Umfragen, Kandidaten, Besonderheiten:Das sollten Sie zur Berlin-Wahl wissen
von Luise Reinke
Am Sonntag wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Laut Umfrage konkurrieren Linke und CDU um Platz eins. Was zu Kandidaten, Parteien, Briefwahl und Wahl ab 16 wichtig ist.
Bei der Wahl um das Abgeordnetenhaus in Berlin zeichnet sich ein spannendes Rennen zwischen der Linken und der CDU ab. Laut ZDF-Politbarometer kommt die Linke auf 22 Prozent und die CDU auf 20 Prozent.
18.09.2026 | 2:05 minRund 2,5 Millionen Menschen können ihre Stimme abgeben: Berlin wählt am Sonntag ein neues Abgeordnetenhaus. Mit mindestens 130 Sitzen ist es eines der größten Landesparlamente Deutschlands.
Die letzte Berlin-Wahl war eine Ausnahme: Die regulär 2021 abgehaltene Wahl musste wegen gravierender organisatorischer Pannen wiederholt werden, darunter:
- fehlende Stimmzettel,
- stundenlanges Warten vor Wahllokalen,
- Wahllokale, die noch lange nach 18 Uhr Stimmen annahmen.
Die Wiederholungswahl fand erst am 12. Februar 2023 statt und ist damit die eigentliche Vergleichsbasis für die jetzigen Wahlen.
Neue Zahlen vom ZDF-Politbarometer zeigen die politische Stimmung in der Hauptstadt.
17.09.2026 | 0:47 minUm Platz eins kämpfen laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer Extra die Linke und die CDU. Dahinter folgen AfD und Grüne. Beobachter erwarten, dass sich die Regierungsbildung in Berlin schwieriger gestalten könnte als in den Vorjahren.
Wie kann gewählt werden?
Gewählt wird am Sonntag, 20. September 2026, die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Auch wer die Wahlbenachrichtigung verloren haben sollte, kann im Wahllokal am Wahltag mit Personalausweis, Reisepass oder einem anderen amtlichen Lichtbildausweis wählen. Der Ausweis darf ausnahmsweise auch abgelaufen sein.
Briefwahlunterlagen, die noch nicht abgeschickt wurden, können auch am Wahltag bis spätestens 18 Uhr in den Briefkasten der zuständigen Wahlbehörde eingeworfen werden.
Auch Berlin wählt am 20. September. Die bestehende Regierung aus CDU und SPD kommt voraussichtlich nicht auf eine Mehrheit der Sitze. Stärkste Kraft laut Umfrage – die Linke.
11.09.2026 | 3:05 minWer darf wählen?
Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten in Berlin wohnen. Seit einer Verfassungsänderung von Ende 2023 dürfen auch 16- und 17-Jährige an der Wahl für das Abgeordnetenhaus teilnehmen. Das betrifft rund 50.000 junge Berlinerinnen und Berliner, die zum ersten Mal ein Landesparlament mitwählen dürfen.
Wie steht es in Umfragen?
Kurz vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin liefern sich CDU und Linke einen Zweikampf um den Wahlsieg. Laut aktuellem ZDF-Politbarometer Extra führt die Linke knapp vor der CDU.
Die Projektionswerte für die Parteien: Die CDU käme auf 20 Prozent und die SPD auf zwölf Prozent. Die Grünen würden 15 Prozent erreichen, die Linke 22 Prozent, die AfD 18 Prozent und das BSW vier Prozent. Die anderen Parteien erhielten zusammen neun Prozent.
Der amtierende Senat aus CDU und SPD hätte damit keine Mehrheit. Von den am ehesten realistischen Koalitionen hätte sowohl ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD als auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD eine Mehrheit.
Die Projektionswerte zeigen nur ein aktuelles Stimmungsbild für die Parteien und stellen keine Prognose für den Wahlausgang dar.
Kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus richtet sich der Blick auf die wichtigsten Themen der Bürger: Besonders bezahlbares Wohnen, Verkehr und Kriminalität stehen im Vordergrund.
15.09.2026 | 2:34 minWohnen und Mieten ist das mit Abstand wichtigste Thema. Kein Wunder: Rund 85 Prozent der Hauptstädterinnen und Hauptstädter wohnen zur Miete. Hinzu kommt der erfolgreiche Volksentscheid zu Enteignungen von Immobilienunternehmen in 2021.
