So soll der deutsche Spitzensport umgebaut werden

Mehr Olympia-Medaillen als Ziel:So soll der deutsche Spitzensport umgebaut werden

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Wie kann der deutsche Spitzensport wieder an alte Erfolge anknüpfen? Die Bundesregierung will dafür eine neue Agentur gründen. Widerstand kommt von den Sportlern selbst.

Olympische Medaillen

Deutschlands schwache Olympia-Bilanz bringt die Politik in Zugzwang. Im Bundestag geht es um ein neues Sportfördergesetz. Kann die Reform den Leistungssport wieder erfolgreicher machen?

21.05.2026 | 2:33 min

Schon vor der Debatte um den Spitzensport wurde es im Bundestag am Donnerstag sportlich. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) gratulierte dem FC Bundestag, der Nationalmannschaft der Parlamentarier, zum Europameistertitel.

Um auch den deutschen Leistungssport wieder erfolgreicher zu machen, will die schwarz-rote Koalition die Sportförderung komplett umbauen. Mindestens Platz fünf im Medaillenspiegel bei den Sommer- und Platz drei bei den Winterspielen ist das Ziel - doch die Athleten fühlen sich übergangen.

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Mit dem Sportförderungsgesetz sollen Spitzensportler "erfolgreicher" werden. "Wir haben uns genau angeschaut, wie das andere Länder machen" - Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt.

21.05.2026 | 3:44 min

Sportförderung: Immer mehr Geld - immer weniger Medaillen

Mit knapp 120 Millionen Euro förderte der Bund vergangenes Jahr die Sportverbände. In etwa doppelt so viel Geld wie noch vor zehn Jahren. Dennoch wurde die deutsche Mannschaft bei den so wichtigen Olympischen Spielen immer weiter durchgereicht.

Platz neun im Medaillenspiegel bei den Sommerspielen 2021 in Tokio war der Negativrekord, nur getoppt von den Spielen in Paris. 2024 landete das deutsche Team nur auf Platz zehn.

Olympische Winterspiele 2026

Es sieht nicht gut aus für den deutschen Sport. Im Medaillenspiegel weit von der Spitze entfernt und zahlreiche Athleten am Existenzminimum. Ein neues Gesetz soll das ändern.

20.02.2026 | 11:13 min

Heute verteilt der Staat das Geld in Absprache mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) selbst an die Sportverbände. Darüber hinaus sind noch weitere Akteure beteiligt, wie zum Beispiel die Länder oder eine externe Potenzialanalyse. All das macht die Förderstrukturen laut Experten ineffizient und langsam.

Staatsministerin: "Neue Ära für den deutschen Spitzensport"

Mit dem Sportfördergesetz soll die Verteilung der Gelder zum ersten Mal gesetzlich geregelt werden. Das Gesetz sieht vor, dass eine Spitzensport-Agentur mit Sitz in Leipzig gegründet wird. Die soll alle Kompetenzen bündeln, und das Geld an die Verbände verteilen.

Die zuständige Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) verspricht sich dadurch "klare Zuständigkeiten, schlanke Gremien und schnelle Entscheidungen", wie sie im Bundestag sagte. Mit dem neuen Gesetz wolle sie eine "neue Ära für den deutschen Spitzensport einleiten".

Auch die Ampel-Regierung wollte 2024 eine solche Agentur gründen. Damals kam der Bruch der Koalition dazwischen.

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Johannes Herber, der Geschäftsführer von Athleten Deutschland, übt scharfe Kritik am Entwurf für ein Sportfördergesetz. Kritisch sieht er insbesondere die Punkte Mitsprache und Gewaltprävention.

19.03.2026 | 3:06 min

Streit um Verteilung der Posten in der Spitzensport-Agentur

Wie die Posten in der Agentur verteilt sein sollen, bleibt aber ein Streit um Macht und Einfluss. Aktuell ist vorgesehen, einen zweiköpfigen Vorstand einzusetzen. Eine Person auf Vorschlag des Sports, eine aus der Politik. Dieser Vorstand soll dann unabhängig über die Förderung entscheiden.

Den Rahmen gibt der sogenannte Stiftungsrat vor. Hier sollen nach dem Gesetzentwurf sechs Vertreter aus der Politik und drei aus dem DOSB vertreten sein. Ein zehn- bis 15-köpfiger Sportfachrat soll beide Gremien beraten. Athletenvertreter sind aktuell nur in diesem Fachrat vorgesehen - also ohne Stimmrecht.

Gegenüber ZDFheute sieht der Vorstandsvorsitzende und ehemalige FDP-Politiker Otto Fricke hier Nachholbedarf.

Gegenwärtig ist es noch so, dass die Politik im Stiftungsrat die Möglichkeit hätte, zu sagen: 'Wir als Politik wissen, was der bessere Sport ist.' Das glaubt der Sport nicht, weil er die höhere Fachkompetenz hat.

Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender DOSB

Noch kritischer sieht der Verein "Athleten Deutschland" den Entwurf. Man sei "schockiert" über das Gesetz und lehne den Entwurf "entschieden ab", schreibt der Verein in einer Pressemitteilung. "Mit dem Referentenentwurf senden das Bundeskanzleramt und der organisierte Sport, der ihn maßgeblich beeinflusst hat, ein klares Signal", sagt Präsidentin Pia Greiten.

Eine unabhängige und wirksame Athletenvertretung ist im deutschen Sportsystem weiterhin nicht gewünscht.

Pia Greiten, Präsidentin "Athleten Deutschland"

Athleten sollen direkt gefördert werden

An anderer Stelle sollen die deutschen Athleten aber vom neuen Gesetz profitieren. Erstmals ist auch eine direkte finanzielle Förderung für die Sportler vorgesehen. Die sollen so ihren Lebensunterhalt sichern oder eine Altersvorsorge aufbauen können.

Laut dem Verein "Athleten Deutschland" beträgt die durchschnittliche Förderung durch die deutsche Sporthilfe 700 bis 800 Euro pro Monat. Diese Mittel kommen zu großen Teilen aus Spenden. Athleten brauchen dann zusätzlich noch Sponsoren, um ihren Unterhalt zu finanzieren.

Eine schnelle Hilfe wird das neue Sportfördergesetz aber wohl nicht sein. Die Agentur soll erst 2031 voll arbeitsfähig sein.

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Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 21.05.2026 ab 12:00 Uhr.

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