Kanzler greift AfD frontal an:Jetzt schlägt Merz zurück - und wie
von Dominik Rzepka
Im Bundestag greift Kanzler Merz die AfD massiv an. Er kritisiert Begriffe wie Remigration und das Verhältnis der Partei zu Russland. Merz hat die Samthandschuhe ausgezogen.
Bundeskanzler Merz kritisiert die AfD und bezeichnet sie als “destruktive Kraft” für Deutschland.
09.09.2026 | 28:35 minEs ist ein Frontalangriff auf die AfD. Ihr Konzept der Remigration sei "nichts anderes als eine ethnische Säuberung nach Herkunft und Hautfarbe", sagt Friedrich Merz.
Das sitzt.
Im Bundestag wird es laut. In der AfD-Fraktion gibt es heftigen Widerstand. Doch Merz macht weiter, spricht den AfD-Chef direkt an. "Herr Chrupalla, Sie kommen selbst aus dem Handwerk." Jeder sechste Beschäftigte im Handwerk habe einen Migrationshintergrund. Wenn komme, was die AfD wolle, könne das Handwerk nicht mehr arbeiten.
Die Generaldebatte hätte unter dem Eindruck der Wahl in Sachsen-Anhalt gestanden, so ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Maurer. AfD-Chefin Weidel und Kanzler Merz hätten sich ein Rededuell geliefert.
09.09.2026 | 10:48 minKlöckner droht AfD-Abgeordneten mit Rauswurf
Es ist nur einer von vielen heftigen Angriffen des Kanzlers auf die Partei, die seine CDU in Sachsen-Anhalt so desaströs geschlagen hat. Merz wirft der AfD vor, sie wolle gar keinen Dialog.
Zuhören ist nicht Ihre Stärke. Sie wollen unser Land destabilisieren.
Friedrich Merz, CDU
In der AfD gibt es jetzt lautstarke Zwischenrufe. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner unterbricht den Kanzler. In Richtung AfD sagt sie:
Wenn das jetzt hier noch mal passiert, so ein Verhalten, schmeiß’ ich Sie hier raus, mir reicht es jetzt hier.
Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin
Die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen Dröge wirft AfD-Chefin Weidel eine von "Wut und Hass erfüllte" Rede bei der Generaldebatte zum Bundeshaushalt 2027 vor.
09.09.2026 | 0:33 minMerz: Mehr Emotionen gegen die AfD
Es ist der Moment, in dem die Debatte droht, aus dem Ruder zu laufen. Und es zeigt, wie Merz auf die Niederlage in Sachsen-Anhalt reagiert. Mehr Emotionen hatte er versprochen. Heute liefert er sie.
Immer wieder greift Merz die AfD frontal an. Gleich zu Beginn seiner Rede hält Merz AfD-Chefin Alice Weidel vor, sie habe eines ihrer Wahlziele in Sachsen-Anhalt verfehlt. Die absolute Mehrheit der Mandate habe die AfD nicht erreicht.
Nirgendwo in Deutschland werde die Partei eine Mehrheit bekommen. Die AfD sei eine destruktive Kraft, so Merz.
Laut ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann ist der Umgang der Regierung mit dem Wahlergebnis ungewiss. Bundeskanzler Merz und die SPD hätten “sehr unterschiedliche Vorstellungen“.
09.09.2026 | 0:59 minAngriff beim Thema Russland
Merz versucht, die AfD jetzt inhaltlich zu stellen. Kritisiert, dass Weidel schweige zum Anschlag auf den Flughafen Leipzig. Monatelang sei er in Russland geplant worden. "Dazu kein Wort. Da lachen Sie. Das zeigt, wie Sie denken und wo Sie stehen."
Auch zu den Desinformationskampagnen aus Russland schweige die AfD. Mehr noch. Sie unterstütze sie. "Sie sind Teil dieses Problems, das wir in Deutschland haben", sagt Merz. Die AfD verachte die demokratischen Institutionen.
Merz zieht hier und heute die Samthandschuhe endgültig aus. Sein Konzept: offene Konfrontation. Kampflos will er offenbar nicht das Feld räumen. Weidel hatte Merz zuvor ebenfalls massiv angegriffen. Schwarz-Rot sei vorbei, so Weidel.
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sagt AfD-Chefin Weidel Schwarz-Rot sei am Ende. Ein Wechsel in der Bundespolitik zu Gunsten der AfD sei der Wille des Volks und werde kommen, so Weidel.
09.09.2026 | 22:57 minDer Kanzler in Verteidigungshaltung
Dabei ist Merz angeschlagen, steht auch intern in der Kritik. Stellenweise lässt Merz Selbstkritik erahnen. Sagt, dass die Wähler in Sachsen-Anhalt auch ihm eine Botschaft gesendet hätten.
Und er verteidigt sein Vorgehen bei den Waldbränden im Westen Deutschlands. Er sei dafür kritisiert worden, die Brandherde nicht besucht zu haben. Er sei aber gebeten worden, die Löscharbeiten nicht zu behindern.
Merz ist jetzt sehr in Verteidigungshaltung. Dieser Kanzler hat offene Flanken. Und sie werden hier heute sichtbar. Allen Gegenangriffen zum Trotz.
Jeder sechste Handwerker hat Migrationshintergrund, sagt Kanzler Merz. Mit der "Remigration" wolle die AfD eine ethnische Säuberung umsetzen, und Unternehmen damit schaden.
09.09.2026 | 0:33 minBefreiungsschlag - für den Moment
Neue Erzählungen wollte er liefern. Themen setzen gegen die AfD. An einer Stelle spricht er Künstliche Intelligenz an und markiert damit die aus seiner Sicht inhaltlichen Leerstellen der AfD. Wenn er derartige Themen anspricht, soll deutlich werden, dass die AfD zu diesem Thema keine Antworten hat.
Merz endet seine Rede mit einem Blick in die Zukunft. Und mit Zuversicht. "Wir werden die Zukunft unseres Landes in die Hand nehmen", sagt er. "Dahin richtet sich unser gemeinsamer Blick."
Dafür bekommt Merz Applaus. Unklar, wie lange die Kritik an ihm auch aus den eigenen Reihen verstummt. Für den Moment aber wirkt es wie ein Befreiungsschlag.
Dominik Rzepka ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
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