Hohe Spritpreise: Klingbeil wirbt für Übergewinnsteuer

Vorstoß auf EU-Ebene:Hohe Spritpreise: Klingbeil wirbt für Übergewinnsteuer

|

Finanzminister Lars Klingbeil drängt angesichts der hohen Spritpreise auf eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. Zusammen mit fünf europäischen Kollegen machte er sich dafür stark.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am 17.08.2026 spricht während des Branchendialogs Ost in Berlin.

Finanzminister Lars Klingbeil drängt auf eine Übergewinnsteuer.(Archivbild)

Quelle: Imago

Angesichts hoher Spritpreise an den Tankstellen unternimmt Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit fünf europäischen Kollegen einen neuen Vorstoß für eine Übergewinnsteuer. In einem Brief, der unter anderem der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, machen sie sich stark für eine solche Abgabe auf EU-Ebene, die Mineralölfirmen auf kräftig gestiegene Profite wegen des Iran-Kriegs zahlen sollen. In dem Brief an den Finanzminister Irlands - das Land hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne - heißt es:

Wir erleben einen der größten Versorgungsschocks seit Jahrzehnten und überall auf der Welt wächst der Unmut über den Anstieg der Lebenshaltungskosten.

Aus dem Brief der europäischen Finanzminister

Eine Frauenhand greift nach einer Zapfpistole mit der Aufschrift "Super" an der Tankstelle

Die Spritpreise liegen wieder über der Zwei-Euro-Marke - ausgerechnet zur Reisezeit. Was hinter dem Anstieg steckt und welche Faktoren die Preise nach oben treiben.

01.08.2026 | 0:34 min

Bisher ergriffene staatlichen Maßnahmen hätten nicht gereicht, um die Preise für Unternehmen und Bürger dauerhaft zu senken oder zu stabilisieren, schreiben die Finanzminister aus Portugal, Spanien, Österreich, Italien, Polen und Deutschland.

Deshalb brauchen wir ein gemeinsames Vorgehen, das sicherstellt, dass diejenigen, die von der Krise profitieren, ihren Teil dazu beitragen, die Belastung für die breite Bevölkerung zu verringern.

Aus dem Brief der europäischen Finanzminister

Energiekonzerne verdienen an den hohen Ölpreisen kräftig mit. Die Rufe nach einer Übergewinnsteuer werden immer lauter.

Die Energiekonzerne profitieren massiv von den hohen Ölpreisen. Die Rufe nach einer Übergewinnsteuer werden wieder lauter. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett berichtet.

30.07.2026 | 0:59 min

Klingbeil und Ministerkollegen fordern Steuer-Rahmenwerk

"Wir müssen das Thema hohe Energiepreise angehen, indem wir ein EU-weites Rahmenwerk diskutieren, um Übergewinne zu besteuern", fordern die Minister in dem Schreiben, über das zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Ferner müssten die Ergebnisse der europäischen Untersuchung zu Raffinerie-Margen so bald wie möglich vorliegen, um sicherzustellen, dass Raffinerien die aktuelle Energiesituation nicht ausnutzen.

Der Brief soll laut "Spiegel" auf Betreiben von Klingbeil zustande gekommen sein. Das Thema Übergewinnsteuer, so die Forderung, solle beim Treffen der EU-Wirtschafts- und Finanzminister Mitte September in Dublin auf die Tagesordnung kommen.

Spritpreise haben wieder angezogen

Mit den hohen Spritpreisen infolge des Iran-Kriegs wurden Rufe nach neuen staatlichen Eingriffen lauter. Die Bundesregierung hatte sich im Frühjahr zunächst auf eine härtere Überwachung von Mineralölkonzernen durch das Bundeskartellamt geeinigt. Dazu kam die 12-Uhr-Regelung, wonach Tankstellen nur einmal am Tag um 12 Uhr mittags die Preise erhöhen dürfen. Außerdem gab es zwei Monate lang einen Tankrabatt. Diese befristete Steuersenkung auf Sprit lief Ende Juni aus. Seitdem haben die Preise an den Zapfsäulen wieder deutlich angezogen, was die Debatte um staatliche Eingriffe befeuert.

Unterdessen haben Ölkonzerne wie Shell, BP und Totalenergies stark gestiegene Gewinne verkündet. Da der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus seit Kriegsbeginn Ende Februar stark eingeschränkt ist, sind die Preise für Alternativen zu Rohöl aus dem Persischen Golf hochgeschossen.

71. Bundestagssitzung

Übergewinnsteuer und Tankrabatt lehnt Reiche ab. Sie will weniger Windenergie und Photovoltaik-Anlagen, dafür aber neue Gaskraftwerke bauen. In der Koalition führt dieser Kurs zu Unmut.

26.04.2026 | 4:10 min

SPD für Übergewinnsteuer - Reiche dagegen

Die Bundesregierung ist in der Frage einer Übergewinnsteuer gespalten. Die SPD fordert sie schon lange, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt sie ab.

Der energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Lenz, zeigte sich im "Deutschlandfunk" skeptisch. "Wir werden das Problem insgesamt nicht mit einer sogenannten Übergewinnsteuer lösen", sagte der CSU-Politiker. "Und alles, was Markteingriff bedeutet, bedeutet eben auch entsprechend, dass die Kosten woanders aufschlagen." Der Finanzminister könne aber gern zur EU-Kommission gehen und dieses Mittel nochmals prüfen lassen.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, unter anderem am 01.08.2026 in ZDFheute Xpress um 05:55 Uhr.

Mehr zum Thema Übergewinnsteuer

  1. Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.

    Hohe Spritpreise in Deutschland:Gewinne der Ölkonzerne: Was die Prüfung schwierig macht

    von Helge Hoffmeister
    mit Video1:40

  2. Heidi Reichinnek

    Forderung an Bundesregierung:Reichinnek: "Brauchen sofort eine Übergewinnsteuer"

    mit Video4:34

  3. Spritpreise
    Exklusiv

    Analyse zu Übergewinnsteuer:So viel Profit machen Ölkonzerne durch den Iran-Krieg

    von Julia Klaus, Salim Sadat, Christian Salewski
    mit Video8:38

  4. SPD-Chef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei einem Statement im Deutschen Bundestag am 27.03.2026.