Kommission stellt Ergebnisse vor:Rentenreform: Was junge Menschen von den Vorschlägen halten
von Max Schwarz
Länger arbeiten, keine Rente mit 63, verpflichtende Kapitalrente: Die Reformen würden besonders jüngere Jahrgänge treffen. Ein Stimmungsbild aus einem schwäbischen Unternehmen.
Auch die junge Generation sorgt sich um die Rente. Um für die Zukunft vorzusorgen, investieren einige junge Arbeitnehmer bereits zusätzlich in Aktien.
23.06.2026 | 1:29 minLeon Gaiser ist 20 Jahre alt und steht ganz am Anfang seines Arbeitslebens. Im vergangenen Jahr hat er eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen, beim Maschinen- und Anlagenbauer Optima in Schwäbisch Hall. Um am Ende seines Arbeitslebens mal genug Geld zu haben, investiert er schon jetzt jeden Monat einen Teil seines Azubi-Gehalt in ETFs.
Ich bin ein bisschen misstrauisch gegenüber der gesetzlichen Rente.
Leon Gaiser, Auszubildener OPTIMA packaging group
Denn er fürchtet, dass der demografische Wandel das System überfordert: weniger Beitragszahler, mehr Rentner.
Die Rentenkommission hat ein Paket mit 33 Punkten vorgelegt. Vor allem junge Menschen werden die Folgen spüren, da sie erst später in Rente gehen können. Merz drängt auf eine zügige Umsetzung.
23.06.2026 | 3:26 minRente erst mit 70?
Um das Rentensystem langfristig stabil zu halten, hat die Rentenkommission heute 33 Empfehlungen an die Bundesregierung übergeben.
Werden sie umgesetzt, hieße das für Leon Gaiser: Er könnte frühestens 2073 in Rente gehen, mit fast 70 Jahren.
Wer im Büro arbeite, könne vielleicht so lange durchhalten, sagt Gaiser. Für Menschen in körperlich schweren Berufen gelte das nicht.
Ich finde es wichtig, dass man nach dem Renteneintritt auch noch was von seiner Rente hat. Dass man nicht kaputt ist, sondern seinen Lebensabend genießen kann.
Leon Gaiser, Auszubildener OPTIMA packaging group
Einen kapitalgedeckten Ansatz im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge befürwortet ver.di-Chef Frank Werneke. Dies sei der "Schlüssel zur Stabilisierung".
23.06.2026 | 4:47 minViele Auszubildende machten sich Sorgen um ihre Rente, berichtet Kevin Jahn. Der 34-Jährige ist Ausbilder bei Optima. Für ihn ist die Rente auch eine Frage der Motivation.
Ich wünsche mir als Ausbilder, dass wir jungen Menschen mehr Perspektive geben können. Dass wir ihnen sagen können: Wenn du so und so viele Jahre arbeitest, bekommst du eine sichere Rente und musst keine Angst vor Altersarmut haben.
Kevin Jahn, Ausbilder OPTIMA packaging group
Kritik an Aus für Rente nach 45 Beitragsjahren
Die Vorstellung länger arbeiten zu müssen, findet Philipp Niedrée nicht schlimm. Der 25-Jährige arbeitet bei Optima im Marketing und sorgt ebenfalls seit mehreren Jahren privat vor. "Ich sehe es jetzt schon bei meinen Großeltern, dass da nicht viel übrig bleibt. Ohne die Rente meines Opas würde meine Oma nicht über die Runden kommen."
Das neue Rentenpaket betrifft Industrie und Beschäftigte gleichermaßen. Wie die Menschen darauf blicken, zeigen Stimmen aus Baden-Württemberg.
23.06.2026 | 1:52 minRainer Kircher muss sich um seine eigene Rente hingegen keine Sorgen mehr machen. Seit dem 1. Juni ist er in passiver Altersteilzeit, nach 47 Arbeitsjahren. Bei Optima ist er von der Arbeit freigestellt, erhält aber weiter sein Gehalt. Trotzdem hält er es für falsch, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen.
Wenn man 45 Jahre lang gearbeitet hat, kommt man irgendwann an seine Grenzen. Und wie alt wir werden, ist nur ein Durchschnittswert. Man kann 80 werden, aber auch nur 68.
Rainer Kircher
Unternehmen sehen Chancen und Belastungen
Katja Schrafft, Personalchefin von Optima, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Vorschläge der Rentenkommission. Für Unternehmen könne es eine Chance sein, Mitarbeitende länger zu halten. Höhere Beitragssätze bedeuteten aber auch eine zusätzliche Belastung in ohnehin angespannten Zeiten.
Aktuell werden mit der Rentenreform Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. @MrWissen2go Mirko Drotschmann erklärt, worum es bei der Rentendebatte geht.
28.05.2026 | 13:28 minDie Rente sei für Optima derzeit nicht die größte Herausforderung, sagt Schrafft. Das Unternehmen bereite Mitarbeitende schon heute mit Rentenberatung, persönlichen Gesprächen und passenden Modellen auf den Ruhestand vor.
Ob wir diese Gespräche zwei Jahre später führen, darauf kommt es nicht an.
Katja Schrafft, Personalleiterin OPTIMA packaging group
Von der Politik wünscht sich Schrafft vor allem mehr Spielraum bei der Arbeitszeit.
Max Schwarz ist Reporter im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
Mehr zum Thema Rente
Merz und Bas:Rente: Koalition will gesamtes Kommissionspaket umsetzen
mit Video3:26Rentenkommission macht Vorschläge:Aktienrente: Vom schwedischen Modell lernen
von Klaus Weber und Frank Bethmannmit Video4:03Rentenniveau, Eintrittsalter, Beiträge:Das sind die 33 Empfehlungen der Rentenkommission
von Wulf Schmiese- Exklusiv
Rentenkommission einig:Renteneintrittsalter soll steigen, Rente mit 63 wegfallen
von Wulf Schmiesemit Video1:02