Klimakrise: Umweltgerechtigkeit ist auch eine soziale Frage

Soziale Ungerechtigkeit und Klimawandel:Umweltgerechtigkeit - auch eine soziale Frage

von Arta Ramadani

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Soziale Ungleichheit beeinflusst sowohl die Ursachen als auch die Auswirkungen der Klimakrise. Ärmere Bevölkerungsgruppen sind den Risiken des Klimawandels stärker ausgesetzt.

Eine Frau auf dem Feld mit einer Gemüsekiste in der Hand.

Weltweit laufen tausende Klimaklagen: Dahinter stehen Menschen, Gemeinden und Initiativen, die mehr Klimaschutz oder Schadenersatz einfordern. Ein Blick auf ihre Motive und ihren Weg.

09.06.2026 | 4:00 min

So verursachen Menschen mit hohen Einkommen durch ihren Konsum - wie etwa häufigere Reisen - deutlich mehr Treibhausgasemissionen als einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen. Und Studien zeigen, dass Menschen mit geringem Einkommen dagegen häufiger in dicht bebauten Wohngebieten leben, die stärker von Luftverschmutzung, Verkehrslärm und Hitzebelastung betroffen sind.

Zudem haben sie oft einen schlechteren Zugang zu Grünflächen, die insbesondere während Hitzewellen für Abkühlung sorgen, so Umweltethikerin Dr. Megan Arndt von der Uni Heidelberg.

Die Studienlage ist insbesondere gut für größere Städte. Sie zeigt, dass Menschen, die sozial benachteiligt sind, den Umweltbelastungen stärker ausgesetzt sind.

Dr. Megan Arndt, Universität Heidelberg

"Das bezieht sich vor allem auf Lärm, auf die Luftqualität, sowie den Zugang zu Grünflächen bzw. die Zeit, die benötigt wird, um eine Grünfläche zu erreichen", erläutert Arndt.

Florian Weiss im Gespräch mit Samuel Kirsch aus der ZDF‑Redaktion Recht und Justiz.

Klimaklagen nehmen weltweit zu. Was sie leisten können, wo ihre Grenzen liegen und wer überhaupt vor Gericht ziehen darf, ordnet Samuel Kirsch aus der ZDF‑Redaktion Recht und Justiz ein.

09.06.2026 | 7:43 min

Wohlstand: Mehr Schutz vor Naturkatastrophen

Mit dem fortschreitenden Klimawandel nehmen Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen Stürme und Hitzewellen zu - vor allem in Städten an Küsten und großen Flüssen steigen die Risiken.

Ein Teil der California State Route 138 wird außerhalb von Wrightwood, Kalifornien, von den Fluten weggespült

Weltweit dominierten Hitzewellen, Waldbrände, Überschwemmungen und Stürme das Wetter. Insgesamt registrierten Wissenschaftler 157 Extremwetter-Ereignisse – verantwortlich meist: der Klimawandel.

30.12.2025 | 1:23 min

Während wohlhabende Menschen sich besser vor Naturkatastrophen schützen können, weil sie über finanzielle Mittel verfügen, fehlen ärmeren Bevölkerungsgruppen oft diese Möglichkeiten, sagt Arndt. "Natürlich unterscheiden Hitze, Waldbrände oder Bergrutsche nicht nach der sozialen Stellung der Menschen. Davon sind gegebenenfalls alle betroffen."

Aber es gibt eben doch Unterschiede darin, wer solchen Einwirkungen wie stark ausgesetzt ist, und wer über welche Ressourcen verfügt, um damit umzugehen.

Dr. Megan Arndt, Universität Heidelberg

Tausende Todesfälle durch Hitze

Wie gut Menschen mit Klimafolgen umgehen können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Alter, Vorerkrankungen, Schwangerschaft, Behinderungen, die Wohnsituation sowie soziale Netzwerke spielen dabei eine wichtige Rolle. Besonders deutlich wird dies beim Thema Hitze, dass bereits heute eines der größten klimabedingten Gesundheitsrisiken in Europa ist.

Hitzetage in Deutschland nehmen zu

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Deutschland erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Durchschnittstemperatur hierzulande um rund 2,5 Grad Celsius erhöht, das geht aus Daten des Umweltbundesamtes hervor.

Mit der steigenden Temperatur nehmen auch Häufigkeit und Intensität vieler Extremwetterereignisse zu. Hitzewellen führen bereits heute zu Tausenden Todesfällen pro Jahr in Deutschland.

Tote durch Extremwetter von 1995 bis 2024

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Hitze - Symbolbild

Der Klimawandel kostet immer mehr Menschen das Leben. Fast überall in Europa gab es von 2015 bis 2024 mehr Hitzetote als 1991 bis 2000. Besonders stark betroffen ist unter anderem Griechenland.

