Gen-Z-Proteste: "Das Gefühl, dass man auf die Jugend scheißt"

Deutschlandweite Gen-Z-Proteste geplant:"Wir haben das Gefühl, dass man auf die Jugend scheißt"

von Fabia Luli

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Auch in Deutschland sind Gen-Z-Proteste geplant: Tausende junge Menschen wollen am 31. Oktober auf die Straße gehen - andere sind skeptisch. Ein Blick nach München und Frankfurt.

Gen Z im Krisenmodus

Die Proteste in Frankreich wurden auch in Deutschland verfolgt. Marode Schulen, Wohnungsnot, Kriegsangst sind Themen, die die deutsche Jugend umtreiben. Was macht die Dauerkrise mit der Gen Z?

24.10.2026 | 6:03 min

Anfangs waren es Schüler und Studenten, die in Frankreich für bessere Bildung auf die Straße gegangen sind. Immer mehr Menschen schlossen sich an - und teils kam es zu Eskalationen. Inzwischen häufen sich die Berichte über gewaltsame Ausschreitungen in verschiedenen europäischen Ländern.

Beobachtet hat diese Entwicklung auch der 18-jährige Steven Sedehi, der dieses Jahr sein Abitur gemacht hat. Er hat in der vergangenen Woche eine Demonstration in München organisiert. Gemeinsam mit anderen jungen Menschen von der "Bayerische Schüler*innen Bewegung" habe er so vor allem seine Solidarität mit den französischen Schülern zeigen wollen.

Es ist ganz wichtig, dass man nicht von der eigentlichen Sache abkommt, nur weil es da einige Leute gibt, die diese Proteste für ihre eigenen Zwecke ausnutzen.

Steven Sedehi

Steven findet es falsch, dass die Kundgebungen derart eskaliert sind.

Ein Demonstrant zerschlägt während einer Demonstration für Kaufkraft, den Erhalt öffentlicher Dienstleistungen sowie steuerliche und soziale Gerechtigkeit am 24. Oktober 2026 in Straßburg im Osten Frankreichs die Scheibe einer Bushaltestelle. Die Demonstration fand im Rahmen eines landesweiten Mobilisierungsaufrufs statt, an dem ehemalige Mitglieder der „Gelbwesten“-Bewegung, Gewerkschaften sowie Schüler und Studenten teilnahmen. Proteste von Schülern gegen die Lernbedingungen lösten eine Bewegung aus, die sich seitdem landesweit ausgebreitet hat und durch die allgemeine Wut über die steigenden Lebenshaltungskosten angeheizt wird. Am 24. Oktober 2026 werden etwa 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein, erklärte der Innenminister auf einer Pressekonferenz und warnte davor, dass in den sozialen Medien Aufrufe zu Gewalt und Plünderungen kursierten.

In Frankreich haben erneut Hunderttausende für mehr Geld an Schulen protestiert. Mit Anbruch der Dunkelheit schlugen die Proteste vielerorts in Gewalt um.

24.10.2026 | 2:43 min

Was die Generation Z in Deutschland zu Protesten in Frankreich sagt

Wir haben junge Menschen in Frankfurt am Main nach ihrer Meinung gefragt. Sie bewerten die Proteste in Frankreich unterschiedlich.

Giacomo Hupka

Giacomo Hupka (l.).

Quelle: ZDF

"Ich finde es gut, dass man protestieren geht. Auch, weil es ein wichtiges Thema ist", meint Giacomo Hupka (18). Er hat aber genauso von Gewalt und Plünderungen gehört: "Also da habe ich kein Verständnis für."

Joel Klein

Joel Klein.

Quelle: ZDF

In den sozialen Medien sieht er immer wieder Bilder und Videos aus Frankreich, erzählt Joel Klein (18). "Was da abgeht, ist schon krass."

Stella Mohrig

Stelle Mohrig.

Quelle: ZDF

"Ich finde es gut, dass sie aufstehen und was für ihre Generation machen wollen", sagt Stella Mohrig (18). Sie findet: "Deutschland sollte sich das vielleicht auch als Beispiel nehmen." Nicht die Zerstörung, aber das Einstehen für die eigenen Rechte würde Stella sich wünschen.

Auch hierzulande sind Demos geplant

Inzwischen wurden auch hierzulande Proteste angekündigt. Die Initiative "Gen Z regelt" ruft dazu auf, am 31. Oktober unter anderem für Veränderungen im deutschen Bildungssystem auf die Straße zu gehen. Es soll dabei auch um die Wehrpflicht und den Klimawandel gehen. Genauso zählen steigende Lebenshaltungskosten zu ihren Beweggründen.

19.10.2026, Bayern, München: Schülerinnen und Schüler des Lycee Francais de Munich protestieren vor dem französischen Generalkonsulat solidarisch mit der französischen Schülerbewegung.

Schüler und Studenten protestieren europaweit für bessere Lern- und Studienbedingungen. Neben unter anderem Spanien, Frankreich, Italien und Albanien sind auch Aktionen in Deutschland geplant.

21.10.2026 | 2:05 min

Diese Anliegen beschäftigen auch die jungen Menschen in Frankfurt, wie unsere Gespräche mit ihnen zeigen. Wie sie zu den geplanten Protesten stehen, ist allerdings unterschiedlich.

Joel hat von dem Vorhaben gehört: "Das wäre schon wirklich krass, weil dann endlich mal so ein Zeichen gesetzt wird. Das würde ich sehr unterstützen." "Ich finde es tatsächlich gar nicht so schlecht", so auch Stella, "man kann ja auch friedlich protestieren, zum Beispiel in Halloween-Kostümen."

Larry Pinto

Larry Pinto (l.).

Quelle: ZDF

Andere halten nichts von dem Aufruf. "Also ich verstehe nicht, warum die Proteste auch hier stattfinden sollten", erzählt zum Beispiel Larry Pinto (18). Er ist zufrieden mit der Unterstützung, die er während seiner Schulzeit erhalten hat.

Luisa (rechts)

Luisa (r.).

Quelle: ZDF

Luisa (23) möchte sich ebenfalls nicht beteiligen. Sie fürchtet sich vor einer Eskalation wie im Nachbarland. "Es gibt immer, wie man dann auch in Frankreich merkt, Leute, die es übertreiben."

Unzufriedenheit unter jungen Menschen

Steven und seine Mitstreiter haben entschieden, dem Aufruf zu folgen. Zuerst waren sie jedoch verunsichert, wer hinter den Protesten steckt. Laut der Webseite von "Gen Z regelt" handelt die Initiative überparteilich.

Wichtig sei Steven nach wie vor, dass die Proteste friedlich bleiben. Sie wollen die Gelegenheit nutzen, um auf Probleme im deutschen Bildungssystem aufmerksam zu machen: "Die Art, wie man die Klassenzimmer aufbaut, die Art, wie gelehrt wird, die Art, wie geprüft wird, es wird immer mehr Stoff."

Hinter ihrem Engagement steckt aber auch eine grundlegende Unzufriedenheit: "Wir haben das Gefühl, dass man auf die Jugend scheißt", so Steven.

Wir haben das Gefühl, dass man mit unserer Zukunft spielt. Deswegen gehen wir auf die Straßen und wollen unsere Stimme geltend machen.

Steven Sedehi

Über dieses Thema berichtete das ZDF im Länderspiegel am 24.10.2026 ab 17:05 Uhr.

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