Schnitzer zu Spritpreis-Entlastungen:Wirtschaftsweise spricht sich für "Direktauszahlung" aus
Die Spritpreise steigen weiter und die Regierung diskutiert Entlastungen. Was ist sinnvoll und was nicht? Einschätzungen der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer im ZDF-Morgenmagazin.
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer fordert gezielte Auszahlungen.
17.09.2026 | 6:06 minBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat rasche Entlastungen für Autofahrerinnen und Autofahrer wegen der hohen Benzin- und Dieselpreise versprochen. Wie diese genau aussehen sollen, ist noch offen.
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bewertet die verschiedenen Vorschläge, die aktuell diskutiert werden - von Steuersenkungen über einen Spritpreisdeckel bis hin zur Übergewinnsteuer im ZDF-Morgenmagazin.
Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Das sagt Schnitzer zu den Vorschlägen …
… die Mehrwertsteuer zu senken
Der Vorschlag von Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU), die Mehrwertsteuer ab dem 1. Oktober zu senken, wirke laut Schnitzer zwar schnell, koste den Staat aber sehr viel Geld. Schnitzer kritisiert daran vor allem das Gießkannenprinzip und das heißt:
Jeder wird unterstützt: Der, der das wirklich braucht, aber auch der SUV-Fahrer, der mit 200 Stundenkilometern über die Autobahn fährt.
Monika Schnitzer, Vorsitzende Sachverständigenrat Wirtschaft
Das sei nicht sinnvoll, so Schnitzer. Man müsse dahin kommen, Menschen gezielt zu unterstützen - und zwar die, die es wirklich brauchen.
Der Kanzler kündigt schnelles Handeln an, lässt konkrete Maßnahmen aber offen. Im Gespräch sind Tankrabatt, Übergewinnsteuer und gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte und Unternehmen.
16.09.2026 | 2:16 min… das mittelständische Transportgewerbe zu entlasten
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte vorgeschlagen, das mittelständische Transportgewerbe gezielt zu entlasten. Laut Schnitzer wäre das wahrscheinlich einfacher umzusetzen, als eine allgemeine Entlastung, denn hier gehe es "tatsächlich um Wirtschaft".
Allerdings würde das nur eine ganz bestimmte Gruppe erreichen. Die meisten Autofahrerinnen und Autofahrer, die sich aber selbst als besonders belastet empfinden, würden bei dieser Maßnahme nicht erreicht werden.
Die hohen Spritpreise hängen vor allem mit dem Iran-Krieg zusammen. Dabei ist es nur eine kleine Menge an Erdöl, die Deutschland aus dieser Region bezieht.
15.09.2026 | 1:03 min… einen Spritpreisdeckel einzuführen und die CO2-Steuer zu senken
Von einem Spritpreisdeckel oder der Senkung der CO2-Steuer, wie sie viele SPD-Politiker fordern, rät Schnitzer ab. Solche Maßnahmen würden allen zugutekommen und außerdem "das falsche Signal" senden.
Ihr Argument: Alles, was den Preis senkt, führe dazu, dass Menschen weniger sparen. Die hohen Preise seien aber da, weil die Mengen knapp seien. Und deshalb müsse man jetzt weniger verbrauchen, so Schnitzer. Sie sagt:
Wir sollten nur die unterstützen, die nicht anders können als jetzt tatsächlich diesen Tank zu füllen. Da wäre eben eine gezielte direkte Unterstützung sehr viel besser.
Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise
Dann hätte man den richtigen Anreiz zum Sparen und würde trotzdem die Autofahrerinnen und Autofahrer entlasten, die es wirklich brauchen.
"Die Benzin- und Dieselpreise werden hoch bleiben", so die Prognose von Ökonom Tomaso Duso. Im Interview erklärt er, wo die Regierung eingreifen könnte und ob der Staat selbst profitiert.
14.09.2026 | 8:42 min… eine Übergewinnsteuer zu erheben
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) spricht sich für eine Übergewinnsteuer für Öl- und Energiekonzerne aus: Unternehmen, die besonders hohe Gewinne machen, sollen einen Teil davon an den Staat zahlen. Gemeinsam mit fünf europäischen Kollegen machte er sich für eine solche Abgabe auf EU-Ebene stark. Schnitzer sagt dazu:
Grundsätzlich würde das, glaub ich, jedem gut gefallen und das würde einem auch als gerecht erscheinen.
Monika Schnitzer, Vorsitzende Sachverständigenrat Wirtschaft
Aber die Frage sei, welche Konzerne das eigentlich betreffe. Seien das Konzerne in Deutschland oder im Ausland? Und komme man an diese Unternehmen überhaupt ran? Die Feststellung, ob und wie viel Übergewinn gemacht werde, sei außerdem ein langwieriges Verfahren - "da liegt der Teufel im Detail, einfach wird das nicht", so Schnitzer.
Der Spritpreis hat ein neues Allzeithoch erreicht. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller erklärt, wie die Bundesregierung weiteren Kostensteigerungen entgegenwirken könnte.
14.09.2026 | 1:12 minDas schlägt die Wirtschaftsweise vor
Schnitzer macht einen anderen Vorschlag. Sie plädiert für eine ...
... sogenannte Direktauszahlung an die Menschen, die es brauchen, auf ihr Konto zu überweisen.
Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise
Und zwar in Abhängigkeit vom Einkommen, sodass man sehe, wo es wirklich notwendig sei. Die technische Infrastruktur dafür existiere inzwischen, sagt sie. Was noch fehle, seien Kontonummern von vielen Menschen.
Ein weiteres und viel schwierigeres Problem sei dabei aber noch immer die Verknüpfung mit dem Einkommen, so Schnitzer: Man müsse im Grunde das Geld erstmal überweisen und dann am Ende des Jahres mit der Steuererklärung ausgleichen - und denen wieder abziehen, denen man vorher zu viel gegeben hat.
Prof. Tomaso Duso (Vorsitzender Monopolkommission) zu den Herausforderungen der Bundesregierung und der Wirtschaft im Umgang mit einer sich verschärfenden Energiekrise.
17.09.2026 | 9:52 minGleichzeitig meint Schnitzer aber auch:
Der Staat kann einen Euro nur einmal ausgeben.
Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise
Wir befänden uns in einer Kriegssituation, in der es Menschen nun mal schlechter gehe, so Schnitzer. Man könne nicht erwarten, dass der Staat alle Menschen in allen Lebenslagen für alles kompensiere - ob Dürre, Hitze oder Rente.
Das Interview führte ZDF-Morgenmagazin-Moderatorin Mirjam Meinhardt.
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