22.04.2026 | 0:40 min

Klimarisiken sozial ungleich verteilt

Vor diesem Hintergrund rückt das Konzept der sogenannten sozialen Vulnerabilität in den Fokus. Es richtet den Blick auf die besonderen Risiken und Bedarfe von ökonomisch und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Für eine ganzheitliche Risikoanalyse reicht es nicht aus, nur Naturgefahren zu betrachten. Wichtig sind auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Dazu gehören die Verteilung von Einkommen und Vermögen, der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Bildung, Infrastruktur sowie die Möglichkeit, an politischen Entscheidungen mitzuwirken.

Von der Flut betroffene Menschen waten in Pakistan durch Wasser, um sich in Sicherheit zu bringen.

Wetterextreme wie Hitzewellen, Stürme, Starkregen und Überflutungen treffen vor allem Entwicklungsstaaten. Das zeigt der Klimarisiko-Index der Organisation "Germanwatch“.

12.11.2025 | 1:30 min

Diese umfassen beispielsweise die Verteilung von sozialen und ökonomischen Ressourcen sowie den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, fair bezahlter Arbeit, Gesundheitsvorsorge, Infrastrukturen oder zu Entscheidungsprozessen.

Einige Berufsgruppen sind Klimarisiken stärker ausgesetzt

Arndt knüpft daran an und verweist auf Berufsgruppen, die den Folgen des Klimawandels besonders stark ausgesetzt sind:

Grundsätzlich betrifft das Menschen, die im Freien arbeiten. Einsatzkräfte, die nach Naturkatastrophen unterwegs sind, Menschen, die zum Beispiel Häuser renovieren und dann bestimmten Schadstoffen in der Luft besonders ausgesetzt sind.

Dr. Megan Arndt, Universität Heidelberg

"Man kann natürlich auch an Gesundheitsberufe denken, wenn gesundheitliche Folgen aufgrund des Klimawandels nochmal verstärkt auftreten, dass dann auch natürlich Stress in bestimmten Berufsgruppen steigt", führt Arndt weiter aus.

Weltweite Erwärmung lag 2024 bei 1,6 Grad

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Klimagerechtigkeit - eine Aufgabe der Gesellschaft

Klimagerechtigkeit und Klimaanpassung sind deshalb als gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe zu betrachten. Für Arndt reicht es nicht aus, ausschließlich auf individuelles Verhalten und persönlichen Verzicht zu setzen.

Es geht eben aber auch über den eigenen Bereich hinaus. Man kann sich an politischen Prozessen beteiligen, Umweltbildung fördern und öffentliche Räume aktiv mitgestalten.

Dr. Megan Arndt, Universität Heidelberg

Mitgestaltung, gesellschaftliche Teilhabe und politische Beteiligung sind wichtige Voraussetzungen für mehr Umwelt und Klimagerechtigkeit. Denn nachhaltiges Handeln bedeutet nicht nur, den eigenen Alltag umweltfreundlicher zu gestalten. Es bedeutet auch, Verantwortung für die gesellschaftliche Bedingung zu übernehmen, unter denen Menschen leben und leben möchten.

Nachrichten | Wissen
:Wie der Klimawandel die Erde verändert

Die Temperaturen steigen weltweit, im Norden deutlich stärker als im Süden. Erfahren Sie am interaktiven Globus, wie die Erderwärmung die Kontinente trifft.
Globus als Vorschaubild für die 3D-Story "Wie der Klimawandel die Erde verändert"

ZDFheute-KlimaRadar
:Daten zum Klimawandel im Überblick

Der Klimawandel schreitet voran - abgeschwächt wird er, wenn wir weniger CO2 und andere Treibhausgase ausstoßen. Wichtige Daten zum Klimawandel im Überblick:
von Moritz Zajonz
Fünf Icons mit Fabrikschlot, Blitz, Thermometer vor Deutschland und Weltkarte, und einem Haus über Wellen. Im Hintergrund ein Braunkohlekraftwerk.
Grafiken
Über das Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 09.06.2026 ab 09:05 Uhr.

Mehr zum Klimwandel und dessen Folgen

  1. Eine überschwemmte Bank in Trier am 13.02.2026.

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  2. Mann läuft durch Trümmer nach Hurrikan in Santo Domingo, Dominikanischen Republik 2024

    Billionen Dollar an Schäden:Klimarisiko-Index: 830.000 Todesopfer durch Wetterextreme

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  3. Thermometer zeigt hohe Temperaturen an. (Symbolfoto)

  4. Symbolbild: Stadtfoto in Frankfurt mit Blick auf die Skyline durch die Straßen eines Finanzviertels.

    Untersuchung von Allianz Trade:Studie: Hitze zunehmendes Problem für Wirtschaft

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