeit, das kostet Zugeständnisse und das funktioniert nicht automatisch."
Susanne Freitag-Carteron leitet das ZDF-Studio in Saarbrücken.
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