Der Kanzler und die Urlaubsfrage :Arbeitet Merz an seiner Work-Life-Balance?
von Jan Henrich
Vor mehr als drei Wochen hatte Friedrich Merz seinen letzten öffentlichen Auftritt. "Urlaub" will das Kanzleramt das nicht nennen und tut sich schwer, die Abwesenheit zu benennen.
Friedrich Merz hat seit Ende Juli keine öffentlichen Termine wahrgenommen. Das Kanzleramt spricht nicht von Urlaub.
20.08.2026 | 1:04 minDürre, Waldbrände, ein Drohnenvorfall - trotz parlamentarischer Sommerpause gab es in den vergangenen Wochen eine Reihe von Gelegenheiten, um sich aus der Politik zu Wort zu melden. Bundeskanzler Friedrich Merz war dennoch nur indirekt wahrnehmbar. Sein letzter öffentlicher Auftritt fand Ende Juli statt.
Urlaub will das Kanzleramt das nicht nennen und auch nicht verraten, wo sich Friedrich Merz aufhält. Dabei sind Sommerreisen von Regierungschefs alles andere als ungewöhnlich.
Regierungssprecher: Ein Bundeskanzler ist nie in Urlaub
Die Worte "Bundeskanzler" und "Urlaub" würden nicht zusammenpassen, erklärt der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille am Mittwoch gegenüber Journalisten. Nur weil jemand keine öffentlichen Termine habe, hieße es noch lange nicht, dass er auch die Füße hochlege.
Das aktuelle ZDF-Politbarometer zeigt: Kanzler Merz fährt bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung einen neuen persönlichen Negativrekord ein. Auch die Rentenpläne stoßen auf Ablehnung.
20.08.2026 | 1:28 minDer Kanzler sei beispielsweise im engen Austausch mit seinen Kabinettsmitgliedern. Das war die Kernbotschaft aus dem Kanzleramt in den vergangenen Wochen zum Verbleib von Friedrich Merz. Ausweichend auch die Antwort auf die Journalisten-Nachfrage zur Dauer des Nicht-Urlaubs.
Wenn man nicht weg ist, (…) kann man auch nicht wieder da sein.
Sebastian Hille, stellvertretender Regierungssprecher
Direkt danach räumt der Regierungssprecher ein, dass diese Beschreibung fast schon in eine "meta-philosophische" Richtung abgleite. Man könnte es auch als Verrenkung interpretieren. Als ob der Kanzler mit aller Kraft vermeiden wolle, zuzugeben, dass auch er mal eine Auszeit braucht und vielleicht sogar an seine Work-Life-Balance denkt.
Kanzler-Reisen haben Tradition
Für gewöhnlich gehen Bundeskanzler offener mit ihren Reiseplänen um. Angela Merkel zum Beispiel hat den Sommer gerne für Wander-Touren genutzt und war dafür regelmäßig in Südtirol oder auf der italienischen Insel Ischia. Willy Brandt reiste häufig nach Norwegen, seinem Exil-Zufluchtsort während des Zweiten Weltkriegs. Und Helmut Kohl war bekanntermaßen fast jedes Jahr am Wolfgangsee in Österreich, wo er auch Staatsgäste empfing.
Angela Merkel
Angela Merkel wandert am 05.08.2006 während ihres Urlaubs zusammen mit Reinhold Messner auf den Monte Rite zum Messner Mountain Museum.
Quelle: dpaGerhard Schröder hat im Zusammenhang mit seiner Sommertour 2002 sogar deutlich an Popularität gewonnen, weil er sie unterbrach, um in Gummistiefeln die flutbetroffenen Gebiete in Sachsen zu besuchen.
Grüne und Linke kritisieren Umgang mit Dürre und Bränden
Zu den Waldbränden in den vergangenen Wochen meldete sich Friedrich Merz nur per Post auf X zu Wort. Er "danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz", heißt es darin.
Aus Sicht von Grünen und Linken ist das zu wenig. Dass sich der Kanzler nicht zu Wort meldet bei Dürrekrisen, Hitzetoten und Ernteausfällen, sei "Wahnsinn", so Linken-Chefin Ines Schwerdtner gegenüber der Sat.1-Sendung "newstime". Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge sagte gegenüber dem Sender RTL, der Kanzler tue so, als könne er der Krise ausweichen.
Einsatzkräfte aus Belgien und Deutschland kämpfen gegen den Brand. Der angekündigte starke Wind "würde die Arbeit deutlich erschweren", berichtet ZDF-Reporter Carsten Thurau.
18.08.2026 | 2:53 minKabinetts-Klausurtagung kommende Woche
Eine Grenze, wie lange ein Bundeskanzler Urlaub machen oder eine urlaubsähnliche Zeit verbringen darf, gibt es nicht. Kabinettsmitglieder sind in einem öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis für das das Ministergesetz, nicht aber normale arbeitsrechtliche Regelungen gelten. Theoretisch ist der Bundeskanzler frei, wie viel Freizeit er sich gönnt.
Allzu lange dürfte die physische Abwesenheit von Friedrich Merz bei öffentlichen Terminen aber wahrscheinlich nicht mehr dauern. Bereits kommende Woche trifft sich sein Kabinett im Schloss Neuhardenberg zur Klausurtagung.
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