Wie weit darf Überwachung durch den Staat gehen?

ICE und Überwachungssoftware Palantir:Wie weit darf Überwachung durch den Staat gehen?

von Bernd Bachran

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Bei "Lanz" warnt Investigativreporter Florian Flade vor dem "gläsernen Bürger". Politologin Cathryn Clüver Ashbrook warnt vor der Nutzung von KI bei Verbrechensbekämpfung.

Cathryn Clüver Ashbrook und Florian Flade zu Gast bei "Markus Lanz"

Politologin Cathryn Clüver Ashbrook und Investigativreporter Florian Flade sprechen bei "Markus Lanz" über das Software-System Palantir.

Quelle: Markus Hertrich

Am vergangenen Samstag erschossen Bundesbeamte der US-Einwanderungsbehörde ICE während Protesten in Minneapolis den 37-jährigen Alex Pretti. Nun berichtete der US-Sender CNN, dass Pretti bereits etwa eine Woche vor dem tödlichen Vorfall bei einer Auseinandersetzung mit ICE-Agenten verletzt worden sei, wobei ihm mutmaßlich eine Rippe gebrochen wurde.

Warum Alex Pretti den Behörden schon vor dem Einsatz, bei dem er ums Leben kam, bekannt war, erklärte die deutsch-amerikanische Politologin Cathryn Clüver Ashbrook bei "Markus Lanz". Es liege daran, dass die ICE-Beamten das Software-System Palantir benutzen. "Diese Software ist einerseits dafür da gewesen, vermeintlich Illegale zu erfassen und zu lokalisieren."

Aber was jetzt passiert ist, dass über die Handykameras der ICE- Beamten Menschen, die protestieren, die ihre legalen Bürgerrechte wahren, abgefilmt werden (und diese Daten) gespeichert werden.

Cathryn Clüver Ashbrook, Politologin

A man stops to look at the memorial for Alex Pretti on the fence line outside the VA Medical Center on January 28, 2026 in Minneapolis, Minnesota

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ICE filmt Protestierende, Daten werden verknüpft

Viele ICE-Beamte nutzen zusätzlich Kameras oder "smarte" Brillen, um Demonstrierende zu filmen. Die Aufnahmen lassen sich später mit anderen Datensätzen verknüpfen und über Analyseplattformen - etwa von Firmen wie Palantir - auswerten.

Laut Florian Flade, Investigativreporter der Recherchekooperation NDR/WDR/SZ, werden große Datenbanken - etwa Finanz-, Steuer-, Gesundheits-, Sozialversicherungs- und Führerscheindaten - zusammengeführt. So werden aus vielen ursprünglich getrennten Datenquellen detaillierte Profile zu Einzelpersonen. Welche Folgen das hat, erläuterte er in der Sendung "Markus Lanz".

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"ICE hat zunehmend die Möglichkeit, durch Firmen wie Palantir, diese Daten miteinander zu kombinieren und dadurch (…) Menschen zu lokalisieren (…), die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, in bestimmten Gegenden, bei bestimmten Firmen, an Arbeitsplätzen auf Menschen zu treffen, die sich illegal in den USA aufhalten. Und das können sie mittlerweile nahezu in Echtzeit."

US-Einwanderungsbehörde ICE kauft immer mehr Daten

Florian Flade sprach auch davon, dass die US-Einwanderungsbehörde ICE immer mehr Daten einkauft. "Sie kaufen zum Beispiel Werbedaten. Das klingt total harmlos, aber in Wahrheit ist das das, was das Telefon den ganzen Tag über macht. Das hinterlässt Spuren. Tracking überall. Bei allem, was wir so tun mit einem Smartphone."

Hier soll ein gläserner Bürger entstehen, der verfolgt werden kann.

Florian Flade, Investigativreporter

Der Investigativreporter wies bei "Lanz" darauf hin, dass Palantir auch in Deutschland bereits genutzt werde. So gebe es mehrere Bundesländer, in denen die Polizei die Software einsetzen dürfe. Sie werde unter anderem in Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg genutzt.

Die deutschen Behörden begründen den Einsatz von Palantir, damit, "dass es Kriminalitätsbekämpfung effektiver macht, dass man Menschen schneller findet, Mittäter findet, zum Beispiel bei sexueller Gewalt gegen Kinder (…), dass man schneller auf andere Personen stößt und das stimmt auch zum Teil."

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Daten-Nutzung vs. Freiheitsverlust

Auch Cathryn Clüver Ashbrook erkannte den Nutzen gebündelter Daten für die Verbrechensbekämpfung, warnte aber eindringlich vor den Risiken, wenn etwa Zielvorgaben gemacht werden, wie viele potenzielle Straftäter in einem bestimmten Zeitraum zu fassen sind.

Dann fängt das System nämlich an zurückzuschlagen. Und da sind sie dann wirklich bei Beschneidungen von Freiheiten. Das kann auch deutlich nach hinten losgehen.

Cathryn Clüver Ashbrook, Politologin

So sei es auch bei ICE, wo den Beamten ebenfalls Zahlen vorgegeben würden, wonach Millionen Illegaler innerhalb eines bestimmten Zeitraums deportiert werden sollten.

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"Die (ICE-Beamten) haben diese Zwangsauflagen, sind sehr schlecht und sehr schnell ausgebildet, haben aber wiederum diese Tools. (…) Die Systeme haben gelernt, die Menschen aber nicht. Und diese Verknüpfung macht diese Situation sehr brenzlich."

Über das Thema berichtete die Sendung Markus Lanz am 29.01.2026 um 00:30 Uhr.

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