Deutschland und Türkei:65 Jahre Anwerbeabkommen: Gastarbeiter kamen und blieben
Vor 65 Jahren schloss Deutschland das Anwerbeabkommen mit der Türkei. Fast 900.000 Gastarbeiter kamen. Viele haben hier ihre Heimat gefunden. Heute wird in Berlin erinnert.
Sabri Aydin war einer der ersten türkischen Gastarbeiter, die 1961 nach Deutschland kamen. Seine Geschichte ist typisch für viele Einwanderer, die das Ruhrgebiet bis heute prägen.
19.10.2026 | 2:29 minSie kamen in den "Wirtschaftswunder"-Staat Deutschland der Nachkriegszeit. Hunderttausende türkische Arbeitnehmer gelangten über das 1961 geschlossene Anwerbeabkommen in die Bundesrepublik. Die Vereinbarung, an die am Dienstag in Berlin eine Veranstaltung mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) erinnert, wirkt sich bis in die Gegenwart aus, denn viele blieben in Deutschland.
Fast 900.000 Menschen aus der Türkei kamen
Der stark wachsenden deutschen Wirtschaft fehlten Anfang der 1960er Jahre Arbeitskräfte. Die Bundesregierung schloss deshalb am 30. Oktober 1961 mit der Türkei eine Vereinbarung zur Entsendung von Arbeitnehmern. Zuvor hatte es bereits ähnliche Abkommen mit Italien, Spanien und Griechenland über die Entsendung von Gastarbeitern gegeben.
Bis zum Anwerbestopp zwölf Jahre später kamen fast 900.000 türkische Arbeitnehmer nach Deutschland. Laut dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung waren 21 Prozent von ihnen Frauen.
Am Dienstag findet in Berlin die Festveranstaltung zum 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens mit der Türkei statt. (Archivbild, 1961)
Quelle: Wolfgang Hub / dpa"Rotationsprinzip" erwies sich als aufwändig
Anfangs galt ein "Rotationsprinzip", um eine dauerhafte Einwanderung zu verhindern: Nach zwei Jahren sollten die Menschen in ihre Heimat zurückkehren und durch neue Arbeitskräfte ersetzt werden. Für die deutschen Unternehmen erwies sich dies aber als aufwändig und teuer, weil sie immer neue Mitarbeiter einarbeiten mussten. Auf Druck der Firmen wurde die zeitliche Befristung deshalb in einer überarbeiteten Fassung der Vereinbarung 1964 aufgehoben.
Erst über eine Änderung des Ausländerrechts wurde ein Familiennachzug Mitte der 1960er Jahre möglich. Der Großteil des Familiennachzugs fand aber nach dem Anwerbestopp 1973 statt.
Hendrik Wüst hat bei seiner Türkei-Reise Präsident Erdoğan in Ankara getroffen. Er will ein neues Kapitel in den deutsch-türkischen Beziehungen aufschlagen.
28.09.2026 | 1:00 minAnwerbestopp mit dem Ende des Wirtschaftswunders
Anfang der 1970er Jahre war die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders vorbei. Deutschland steuerte auf eine Rezession zu. Die sozialliberale Bundesregierung beschloss deshalb 1973 den Anwerbestopp.
Seit 1961 sind Millionen Menschen zwischen der Türkei und Deutschland hin- und hergewandert - sei es wegen der Arbeitsaufnahme, der Familienzusammenführung oder zur Rückkehr in die Türkei. Das Anwerbeabkommen ist damit die Grundlage für die rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, die heute in Deutschland dauerhaft leben.
Auch aus Italien kamen viele Gastarbeiter nach Deutschland. Im vergangenen Jahr jährte sich das Abkommen zum 70. Mal.
17.12.2025 | 0:27 minBotschaft wirbt für Pflege der Beziehungen
65 Jahre nach dem Abschluss des Anwerbeabkommens hat die türkische Botschaft in Deutschland für die weitere Pflege der Beziehungen beider Länder geworben. Die Botschaft erklärte auf Anfrage der "Rheinischen Post":
Unsere engen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen wollen wir weiter vertiefen.
Türkische Botschaft in Deutschland
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