Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt:CDU-Abgeordneter Heuer will Saal nicht verlassen
Der CDU-Abgeordnete Guido Heuer widersetzt sich der Fraktionslinie: Bei einer möglichen AfD-Ministerpräsidentenwahl will er den Plenarsaal nicht verlassen.
Guido Heuer ist Abgeordneter der CDU in Sachsen-Anhalt. (Archivbild)
Quelle: dpa | Hendrik SchmidtEntgegen der erklärten Linie seiner Partei will der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Heuer bei der Wahl eines Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt nicht den Plenarsaal verlassen. Das sagte der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag dem Portal "Nius" laut Meldung vom Donnerstag. Das Verlassen des Saals sei aus seiner Sicht eine "Vorfestlegung" und komme einer Offenlegung der Enthaltung gleich.
"Ich werde den Saal nicht verlassen", sagte Heuer. Wie er selbst bei einer möglichen Wahl abstimmen werde, ließ er offen.
Ich werde mich nicht vor einer geheimen Wahl, auch nach einer geheimen Wahl, dazu erklären.
Guido Heuer, CDU-Landtagsabgeordneter
Eine Koalition mit der AfD oder eine Tolerierung einer von dieser geführten Regierung schloss er aus. Bei Sachfragen müsse die CDU aber mit wechselnden Mehrheiten arbeiten können, fügte er hinzu.
Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt stuft Partei als gesichert rechtsextremistisch ein
In Sachsen-Anhalt lotet die AfD nach ihrem deutlichen Sieg bei der Landtagswahl derzeit Möglichkeiten zur Regierungsbildung aus. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich nach eigenen Angaben im Dezember im Magdeburger Landtag zur Ministerpräsidentenwahl stellen.
Sven Schulze verteidigt den CDU-Beschluss zur Ministerpräsidentenwahl. Die Fraktion wolle sicherstellen, dass keine Stimme an die AfD geht.
14.10.2026 | 6:16 minDie AfD sucht aktuell in Gesprächen mit dem BSW und nach eigenen Angaben auch bei einzelnen Abgeordneten anderer Fraktionen nach Unterstützung, um die notwendige Mehrheit für die Wahl Siegmunds zu erreichen. Mit der AfD koalieren will keine Partei. Sollte Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden, wäre es das erste Mal, dass die AfD in einem Bundesland regiert. Sie wird vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
CDU: Keine Unterstützung für AfD-Kandidaten
Die CDU-Landtagsfraktion beschloss vor rund zwei Wochen, im Fall eines Ministerpräsidentenkandidaten der AfD im ersten und zweiten Wahlgang geschlossen den Plenarsaal zu verlassen. Sie reagierte damit auf Debatten nach der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten. Er erhielt in geheimer Wahl vier Stimmen mehr, als AfD und das diese offen unterstützende BSW zusammen haben.
Vor einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt sorgen sich auch die Migrantenverbände. Sie fordern deshalb verbindliche Schutzmaßnahmen von Bund und Ländern.
19.10.2026 | 1:51 minWomöglich kamen weitere Stimmen aus der CDU - denn SPD, Grüne und Linke hatten angekündigt, mit Nein zu stimmen. Die Christdemokraten wiesen dies als bloße Spekulation zurück. In ihrem Beschluss von vor zwei Wochen erklärte die Fraktion, eine Unterstützung für einen Kandidaten der AfD durch die CDU werde weiterhin ausgeschlossen.
Der CDU-Beschluss gilt nur für den ersten und zweiten Wahlgang, in dem für die Wahl eines Ministerpräsidenten die absolute Mehrheit der Abgeordneten notwendig ist. In einem möglichen dritten Wahlgang würde eine einfache Mehrheit reichen. Die CDU-Fraktion würde nach eigenen Angaben dann in den Plenarsaal des Landtags zurückkehren.
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