Weitere Themen in Berlin sind die Innere Sicherheit nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den CSD und die Sauberkeit in der Stadt. Außerdem streiten sich Parteien in der Verkehrspolitik um Pro-Auto-Politik und Radwege.
Wie wird gewählt?
Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen: Mit der Erststimme wird die Direktkandidatin oder der Direktkandidat im eigenen Wahlkreis gewählt, mit der Zweitstimme die Partei – sie entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Parlament. Als Reaktion auf das damalige Chaos gibt es 2026 nur noch einen gemeinsamen Stimmzettel für Erst- und Zweitstimme statt zwei getrennter Zettel.
Regulär hat das Berliner Abgeordnetenhaus mindestens 130 Sitze. Davon werden 78 direkt in den Wahlkreisen gewählt, die übrigen über die Listen der Parteien vergeben. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate kann sich die Gesamtzahl der Abgeordneten noch erhöhen. Für die Sitzverteilung gilt die Fünf-Prozent-Hürde (Ausnahme: Direktmandate).
Überhangmandate sind Parlamentssitze einer Partei, die über die ermittelte Sitzanzahl nach Zweitstimmen hinausgehen. Das kommt dann zustande, wenn die Anzahl der gewonnenen Direktmandate die Zahl der ihr insgesamt zustehenden Sitze nach Zweitstimmenauszählung übersteigt. Dann erhalten die anderen Parteien Ausgleichsmandate. Die Gesamtzahl der Abgeordneten erhöht sich um die Zahl der Überhang- und Ausgleichsmandate.
Quelle: dpa
Bei der Wahl in Berlin liegen gleich vier Parteien nah beieinander. Die Parteibindungen lassen in ganz Deutschland nach, wodurch eindeutige Mehrheiten immer schwieriger werden, sagt Wolfgang Muno.
11.09.2026 | 8:36 minWelche Kandidaten und Parteien stehen zur Wahl?
Kurz vor dem Wahltermin kam es an der Spitze der CDU noch zu einem Wechsel: Der bisherige Regierende Bürgermeister Kai Wegner verzichtete rund zwei Monate vor der Wahl wegen der Kritik an seinem Umgang mit dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz auf eine erneute Spitzenkandidatur. Für die CDU tritt stattdessen Finanzsenator Stefan Evers an.
Die SPD setzt auf Steffen Krach, die Grünen auf Werner Graf (unterstützt von Bettina Jarasch), Die Linke auf Elif Eralp, die AfD erneut auf Kristin Brinker.
Insgesamt bewerben sich 17 Parteien um Zweitstimmen. Zwölf Landeslisten hat der Landeswahlausschuss zugelassen.
Am Wochenende wird in Berlin das neue Abgeordnetenhaus gewählt. Umfragen sehen ein enges Rennen zwischen der CDU und der Linken.
17.09.2026 | 1:48 minWie sah das letzte Wahlergebnis aus?
- CDU 28,2 Prozent (52 Sitze)
- SPD 18,4 Prozent (34 Sitze)
- Grüne 18,4 Prozent (34 Sitze)
- Linke 12,2 Prozent (22 Sitze)
- AfD 9,1 Prozent (17 Sitze)
Insgesamt zogen 159 Abgeordnete ein. Die FDP verpasste mit 4,6 Prozent den Einzug. Die CDU wurde erstmals seit 1999 stärkste Kraft, Kai Wegner (CDU) bildete anschließend eine Koalition mit der SPD und wurde Regierender Bürgermeister.
Mehr zur Wahl in Berlin
CDU steht vor wichtigen Wahlen:Merz beendet Wahlkampf mit Auftritt in Berlin
mit Video1:48- Exklusiv
ZDF-Politbarometer Extra:Wahl in Berlin: Linke liegt knapp vor CDU
Abgeordnetenhauswahl in Berlin:Mit welchen Programmen die Parteien in Berlin antreten
von Michael Kniessmit Video1:48Abgeordnetenhauswahl in Berlin:Zweikampf um das Rote Rathaus zeichnet sich ab
von Stephan Merseburgermit Video2:23