Worum es der "Gen Z" heute bei den Kundgebungen geht

Sicherheitsfrage dominiert Protest-Thema:Worum es der "Gen Z" heute bei den Kundgebungen geht

von Markus Aust

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In über 30 Städten will die Gen Z heute auf die Straße gehen. Seit Tagen dreht sich die Debatte um die Frage, ob die Jugend-Proteste eskalieren - und kaum um deren Forderungen.

Vorbereitung auf deutschlandweite Proteste

In ganz Deutschland sind für den 31.10 große „Gen Z“-Demonstrationen mit zehntausenden Teilnehmern angekündigt. Die Sicherheitsbehörden beobachten die angekündigten Proteste aufmerksam.

30.10.2026 | 2:04 min

Es waren genau zwei knappe Sätze, die sich der Regierungssprecher entlocken ließ. Darauf angesprochen, wie die Bundesregierung die für heute angekündigten Proteste inhaltlich bewertet, heißt es in der Bundespressekonferenz am Mittwoch:

Ich tue mich ehrlicherweise noch etwas schwer, inhaltliche Forderungen zu sehen.

Sebastian Hille, stellvertretender Regierungssprecher

Die Proteste beurteilen wollte der Sprecher nicht. Empathie klingt anders. Dabei will die Gen Z wohl vor allem eins: endlich gesehen werden.

zajak

Am Samstag sind in 32 Städten Demonstrationen der Gen Z geplant. „Jugendproteste in Deutschland waren in der Vergangenheit immer sehr friedlich“, so Protestforscherin Prof. Sabrina Zajak.

30.10.2026 | 5:25 min

Für soziale Gerechtigkeit, gegen Wehrpflicht

Das, wofür die Gen Z an diesem Samstag bundesweit demonstriert, ist seit Tagen recht unmissverständlich nachzulesen. Im Positionspapier "Gen Z regelt" heißt es:

Wir fordern eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben investiert - statt bei der jungen Generation zu sparen. Wir wollen mitbestimmen, wenn über unsere Zukunft entschieden wird.

Positionspapier "Gen Z regelt"

Bedeutet konkret: mehr Investitionen in Bildung und Klimaschutz, Armutsbekämpfung durch Umverteilung, ein Nein zu Wehrpflicht und Überwachung.

19.10.2026, Bayern, München: Schülerinnen und Schüler des Lycee Francais de Munich protestieren vor dem französischen Generalkonsulat solidarisch mit der französischen Schülerbewegung.

Grünen-Chef Banaszak warnt vor einer voreiligen Kriminalisierung deutscher Gen-Z-Demonstrationen. Man müsse die Gründe für die Proteste ernstnehmen.

25.10.2026 | 5:57 min

So erklärt ein Soziologe den Protest

Protest, so beschreibt es Soziologe Nils Kumkat von der Uni Bremen, erfülle die Funktion, Unmut "sichtbar zu machen". Wenn es Protest gibt, bedeutet das also, dass Probleme bisher nicht hinreichend wahrgenommen würden.

Wir wissen, dass gerade in Deutschland die Chancen für junge Menschen sehr ungleich verteilt sind.

Nils Kumkar, Universität Bremen

Zudem würden Themen wie Klimawandel, Kriegsgefahr und Wirtschaftskrisen den politischen Diskurs bestimmen. "Und die beunruhigen wenig überraschend diejenigen mehr, die noch länger in dieser Welt leben müssen", so Kumkar.

Comedian Christoph Sieber und Protestforscher Florian Staudt bei "Volle Kanne"

An den aktuellen Protesten in Europa nehmen viele junge Menschen teil. Welche Themen bewegen die deutsche Jugend? Protestforscher Florian Staudt und Kabarettist Christoph Sieber im Gespräch.

27.10.2026 | 6:38 min

Grüne und Linke demonstrieren mit – Union warnt vor „Kaperungen“

So sieht es auch die Opposition. "Das Aufstiegsversprechen durch Bildung ist mittlerweile gebrochen", kritisiert Grünen-Chefin Franziska Brantner.

Deswegen kann ich sehr gut nachvollziehen, warum viele junge Menschen europaweit, aber auch bei uns, sagen: Ich nehme das jetzt selbst in die Hand.

Franziska Brantner, Grüne

Die Jugendorganisationen von Grünen und Linken wollen heute in "vielen Städten dabei sein".

Ganz anders blickt die Union auf die Kundgebungen. Zwar räumt Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) in einem Zeitungsinterview ein, dass die "Sorgen dieser Generation berechtigt sind", fährt aber fort und kündigt "alle Härte des Rechtsstaates" gegen "diesen gewaltbereiten Mob" an.

Ähnlich äußerten sich in den vergangenen Tagen zahlreiche seiner Parteifreunde, warnten unter anderem vor "Kaperungen" und Zuständen wie in Frankreich - obwohl die Sicherheitsbehörden mitteilen, dass ihnen keine Anzeichen von geplanten gewalttätigen Ausschreitungen vorliegen.

Alexander Dobrindt

Bundesinnenminister Dobrindt mahnt zu Wachsamkeit, wie sich extremistische Kräfte im Rahmen der angekündigten Proteste am 31.10. einbringen.

21.10.2026 | 0:44 min

Protestforscherin bemängelt Diskursverschiebung

Dass die Protestform in den Mittelpunkt rückt und nicht die Forderungen, sehen Protestforscher kritisch. Darin bestehe eine "inhärente Gefahr", sagt Nina-Kathrin Wienkoop.

Denn die ursprünglichen Forderungen, die nicht gehört werden, die bleiben.

Nina-Kathrin Wienkoop, Institut für Protest- und Bewegungsforschung

Für "Gen Z regelt" soll der heutige Tag erst der Anfang sein. "Dauerhafte Probleme brauchen mehr als einen Protesttag. Wir machen auch danach weiter", heißt es auf ihrer Website. Womöglich so lange, bis sie das Gefühl haben, auch von der Bundesregierung gesehen zu werden.

Markus Aust berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 30.10.2026 ab 14:00 Uhr.

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