65 Jahre Mauerbau: SED-Opferbeauftragte warnt vor DDR-Verklärung

Berlin erinnert an 65 Jahre Mauerbau:SED-Opferbeauftragte warnt vor DDR-Verklärung

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Am 65. Jahrestag wird der Mauer-Opfer gedacht. Politiker warnen vor Verharmlosung der DDR-Diktatur. Mehr Aufklärung über den Alltag im Stasi-Staat fordert die SED-Opferbeauftragte.

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Zum 65. Jahrestags des Mauerbaus warnt die SED-Opferbeauftragte des Bundestags, Evelyn Zupke, vor einer Verklärung der DDR. "Ich erlebe jeden Tag, was für Folgen die Diktatur hat", so Zupke.

13.08.2026 | 5:07 min

Die Beauftragte des Bundestages für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, hat zum 65. Jahrestag des Mauerbaus kritisiert, die DDR werde von manchen als "gemütlich und gemeinschaftlich" verklärt. "Das Problem ist", erklärte Zupke im ZDF-Mittagsmagazin, "dass das ja keine homogenen Erinnerungen sind". Auf der einen Seite stünden "die persönlichen Erinnerungen", auf der anderen Seite stehe der "Charakter der DDR als Unrechtsstaat".

Zupke sagte zudem der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", private nostalgische Erinnerungen seien "zutiefst menschlich".

Problematisch wird es jedoch, wenn Diktatur und Überwachung in Vergessenheit geraten.

Evelyn Zupke, Beauftragte des Bundestages für Opfer der SED-Diktatur

"Wenn dann kein Korrektiv dazukommt - etwa durch Schule oder Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen - bleibt oft nur eine einseitige und nostalgische Erzählung hängen, während die Realität der Diktatur verschwimmt", erläuterte sie zudem in der "Rheinischen Post".

SED-Opferbeauftragte mahnt mehr Aufklärung an

Mehr Aufklärung in der Gesellschaft sei dringend nötig. "Diktatur ist immer so abstrakt", sagte Zupke im ZDF. "Ich erlebe jeden Tag, welche Folgen die Diktatur hatte. Die DDR ist 1989 zusammengebrochen, aber diese Menschen leben, ihre Kinder leben, die haben aufgrund ihrer Erfahrung im Gefängnis - Einzelhaft, Dunkelhaft, Wasserzelle, Haft-Zwangsarbeit - ein Leben lang zu leiden. Das wissen viele nicht".

Temporaerer Mauer-Gedenkort am Brandenburger Tor enthuellt

Mit Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen und einer Kunstinstallation am Brandenburger Tor wird in Berlin heute an den Mauerbau vor 65 Jahren erinnert.

13.08.2026 | 1:31 min

Weimer: Straßen nach DDR-Widerstandskämpfern benennen

Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) warnte vor einer Verharmlosung der DDR-Diktatur. AfD und Linkspartei würden "in Ostdeutschland positive Zerrbilder der DDR produzieren. Bei der AfD reicht das bis zum Singen der DDR-Nationalhymne", sagte Weimer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Blick auf eine AfD-Veranstaltung mit dem Kabarettisten Uwe Steimle Mitte Juli in Dessau.

Der für Gedenkstätten zuständige Staatsminister Weimer macht sich nach eigenen Worten "große Sorgen" um die Erinnerungskultur in Sachsen-Anhalt und Berlin, wo im September Wahlen stattfinden.

Wenn Sachsen-Anhalt nach rechts außen und Berlin nach links außen abrutscht, dann wird die Erinnerungspolitik in beiden Fällen anders sein als zuvor.

Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister

In Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine absolute Mehrheit erreichen, in Berlin führt in einigen Umfragen die Linkspartei.

Als "aktive Form der Erinnerungsarbeit" regte Weimer an, Straßen und Plätze nach Widerstandskämpfern aus der DDR zu benennen. "Zum Beispiel überall dort, wo neue Straßen entstehen, sollte man zumindest über Namensgeber nachdenken, die durch die kommunistische Diktatur getötet wurden oder im Gefängnis saßen", sagte er.

joerg-hildebrandt

Jörg Hildebrandt, heute 87 Jahre, erinnert sich genau an den Sonntagmorgen, der sein Leben, die Stadt, das Land veränderte. Der Mauerbau geschah vor seiner Haustür in der Bernauer Straße 4.

13.08.2026 | 3:35 min

Kanzler Merz ruft zum Kampf für Freiheit auf

Bundeskanzler Friedrich Merz rief zur Verteidigung der Demokratie auf. "Die Lektion der Mauer bleibt: Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Wir müssen immer dafür kämpfen", schrieb er im Onlinedienst X. Er wies zugleich darauf hin, dass die Menschen heute "in Frieden und Freiheit" leben könnten: Deutschland sei inzwischen länger vereint, als es durch die Mauer geteilt gewesen sei.

X-Post von Friedrich Merz

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Bau der Mauer durch die DDR-Führung als "das Zeugnis eines hoffnungslosen Scheiterns". Auf X ließ der Steinmeier über seine Sprecherin verlauten: "Vor 65 Jahren riegelte die SED-Diktatur Berlin ab. Die Mauer teilte eine lebendige Stadt, Familien, Freundschaften und Leben." Steinmeier erinnerte daran, dass "mindestens 260 Menschen an der Mauer ihr Leben durch das DDR-Grenzregime verloren" hätten.

X-Post des Bundespräsidenten

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Klöckner weist auf Spaltungen zwischen Ost und West hin

Bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin, an der auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) teilnahm, wies Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) auf fortbestehende Spaltungen zwischen Ost und West hin. In einer Ansprache sagte sie:

Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen.

Julia Klöckner (CDU), Bundestagspräsidentin

Selbst bei denen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden, wirke sie nach. "Politische Fragen werden auf beiden Seiten manchmal sehr unterschiedlich beantwortet", sagte die Bundestagspräsidentin mit Blick auf Debatten über Corona-Schutzmaßnahmen, Migration oder den Umgang mit Russland.

Demonstrationszug mit DDR-Fahnen.

Die 1960er-Jahre stehen nach dem Mauerbau im Zeichen der Erneuerung. Mit Reformen will die SED die DDR modernisieren und stabilisieren. Aber wie erfolgreich sind sie tatsächlich?

28.08.2022 | 43:34 min

Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße

Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus wird in Berlin an die Opfer der deutschen Teilung erinnert. Die Grenzanlagen wurden ab dem 13. August 1961 errichtet, in den Folgejahren kamen mindestens 140 Menschen ums Leben, etwa bei Fluchtversuchen. Der Mauerfall am 9. November 1989 leitete das Ende der Teilung ein; formal vollendet wurde die deutsche Einheit am 3. Oktober 1990.

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Quelle: epd, AFP, dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF mehrfach, darunter am 12.08.2026 in der Sendung heute in Deutschland ab 14 Uhr und am 08.08.2026 im länderspiegel ab 17:05 Uhr.

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