"Rentenrebell" Reddig bei Sarah Tacke:CDU-Kritik an der Rentenreform nur ein Wahlkampfmanöver?
von Torben Schröder
Reddig verteidigt die geplante Rentenreform gegen Kritik aus der CDU. Deren Einwände seien auch dem Wahlkampf geschuldet. Wirtschaftsweise Grimm warnt vor steigenden Sozialbeiträgen.
Sehen Sie hier die Sendung Sarah Tacke vom 20. August 2026.
20.08.2026 | 61:08 minWahlkampfhilfe geht anders. Drei ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten - darunter Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, der im September wieder gewählt werden möchte - hatten sich gegen Teile der Rentenreform ausgesprochen. Parteikollege Pascal Reddig, einst als "Rentenrebell" betitelt und als stellvertretender Vorsitzender der Rentenkommission einer der Architekten des Reformpakets, misst diesem Ansinnen in der ZDF-Sendung "Sarah Tacke" keine lange Halbwertszeit bei.
Reddig: Kritiker der Rentenreform führen Wahlkampf
Vielleicht steigere es kurzfristig die Beliebtheitswerte, wenn man sagt, es solle alles bleiben, wie es ist, sagt Reddig. Langfristig helfe das nicht. Die Kritik dürfte auch dem laufenden Wahlkampf geschuldet sein.
"Auch die drei Ministerpräsidenten haben im CDU-Präsidium das Gesamtkonzept sehr gelobt und gesagt, dass wir das so umsetzen sollen und keine Rosinenpickerei betreiben", betont Reddig. "Deswegen gehe ich auch davon aus, dass wir das im Herbst machen werden."
Die Rentenreform sollte vollständig umgesetzt werden – doch aus den Bundesländern kommt weiter Gegenwind. Im Fokus der Debatte steht immer wieder die "Rente mit 63".
05.08.2026 | 2:10 minReddig: "Sehr, sehr großen Konsens" zur Rentenreform
Somit brauche es auch kein Machtwort von Bundeskanzler Friedrich Merz. In der CDU gebe es einen "sehr, sehr großen Konsens" zur Umsetzung. Wobei Reddig das Reformpaket nicht als Endpunkt ansieht.
"Bei der Aktivrente haben wir vereinbart, dass wir es sehr schnell evaluieren. Wenn künftig für die Selbstständigen gilt, dass sie auch in die Rentenversicherung einbezahlen sollen, gibt es keinen Grund mehr, warum bei der Aktivrente da ein Unterschied gemacht wird."
Beim Wegfall der abschlagsfreien Rente mit 63 solle schnell eine Härtefallregelung ausgestaltet werden.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisiert den Widerstand gegen das geplante Aus der "Rente mit 63". Man müsse den Sozialstaat reformieren, so BDA-Chef Kampeter.
05.08.2026 | 2:06 minSchwerdtner: Recht auf Rente mit 63
Für die Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner ist die Rente mit 63 "ein Recht, das die Menschen sich erarbeitet haben". Schwerdtners Forderung lautet, dass "alle" einzahlen.
Die Rente wäre sehr viel gerechter und auch sicherer, wenn auch die Beamten einzahlen würden.
Ines Schwerdtner, Linken-Chefin
Niemand solle gezwungen werden, in der Rente noch arbeiten zu müssen. Wenig hält die Parteichefin von der Idee einer kapitalgedeckten Rente: "Wenn wir mehr Geld in den Aktienmarkt pumpen, dann profitieren davon immer die Großen." Das Umlagesystem hingegen sei "sicher".
Beamte erbringen ihren Dienst für den Staat und müssen viele Regeln beachten. Dafür gibt's aber auch besondere Vergütungen und eine sichere Altersversorgung. Sollte man das ändern?
13.08.2026 | 13:14 minWirtschaftsweise Grimm: Altes Rentensystem nicht mehr tragbar
Reddig und auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sehen es völlig anders. Beamte einzubeziehen, erhöhe die Rentenansprüche viel stärker als die Einzahlungen. Besser sei, weniger Menschen zu verbeamten.
Auf den Produktivitätszuwachs der Gesellschaft, den Schwerdtner bei ihrem Vorschlag einpreist, könne man sich angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung kaum verlassen, findet Grimm. Und das Umlagesystem werde jetzt schon stark mit Steuergeld bezuschusst, weil das Verhältnis aus Beitragszahlern und Beitragsempfängern immer nachteiliger wird.
Es wäre keine gute Idee, das Paket wieder aufzuschnüren.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Und rechnet vor: "Jemand, der im Jahr 2000 geboren wurde, zahlt durchschnittliche Sozialbeiträge in seinem Leben, wenn wir die Gesetzeslage nicht anpassen, von 50 Prozent."
Sollte die "Rente mit 63" abgeschafft werden? Darüber diskutieren Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter (SPD).
06.08.2026 | 11:04 minBei den 2010 Geborenen lägen die durchschnittlichen Sozialbeiträge bei 54 Prozent. Das sei nicht tragbar. Es gelte, das System schnellstmöglich zu korrigieren. Wenn die Menschen älter werden, dann sei es logisch, die Rentenzeit daran anzupassen. "Deshalb ist die Kopplung ein sehr sinnvolles System", sagt Grimm. Ihr Plädoyer:
Wenn die Menschen weiterarbeiten wollen, sollte man ihnen keine Steine in den Weg legen.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise
Rentnerin vermisst wichtige Themen in der Rentenreform
Angelika Kindt will weiterarbeiten. Die 77-Jährige coacht andere Rentner, denen es genauso geht. "Es wurde bei dem ganzen Rentenpaket niemals über private Krankenversicherung gesprochen", moniert Kindt. Mehr als die Hälfte ihrer "mehr als guten Rente" fließe dorthin.
Auch die komplette Veränderung der Arbeitswelt durch Künstliche Intelligenz werde bei den Reformkonzepten nicht mitgedacht und könne dies auch noch gar nicht. Das Alter werde leider immer noch als Defizit betrachtet.
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