Spionageverdacht:Phishing-Kampagne über Signal: Bundesanwaltschaft ermittelt
Im Zusammenhang mit der Phishing-Kampagne über den Messenger Signal ermittelt die Bundesanwaltschaft - wegen Spionageverdachts. Die Regierung ruft alle Nutzer zur Vorsicht auf.
Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste warnen seit Monaten vor Phishing über Signal. (Symbolbild)
Quelle: ImagoWegen der Angriffswelle auf Nutzer des Messengerdienstes Signal aus Politik, Behörden und Medien ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Es gehe um den Anfangsverdacht der Spionage, sagte eine Sprecherin der Behörde. Demnach wurden die Ermittlungen schon im Februar eingeleitet, als deutsche Sicherheitsbehörden erstmals öffentlich vor den Angriffen gewarnt hatten.
In den vergangenen Tagen waren im Deutschen Bundestag mehrere Fälle von Abgeordneten bestätigt worden, deren Signal-Konten kompromittiert sind. Sie wurden dabei Opfer geschickter Betrugsversuche, bei denen den Betroffenen vorgespiegelt wird, sie würden vom Signal-Support kontaktiert.
Ist die Masche erfolgreich, haben die Angreifer Zugriff auf die Signal-Chats und Gruppen sowie dort geteilte Fotos und Dateien. Sie können sich bei Signal auch als die Person ausgeben, deren Konto gehackt wurde.
Der Messenger Signal gilt eigentlich als sicher und wird deshalb im Politikbetrieb genutzt. Hacker sollen nun über Signal deutsche Politiker ausspioniert haben, darunter angeblich Julia Klöckner.
23.04.2026 | 0:54 minSignal-Angriff: Auch Linken-Fraktion meldet Fälle
Nach der SPD-Fraktion bestätigte am Freitag auch die Linke im Bundestag mehrere Fälle. Es seien "einige wenige" Abgeordnete von dem Signal-Hack betroffen, erklärte Parlamentsgeschäftsführerin Ina Latendorf der Nachrichtenagentur AFP.
Grüne und AfD haben nach eigenen Angaben bisher keine Kenntnis von solchen Fällen. Die Unionsfraktion wollte sich nicht äußern, nachdem der "Spiegel" am Mittwoch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) als Betroffene genannt hatte. Inwieweit auch bereits der Regierungsapparat betroffen sein könnte, blieb offen.
Bei der Cybersicherheit in Deutschland gibt es trotz einiger Fortschritte immer noch erhebliche Schwachstellen, so das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
11.11.2025 | 2:35 minCDU-Politiker macht Russland verantwortlich
Neben hochrangigen Politikern, Wirtschaftsleuten und bekannten Journalisten sind nach "Spiegel"-Informationen auch Militärs der Nato betroffen. Bereits Ende 2025 seien Signal-Konten auf ihren privaten Telefonen kurzzeitig von den Angreifern übernommen worden, berichtete das Magazin am Freitag aus Militärkreisen. Bundeswehr-Angehörige seien aber nicht darunter.
Der CDU-Politiker Marc Henrichmann, der Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) im Bundestag zur Kontrolle der Nachrichtendienste ist, erklärte:
Der jüngste Phishingversuch aus Russland gegen deutsche Politiker und Journalisten ist ein Weckruf für uns alle.
Marc Henrichmann (CDU)
"Was dieser Angriff aber schonungslos verdeutlicht, ist, dass wir alle, ob in öffentlichen Ämtern oder im privaten Umfeld, wachsam bleiben müssen", so Henrichmann.
Fast jede zweite E-Mail weltweit im Jahr 2025 war Spam - enthielt also unerwünschte Werbung oder Bedrohungen wie Phishing. Das zeigt ein Bericht des IT-Sicherheitsspezialisten Kaspersky.
11.02.2026 | 0:27 minVon Notz rechnet mit steigender Dunkelziffer
Der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Konstantin von Notz (Grüne), sieht die Datensicherheit im Parlamentsbetrieb in Gefahr.
Ob die Integrität der Kommunikation der Abgeordneten derzeit noch gewährleistet ist, kann einem derzeit niemand mit Gewissheit sagen.
Konstantin von Notz (Grüne)
Die bisher bekannt gewordene Dimension des Signal-Hacks sei "durchaus sehr besorgniserregend". Von Notz erwartete im Bundestag weitere Fälle: Es müsse davon ausgegangen werden, "dass die Dunkelziffer an Betroffenen in den kommenden Tagen weiter steigen wird", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Sicherheitsbehörden aus Deutschland, Kanada und den USA hatten im März zwei der größten Bot-Netzwerke der Welt zerschlagen.
20.03.2026 | 0:16 minBundestagspräsidium schließt Signal-Verbot aus
Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) schloss aber ein Verbot des Messengerdienstes im Bundestag aus. Alle Abgeordneten seien letztlich frei "und jeder kann prinzipiell machen, was er will", sagte sie dem Nachrichtenportal Politico. Geprüft werde aber, ob es zumindest Einschränkungen für die Nutzung der Desktop-Version von Signal auf Bundestagsrechnern gebe.
Für uns stellt sich eben jetzt auch die Frage, ob wir Signal auch von den Rechnern, auf denen es drauf ist, eben runternehmen, auch diese Entscheidung muss fallen.
Andrea Lindholz (CSU), Bundestagsvizepräsidentin
Die Deutschen nutzen laut einer Analyse des Hasso-Plattner-Instituts weiterhin einfachste Passwörter. Insbesondere simple Zahlenfolgen sind beliebt - und besonders unsicher.
26.01.2026 | 0:30 minBundesregierung ruft zur Vorsicht auf
Anders als etwa der niederländische Geheimdienst oder die US-Bundespolizei FBI macht der deutsche Verfassungsschutz Russland bisher nicht für die Angriffswelle öffentlich verantwortlich.
Die Bundesregierung rief alle Nutzer zur Vorsicht auf. Jeder müsse "in seiner persönlichen Kommunikation größte Sensibilität" walten lassen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille.
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