Merz will zügige Umsetzung:Wie die Rentenreform fast alle Generationen betrifft
Die Koalition will die von einer Kommission vorgeschlagenen Rentenreformen zügig und komplett umsetzen. Von den Änderungen wären fast alle Generationen betroffen.
Die Alterssicherungskommission schlägt 33 Punkte zur Reform der Rente vor. Auf der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt sprechen Merz, Bas und Co. über die Vorschläge der Kommission.
23.06.2026 | 35:43 minRentner und Beschäftigte, Jung und Alt - die von der Rentenkommission empfohlene Runderneuerung der Altersvorsorge beträfe fast jeden im Land. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erhielt den Bericht der Kommission und gab dem Konzept prompt volle Rückendeckung: Der CDU-Chef will es zügig und komplett umsetzen. Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) plant bereits die konkrete Gesetzgebung nach der Sommerpause. Ein Blick auf die konkreten Folgen für einzelne Generationen:
Warum berührt die Reform fast alle?
2040 stehen einer Person im Rentenalter laut Kommission - nach dem, was heute absehbar ist - nur noch zwei Beschäftigte gegenüber. Immer mehr Babyboomer gehen in Rente, die Zahl der Einzahlenden in die Rentenkasse wächst nicht mit. Trotzdem sollen die Beschäftigten im Alter auf 70 Prozent ihres vorigen Nettoeinkommens kommen, wenn man gesetzliche, betriebliche und private Altersbezüge zusammen betrachtet.
Die Maßnahmen sollen nach Merz nun allesamt zügig angegangen werden. Einzelne abzulehnen könne sich die Koalition nicht erlauben, sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Nicole Diekmann.
23.06.2026 | 5:43 minWelche Folgen hat das Konzept für Rentnerinnen und Rentner?
Was schon beschlossen ist, bleibt: Bis 2031 gilt ein Rentenniveau von 48 Prozent. Kurz gesagt heißt das, die Renten steigen bei der jährlichen Anpassung weiter mit den Einkommen mit.
Ab 2032 soll es aber bei der jährlichen Berechnung wieder eine Dämpfung geben - die Renten wachsen weiter, aber weniger stark als die Löhne. Dazu soll der "Nachhaltigkeitsfaktor" wieder eingesetzt und sogar etwas erhöht werden. Die Rentnerinnen und Rentner sollen so einen Teil der demografisch bedingten Mehrkosten übernehmen. Kürzungen müssen sie aber nicht fürchten.
Wie sind Menschen kurz vor der Rente betroffen?
Wer heute Ende 50 oder Anfang 60 ist, muss einiges beachten. Da ist zum einen die geplante Kapitalsäule - die wichtigste Neuerung im Konzept der Rentenkommission. Die Pflichtbeiträge zur Rente sollen schrittweise um bis zu zwei Prozent vom Einkommen steigen, zu gleichen Teilen getragen von Arbeitgebern und Beschäftigten.
Davon soll Kapital aufgebaut werden, in individuellen Versichertenkonten. Ein Staatsfonds oder die Bundesbank sollen das Geld zu Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr anlegen. Ab 2040 soll durch die erwirtschafteten Erträge das Rentenniveau steigen.
Die Rentenkommission habe jetzt den Fahrplan für die nächsten Jahre festgelegt, so Rentenexpertin Haupt bei ZDFheute live. Man habe eine Reform mit einer "Langfrist-Perspektive" vorgeschlagen.
23.06.2026 | 27:44 minDas nützt jenen wenig, die schon recht kurz vor der Rente stehen. Deshalb soll es einen "Übergangsfaktor" geben, finanziert aus Steuermitteln vom Bund. Von 2032 an bis Mitte der 40er Jahre soll das für Neurentner zumindest das bisherige Rentenniveau sichern.
Was passiert mit dem früheren Renteneintritt?
Weitere Vorschläge berühren alle, die vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand wollen. Die Rente für "besonders langjährig Versicherte" mit 45 Berufsjahren - früher Rente mit 63, heute faktisch mit 64,5 Jahren - soll abgeschafft werden. Aber es sollen "Vertrauensschutz" und Übergangsfristen gelten, heißt es von der Kommission. Wer laut Gesundheitsprüfung nicht mehr im Job arbeiten kann, soll einen "vereinfachten Zugang zu einer Rente" bekommen.
"Langjährig Versicherte" mit 35 Berufsjahren sollen nicht mehr im Alter von 63, sondern erst mit 64 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen können. Die Grenze für Altersteilzeit soll von 55 auf 58 Jahre angehoben werden.
Einen kapitalgedeckten Ansatz im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge befürwortet ver.di-Chef Frank Werneke. Dies sei der "Schlüssel zur Stabilisierung".
23.06.2026 | 4:47 minWas bedeutet das Konzept für Jüngere?
Sie sollen erst später in Rente gehen können. Die Regelaltersgrenze soll mit der Lebenserwartung im Verhältnis zwei zu eins steigen. Faustformel: Ein Jahr mehr Lebenserwartung soll acht Monate längeres Arbeiten und vier Monate längeren Rentenbezug ergeben.
Treffen heutige Annahmen über die im Schnitt steigende Lebenserwartung zu, würde das Rentenalter bis 2041 auf 67,5 Jahre nach oben gehen. "Die Maßnahme soll ab 2032 wirksam werden, wenn der Geburtsjahrgang 1965 das 67. Lebensjahr erreicht hat", so die Kommission.
Aktuell werden mit der Rentenreform Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. @MrWissen2go Mirko Drotschmann erklärt, worum es bei der Rentendebatte geht.
28.05.2026 | 13:28 minDas Ziel dieses unpopulären Schritts: Der Beitragssatz steigt weniger stark, das Rentenniveau wird stabilisiert. Das höhere Rentenalter soll also direkt zu höheren Renten beitragen. Auch durch die längere Versicherungsdauer würden die jeweils eigenen Renten etwas höher liegen.
Soll es mehr Einzahler in die Rentenkasse geben?
Ja. "Die Kommission sieht eine Erwerbstätigenversicherung, in die neben abhängig Beschäftigten auch Selbstständige, Beamte, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften einbezogen sind, als Idealbild der Alterssicherung an", heißt es in dem Bericht. Bei den Selbstständigen, Abgeordneten und Vorständen kann es laut Kommission schnell losgehen. Bei den Parlamentariern - von Bund und Ländern - sowie den Firmenchefs erwartet die Kommission wegen der vergleichsweise geringen Zahl aber nur "vernachlässigbare" Effekte.
Auch Minijobs sollen in die gesetzliche Rente einbezogen werden - Ausnahmen soll es nur noch für Schülerinnen und Schüler geben können. Gestärkt werden soll die betriebliche Altersvorsorge, so dass perspektivisch annähernd alle Beschäftigten von Betriebsrenten profitieren.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Weitere Nachrichten zur Rentenreform
Kommission stellt Ergebnisse vor:Rentenreform: Was junge Menschen von den Vorschlägen halten
von Max Schwarzmit Video2:41- Liveblog
Nachrichten | Politik:Reformpaket: Das ändert sich bei der Rente
Merz und Bas:Rente: Koalition will gesamtes Kommissionspaket umsetzen
mit Video0:36Rentenniveau, Eintrittsalter, Beiträge:Das sind die 33 Empfehlungen der Rentenkommission
von Wulf Schmiesemit Video2:41