Deutsche U-Boote für Kanada:TKMS-Chef: Ein Signal "auch in Richtung Washington"
Das deutsche Unternehmen TKMS bekommt den milliardenschweren Auftrag, U-Boote für Kanada zu bauen. Das sei auch ein Signal "in Richtung Washington", sagt Firmenchef Burkhard.
Für den deutschen Marineschiffbauer TKMS ist es ein Rekordauftrag: Kanada will seine neue U-Boot-Flotte dort bauen lassen. Ein klares Zeichen auch Richtung USA und Präsident Trump.
07.07.2026 | 3:02 minDie kanadische Regierung will ihre neuen U-Boote von Deutschland bauen lassen. Der milliardenschwere Auftrag geht an TKMS. Das deutsche Unternehmen setzte sich gegen einen Konkurrenten aus Südkorea durch. ZDFheute hat darüber mit dem TKMS-Chef Oliver Burkhard gesprochen.
ZDFheute: Was hat bei den Kanadiern den Ausschlag gegeben, was kann das deutsche U-Boot besser als das der Südkoreaner?
Oliver Burkhard: Wir haben eine sehr spezielle Technologie, wie man sehr lange unter Wasser bleiben kann. Dieses Boot ist mit Norwegen und Deutschland konzipiert worden. Das heißt, es ist auch geprüft für den arktischen Einsatz, was natürlich in Kanada sehr wichtig ist.
Wo es jetzt besser ist als das koreanische, kann ich nicht sagen. Die haben eine gute Kampagne gemacht, wir haben sie aber gewonnen.
Kanada hat einen Großauftrag zum Bau von U-Booten an den deutschen Marinenschiffbauer TKMS vergeben. Was der Auftrag für die Sicherheit im Atlantik bedeutet, analysiert ZDFheute live.
07.07.2026 | 8:30 minZDFheute: Wie sah die Unterstützung durch die Bundesregierung konkret aus?
Burkhard: Ich kann da namentlich keinen auslassen, weil es tatsächlich im Kanzleramt losgeht, bei Kanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister Lars Klingbeil, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Es war ein Thema auf der Agenda bei jedem Besuch von Politikerinnen und Politikern in Kanada.
Oliver Burkhard
Und das auf gleicher Seite auch auf der norwegischen Seite. Das hat dazu geführt, glaube ich, dass wir am Ende einen sehr überzeugenden Auftritt gemacht haben, der jetzt ja nun zum Zuge kommt.
ZDFheute: Definiert gerade auch Verteidigungsminister Pistorius sein Amt zusehends als Rüstungsmanager?
Burkhard: Es ist eine nie dagewesene Unterstützung, aber es hat natürlich auch sehr originäre Interessen, die es bedient. Unter anderem, dass man in der Nato mit dem gleichen Gerät in allen Marinen unterwegs ist.
Das heißt, die sogenannte Interoperabilität ist ein großer Vorteil - also ich kann Crews, Stützpunkte, Service, Wartungsstützpunkte miteinander teilen. Und je mehr Sie von solchen Produkten gemeinsam haben, desto mehr können Sie auch gemeinsam machen.
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07.07.2026 | 6:35 minZDFheute: Was ist die Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland?
Burkhard: Ich finde ja, dass manchmal die Stimmung ein bisschen schlechter als die Lage ist. Da werden mir jetzt natürlich Menschen widersprechen und sagen: 'Nein, meine Lage ist ganz furchtbar.' Aber tatsächlich, ja, wir können was in Deutschland.
Deutsche Industrie, deutsche Technologie ist immer noch Spitzenklasse und hat sich jetzt ja auch in diesem Fall durchgesetzt gegen koreanische Technik, die bestimmt nicht schlecht war.
Oliver Burkhard
An so einem U-Boot ist eben auch 25 Prozent Wertschöpfung aus Bayern. Also das heißt, das ist nicht nur eine maritime Veranstaltung an der Küste, sondern das geht weit in die Zulieferkette, auch ins Land hinein. Und es ist für den Standort Deutschland, glaube ich, ein gutes Signal. Wir können was.
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28.06.2026 | 4:07 minZDFheute: Kommt TKMS nun an Kapazitätsgrenzen?
Burkhard: Wir bauen ja nicht alle Boote zugleich, sondern sie haben eine Reihenfolge der Abarbeitung und wir sind bei den deutsch-norwegischen Booten jetzt kurz vor Start der Produktion von Boot Nummer vier.
Mit den jetzigen Kapazitäten, die wir haben - die wir auch noch weiter aufbauen, in Wismar wollen wir bis zu 1.500 Menschen dort beschäftigen. Wir haben bei null angefangen vor zwei Jahren, sind jetzt bei 450 - haben wir auch noch Platz.
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04.04.2026 | 1:13 minZDFheute: Inwiefern ist die Entscheidung für einen europäischen U-Bootbauer auch ein Signal: Wir machen uns unabhängig von den USA?
Burkhard: Grundsätzlich ist ja nicht vorstellbar, dass man ohne die Amerikaner in der Nato oder in einer Partnerschaft unterwegs ist.
Aber offensichtlich waren die Weckrufe mittlerweile so laut und deutlich zu hören, dass man sich kümmern muss um seine Angelegenheiten und vielleicht sich nicht darauf verlassen kann, dass der große Bruder alles am Ende irgendwie wieder regelt.
Das Signal scheint verstanden zu sein, und deswegen begrüße ich sehr, dass die Zusammenarbeit innerhalb Europas, aber auch in der Nato, sich eben andere Wege sucht.
Oliver Burkhard
Es stand nicht zur Frage, amerikanische U-Boote zu kaufen, sondern die letzte Auswahl war zwischen Südkorea und uns. Aber es hat schon einen Effekt, denke ich, der auch in Richtung Washington geht. Wir haben verstanden und wir kümmern uns.
Das Interview führte Ines Trams aus dem ZDF-Hauptstadtstudio. Es wurde leicht gekürzt.
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