Treffen der EU-Verteidigungsminister:Kallas: Keine klare Mehrheit für neuen EU-Notfallmechanismus
Bekommt die EU einen neuen Notfallmechanismus, vergleichbar mit Nato-Artikel 4? Unter den EU-Verteidigungsministern gibt es dafür offenbar keine klare Mehrheit - aber viele Fragen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat vor weiteren hybriden Angriffen aus Russland gewarnt. Geheimdienstinformationen zeigten, dass Russland weitere Sabotageakte plane.
28.09.2026 | 0:19 minDer von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagene Notfallmechanismus für Sicherheitskrisen unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Angriffs stößt im Kreis der Mitgliedstaaten auf ein geteiltes Echo. Bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel hätten sich einige Mitgliedstaaten für einen Mechanismus unterhalb des Nato- oder EU-Bündnisfalls ausgesprochen, erklärte die Außenbeauftragte Kaja Kallas auf einer Pressekonferenz.
Viele hätten aber auch gesagt, dass sie zunächst wissen müssten, was genau vorgesehen sei, um beurteilen zu können, ob sie ihn unterstützten oder nicht.
Zudem hätten viele Teilnehmer des Treffens betont, dass ein möglicher neuer Mechanismus keine Doppelstrukturen zu denen der Nato schaffen dürfe, sagte Kallas. Auch habe es Mitgliedstaaten gegeben, die sich gar nicht geäußert hätten. Ob es eine Mehrheit für den Vorstoß der Kommissionspräsidentin gebe, könne sie deswegen nicht sagen.
Vorschlag für "Notfall-Sicherheitsprotokoll" der EU
Von der Leyen hatte Mitte des Monats in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der Europäischen Union gesagt, die EU brauche einen Mechanismus analog zum Artikel 4 des Nato-Vertrags, und hatte dafür ein "Notfall-Sicherheitsprotokoll" vorgeschlagen. Dieses soll demnach vorsehen, dass alle Mitgliedstaaten zusammenkommen, wenn ein Mitgliedstaat ihn auslöst.
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte Mitte September ihre Rede zur Lage der Union gehalten. Von Verteidigung über Klima bis KI versuchte sie, neue Impulse zu setzen.
16.09.2026 | 3:22 minGemeinsam soll dann eine europäische Antwort koordiniert werden, um gegen eine weitere Eskalation abzuschrecken und die Auswirkungen abzumildern. Der von der Kommissionspräsidentin als Vorbild für einen EU-Mechanismus erwähnte Artikel 4 sieht Beratungen vor, wenn sich ein Nato-Staat in seiner Sicherheit bedroht sieht. Konkret heißt es darin:
Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.
Nato-Artikel 4
Kallas: Beratungen werden fortgesetzt
Kallas sagte nun, die Diskussion beim Verteidigungsministertreffen sei die erste grundlegende Diskussion zum Thema gewesen. Schlussfolgerung sei, dass man die Beratungen mit den Mitgliedstaaten auf verschiedenen Ebenen fortsetzen werde.
Der neue Mechanismus würde Kallas zufolge den bereits bestehenden Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags ergänzen. In diesem heißt es:
Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung (...).
Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags
Europäische Geheimdienste warnen vor hybriden Drohnenangriffen im Luftraum, besonders in Ost- und Südeuropa. Die Nato bleibt zwar wichtig, doch Europa will nun eigene Abwehrstrategien entwickeln.
28.09.2026 | 2:43 minAnwendung bei hybriden Angriffen denkbar
Das Verfahren könnte damit etwa bei den sogenannten hybriden Angriffen Russlands Anwendung finden. Darunter fallen Sabotageakte, Cyberattacken oder Desinformationskampagnen, die unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs bleiben.
Zu den Teilnehmern des EU-Treffens, die sich klar für einen EU-Artikel-4-Mechanismus aussprachen, gehörte Verteidigungsstaatssekretär Pawel Zalewski aus Polen. Der deutsche Verteidigungsstaatssekretär Sebastian Hartmann äußerte sich nicht öffentlich zum Thema.
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